Die vierteilige Dokumentation beleuchtet die Schattenseiten sexpositiver Partys und fragt nach Sicherheit, Verantwortung und wirksamen Schutzkonzepten.
Sexuelle Freiheit, Selbstbestimmung und das Ausleben persönlicher Wünsche gehören zu den zentralen Versprechen sexpositiver Partys. Doch was passiert, wenn ausgerechnet in einem Umfeld, das Offenheit und gegenseitigen Respekt vermitteln soll, persönliche Grenzen überschritten werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der neue ARD-Dokumentationspodcast
«Die Party ist vorbei», der ab Donnerstag, 5. November 2026, vollständig bei ARD Sounds verfügbar ist. Die vierteilige Produktion entstand in Zusammenarbeit von rbb, NDR Kultur, ARD Kultur, Radio Bremen und MDR.
Ausgangspunkt der Recherche ist die Geschichte einer jungen Frau, die im Podcast unter dem geänderten Namen Hannah auftritt. Sie besucht eine sexpositive Party und erwartet einen Abend voller Freiheit und neuer Erfahrungen. Doch die Nacht entwickelt sich anders als erhofft und führt sie schließlich vom Club in die Notaufnahme und später vor Gericht. Anhand ihrer Erlebnisse untersuchen die Autorinnen Jessica Ramczik und Nastassja von der Weiden, welche Risiken in der sexpositiven Clubkultur bestehen und wie Veranstalter mit Vorwürfen sexueller Übergriffe umgehen. Dabei geht es auch um die Frage, ob sogenannte Awareness-Konzepte, die für einen respektvollen Umgang und die Sicherheit der Gäste sorgen sollen, in der Praxis ausreichend funktionieren.
Mehr als ein Jahr lang haben die beiden Journalistinnen für den Podcast recherchiert. In den vier Episoden sprechen sie mit Gästen, Veranstaltern, Mitgliedern von Awareness-Teams und Juristinnen. Darüber hinaus erhielten sie Einblicke in Bereiche der Clubszene, die der Öffentlichkeit normalerweise verschlossen bleiben. Nastassja von der Weiden erklärt: „In der Berichterstattung über sexpositive Partys geht es häufig um Hedonismus, wilde Partys und sexuelle Freiheit. Wir sprechen aber genau über das Gegenteil: Sexuelle Übergriffe, ein unsicheres Umfeld und die Ohnmacht, die nach solchen Partynächten bleiben kann. Wir haben mehrere Frauen kennengelernt, die auf sexpositiven Partys gefeiert oder gearbeitet haben und Übergriffe erlebt oder beobachtet haben.“
Auch Jessica Ramczik zieht aus der Recherche eine grundsätzliche Schlussfolgerung über die gesellschaftlichen Bedingungen sexueller Selbstbestimmung. „Ein Gedanke, der nach unserer Arbeit am Podcast vor allem hängenbleibt: Es gibt kein wirklich freies Feiern in patriarchalen Verhältnissen. So lange Male Gaze und männlich dominierte Pornokultur existieren, müssen wir uns die Frage stellen, wie frei oder tatsächlich befreiend diese Art von Partys sein können“, sagt die Autorin. Die Dokumentation beschränkt sich damit nicht auf einen einzelnen Vorfall, sondern betrachtet auch Machtverhältnisse, gesellschaftliche Erwartungen und die Verantwortung derjenigen, die entsprechende Veranstaltungen organisieren.
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