«Everytime» soll für Deutschland ins Oscar-Rennen gehen

Sandra Wollners vielfach ausgezeichnetes Drama wurde als deutscher Beitrag für die 99. Academy Awards eingereicht. Die Konkurrenz ist in diesem Jahr allerdings ungewöhnlich groß.

Deutschland setzt im Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film auf «Everytime». Das Drama von Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Wollner wurde aus insgesamt elf eingereichten Produktionen ausgewählt. Über den deutschen Beitrag entschied am 24. und 25. August in München eine neunköpfige Jury, deren Mitglieder verschiedene Bereiche der deutschen Filmbranche vertreten. German Films organisiert das Auswahlverfahren, besitzt selbst jedoch keinen Sitz in der Jury.

«Everytime» ist eine deutsch-österreichische Koproduktion mit Birgit Minichmayr, Tristán López, Carla Hüttermann und Lotte Shirin Keiling in zentralen Rollen. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die mit dem Tod der 17-jährigen Jessie zurechtkommen muss. Ein Jahr nach deren tödlichem Sturz von einem Berliner Hochhaus taucht Lux wieder auf, der die letzte Nacht mit Jessie verbracht hatte. Gemeinsam mit Jessies Mutter Ella versucht er nachzuvollziehen, was damals geschehen ist. Dabei verbindet Wollner das Trauerdrama zunehmend mit surrealen und mysteriösen Elementen.

Der Film kann bereits eine beachtliche Festivalbilanz vorweisen. Seine Premiere feierte «Everytime» im Mai bei den Filmfestspielen von Cannes, wo die Produktion als bester Film der Sektion „Un Certain Regard“ ausgezeichnet wurde. Beim Sarajevo Film Festival folgte im August mit dem „Herz von Sarajevo“ der Hauptpreis. In Deutschland kam der 123 Minuten lange Film Anfang August in die Kinos. Produziert wurde er von Panama Film und The Barricades, beteiligt waren unter anderem das ZDF mit der Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ sowie der ORF.

Ungewöhnlich ist die Ausgangslage für Deutschland bei den 99. Academy Awards. Aufgrund einer Änderung der Oscar-Regeln können fremdsprachige Filme nun nicht mehr ausschließlich über die offiziellen Auswahlkommissionen ihrer Länder ins Rennen gelangen. Auch der Gewinn bestimmter Preise bei ausgewählten internationalen Festivals ermöglicht die Qualifikation. Deshalb sind mit Visar Morinas «Von Scham und Geld», das beim Sundance Film Festival den World Cinema Grand Jury Prize gewann, und İlker Çataks «Gelbe Briefe», dem Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale, bereits zwei weitere deutsche Produktionen für das Verfahren qualifiziert.

Damit könnten bei den kommenden Oscars gleich drei Filme mit deutscher Beteiligung um einen Platz auf der Shortlist für den besten internationalen Film konkurrieren. Auch bei der Bezeichnung der Kategorie gibt es eine Neuerung: Künftig gilt offiziell der jeweilige Film und nicht mehr das einreichende Land als Nominierter. Der Regisseur nimmt die Auszeichnung im Falle eines Sieges stellvertretend für das kreative Team entgegen. Ob «Everytime» den nächsten Schritt schafft, entscheidet sich Ende des Jahres. Die Academy veröffentlicht am 15. Dezember 2026 die Shortlist mit 15 Filmen. Die fünf endgültigen Nominierten werden am 21. Januar 2027 bekannt gegeben. Die 99. Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 statt.
25.08.2026 18:09 Uhr Kurz-URL: qmde.de/174875
Fabian Riedner

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Everytime Von Scham und Geld Gelbe Briefe

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