Tim Curry ist tot: Der Mann, der «Es» ein Gesicht gab

Neben «Rocky Horror» prägte der Brite vor allem das Fernsehen und machte Pennywise lange vor den Kinofilmen zur Horror-Ikone.

Der britische Schauspieler Tim Curry starb im Alter von 80 Jahren. Seine langjährige Managerin bestätigte seinen Tod; Curry starb am Dienstag in Los Angeles. Eine Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Seit einem schweren Schlaganfall im Jahr 2012 war der Schauspieler gesundheitlich stark eingeschränkt.

Natürlich wird sein Name für immer mit «The Rocky Horror Picture Show» verbunden bleiben. Als Dr. Frank-N-Furter schuf Curry 1975 eine jener Figuren, die sich irgendwann von dem eigentlichen Film lösen und Teil der Popkultur werden. Doch wer Currys Karriere allein auf diesen Auftritt reduziert, übersieht, wie ungewöhnlich vielseitig sein Berufsleben verlief. Er war Theaterdarsteller, Sänger, Filmschauspieler und über Jahrzehnte eine unverwechselbare Stimme des amerikanischen Fernsehens. Gerade dort konnte Curry etwas besonders gut: Figuren innerhalb weniger Minuten so groß machen, dass man sie nicht mehr vergaß.

Seine vielleicht bedeutendste Fernsehrolle kam 1990. ABC wagte sich an Stephen Kings monumentalen Roman «Es» und machte daraus einen Zweiteiler. Tim Curry spielte Pennywise, den tanzenden Clown – jene Gestalt, in der sich das namenlose Böse bevorzugt seinen Opfern zeigt. «Es» wurde am 18. und 20. November 1990 ausgestrahlt, hatte ein für damalige TV-Verhältnisse beträchtliches Budget von zwölf Millionen Dollar und erreichte mit seinen beiden Teilen insgesamt rund 30 Millionen Zuschauer. Für ABC wurde die Produktion zum größten Erfolg des Jahres.

Doch «Es» war nur der auffälligste Teil einer erstaunlich langen Fernsehkarriere. Bereits in Großbritannien spielte Curry in den 1970er-Jahren zahlreiche TV-Rollen. 1978 verkörperte er William Shakespeare in der sechsteiligen Miniserie «Will Shakespeare». Es folgten unter anderem «Oliver Twist», in dem er Bill Sikes spielte, sowie der Fernsehfilm «The Worst Witch». Nach seinem Wechsel in die USA war er 1989 über mehrere Episoden in «Wiseguy» als Winston Newquay zu sehen.

1993 folgte eine seiner eindrucksvollsten kleineren TV-Arbeiten. In «Tales from the Crypt» spielte Curry in der Episode «Death of Some Salesmen» gleich drei Mitglieder der grotesken Brackett-Familie. Dafür erhielt er eine Primetime-Emmy-Nominierung. Später gehörte er unter anderem zum Ensemble von «Earth 2», spielte in «Rude Awakening» und übernahm Hauptrollen in «Over the Top» sowie der Neuauflage von «Family Affair». 2007 lieferte er in «Psych» als überheblicher Talentshow-Juror Nigel St. Nigel einen jener Gastauftritte ab, für die seine überlebensgroße Spielweise geradezu geschaffen war. Zu seinen späteren britischen Produktionen gehörten «The Colour of Magic», «Agatha Christie’s Poirot» und «Return to Cranford». Seine letzte episodische Live-Action-Fernsehrolle hatte er 2010 in «Criminal Minds» als Serienmörder Billy Flynn.

Mindestens ebenso bedeutend war seine Stimme. Curry gehörte über Jahrzehnte zu den produktivsten Sprechern der Branche. Besonders bekannt wurde er als Captain Hook in «Peter Pan and the Pirates» und als Nigel Thornberry in «The Wild Thornberrys». Für Captain Hook gewann er einen Daytime Emmy. Dazu kamen zahllose weitere Animationsserien, Videospiele und Hörbücher.

Und natürlich gab es das Kino: «Clue», «Legend», «The Hunt for Red October», «Home Alone 2», «The Three Musketeers» oder «Muppet Treasure Island». Auf der Bühne erhielt Curry drei Tony-Nominierungen, unter anderem für «Amadeus» und «Spamalot». Es war eine Karriere, die sich einer eindeutigen Kategorie entzog. Curry konnte Shakespeare spielen und einen Zeichentrickschurken sprechen, Musicalstar und Horrorclown sein.
26.08.2026 19:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/174916
Fabian Riedner

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