In «Nord bei Nordwest – Bei Einbruch Mord» spielt Janina Elkin eine Frau voller Geheimnisse. Im Interview spricht sie über Leylas Einsamkeit, Vertrauen und die besondere Zusammenarbeit mit Marleen Lohse.
Frau Elkin, in der neuen Folge von «Nord bei Nordwest» sind Sie als Leyla Spiekermann dabei. Ihre Figur gerät nach einem tödlich eskalierten Einbruch schnell selbst unter Verdacht. Was hat Sie an dieser Rolle besonders gereizt?
Mich hat vor allem die psychologische Entwicklung von Leyla gereizt. Die Frage, wie eine ganz normale Frau an einen Punkt kommt, an dem sie ihren eigenen Ehemann töten will. Wie kann sich eine große Liebe in so einen tiefen Hass verwandeln? Was muss sie erlebt und gefühlt haben, und welche Traumata aus ihrer Vergangenheit könnten dabei eine Rolle gespielt haben?
Zu Beginn scheint der Fall eindeutig, doch nach und nach kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht. Wie haben Sie diese Vielschichtigkeit Ihrer Figur angelegt, ohne zu viel vorwegzunehmen?
Ich beschäftige mich bei meinen Figuren immer sehr intensiv mit ihrer Vergangenheit. Ich versuche, ihre Wunden, ihre Träume, ihre Sehnsüchte und ihre Ängste wirklich in mir zu tragen. Darüber lege ich dann eine gesellschaftliche Maske, so wie wir sie auch im echten Leben tragen. Jeder von uns hat eine
Public Persona, also das, was wir der Welt von uns zeigen. Darunter liegt eine
Private Persona, die nur mit ganz bestimmten Menschen oder dann Raum bekommt, wenn wir allein sind.
Den Rest übernimmt das Drehbuch. Es legt Schicht für Schicht frei, was hinter Leylas Fassade steckt und welche Wunden sie mit sich trägt.
Leyla verbindet eine gemeinsame Vergangenheit mit Nele und Jule. Wie wichtig ist diese frühere Freundschaft für das Verständnis der Geschichte?
Ich glaube, dass Leylas Rückkehr nach Schwanitz nach so vielen Jahren auch mit Nele und Jule zu tun hat. Hier war ihre Welt einmal in Ordnung, hier hat ihre Liebe mit Malte begonnen. Für mich liegt in dieser Rückkehr die Hoffnung, dass der Ort vielleicht etwas heilen kann, was in ihrer Ehe verloren gegangen ist. Gleichzeitig stößt genau diese Rückkehr den ersten Dominostein an, der eine ganze Kette tragischer Ereignisse in Bewegung setzt.
Mit Hinnerk Schönemann, Jana Klinge und Marleen Lohse treffen Sie auf ein eingespieltes Ensemble. Wie wurden Sie am Set aufgenommen?
Mit Jana und Cem hatte ich bereits gedreht. Da war schon sehr viel Sympathie füreinander da. Marleen und Hinnerk haben mir von Anfang an das Gefühl gegeben, willkommen zu sein, als Mensch, aber auch als Schauspielerin mit meinen Ideen und der Art, wie ich Leyla angelegt hatte. Sie sind so offene, herzliche und liebevolle Kollegen, die einem auf Augenhöhe begegnen. Das ist ein großes Geschenk und leider in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht selbstverständlich.
Vor allem die Szenen mit Marleen Lohse leben von der gemeinsamen Vergangenheit Ihrer Figuren. Wie haben Sie diese besondere Dynamik entwickelt?
Marleen hat es mir sehr leicht gemacht. Sie ist so offen und nahbar, dass man sofort das Gefühl hat, man würde sich schon ewig kennen. Wir haben uns am Abend vor dem Dreh in der Hotelbar getroffen, um über die Figuren und das Drehbuch zu sprechen, und haben uns so gut verstanden, dass daraus ein sehr langer und lustiger Abend mit vielen ehrlichen und persönlichen Gesprächen wurde.
Als wir dann die Szenen zwischen Leyla und Jule gedreht haben, war es tatsächlich so, als hätten wir diese leichte, schöne Vergangenheit miteinander geteilt. Gleichzeitig liegt zwischen den beiden dieses Geheimnis, das Leyla ihr eigentlich erzählen möchte, aber nicht kann. Genau dieser Widerspruch hat den Szenen für mich eine ganz besondere Energie gegeben.
Der Film erzählt nicht nur einen Kriminalfall, sondern auch von Vertrauen, Schuld und alten Wunden. Welche dieser Ebenen stand für Sie beim Spielen im Vordergrund?
Für mich war bei Leyla vor allem das Thema Vertrauen zentral. Ohne zu viel vorwegzunehmen, habe ich beim Spielen immer stärker gespürt, wie einsam sie eigentlich ist. Sie hat niemanden, dem sie sich wirklich anvertrauen kann.
Regisseurin Judith Kennel inszeniert den Fall mit einer sehr dichten Atmosphäre. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihr erlebt?
Ich war richtig berauscht von der Arbeit mit Judith. Sie hat mir große Freiheit gegeben und mich gleichzeitig sehr liebevoll geführt. Unsere Zusammenarbeit war überhaupt nicht von Hierarchien geprägt, sondern von dem gemeinsamen Wunsch, die Geschichte so gut wie möglich zu erzählen.
Wir haben die Ideen der jeweils anderen offen aufgenommen, ausprobiert und uns dann für das entschieden, was der Geschichte am meisten gedient hat. Dadurch entstand eine sehr freie und kreative Atmosphäre, in der wir uns beide mit großer Freude und Leichtigkeit austoben konnten.
Judith ist eine fantastische Frau und Regisseurin. Ich glaube, ich habe mich bei der Arbeit ein bisschen kreativ in sie verliebt 😀
Ohne zu viel zu verraten: Ihre Figur muss im Verlauf der Geschichte immer wieder die Frage beantworten, wem sie eigentlich noch vertrauen kann. Wie spannend war es, diese Unsicherheit zu spielen?
Ich liebe Unsicherheiten an meinen Figuren. Sie sind für mich oft der beste Zugang zu ihnen. Jedes Leben ist unsicher. Wir Menschen tun so, als hätten wir irgendwelche Sicherheiten im Leben, aber wenn eines sicher ist, dann ist es die Unsicherheit.
«Nord bei Nordwest» zählt seit Jahren zu den beliebtesten Krimireihen im deutschen Fernsehen. Hat diese besondere Stellung der Reihe Ihren Respekt vor der Gastrolle noch einmal erhöht?
Ich habe immer Respekt vor jeder Rolle, die ich spiele, und den Gedanken, dass gerade dieses Format sehr erfolgreich ist und von vielen Zuschauern gesehen wird, muss man einfach an der Garderobe abgeben, sonst blockiert es einen total im Spiel. Ich glaube, es ist mir sehr gut gelungen.
Was wünschen Sie sich, dass die Zuschauer über Leyla Spiekermann denken? Ist sie Opfer, Verdächtige oder einfach ein Mensch mit einer komplizierten Vergangenheit?
Die Brille, durch die wir als Zuschauer eine Figur sehen, ist immer von unseren eigenen Erfahrungen geprägt. Ich würde mir wünschen, dass die Zuschauer sich in Leyla in irgendeiner Form wiedererkennen, sie und ihr Handeln verstehen und sie nicht verurteilen.
Danke für Ihre Zeit!
«Nord bei Nordwest» ist am Donnerstag, den 3. September, im Ersten zu sehen. „Bei Einbruch Mord“ ist seit 24. August in der ARD Mediathek abrufbar.
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