Podstars: «Hausverbot im Comicshop»

Der Podcast blickt weit über Marvel und DC hinaus und diskutiert aktuelle US-Comics, Mangas, Webtoons sowie ungewöhnliche Entdeckungen aus der internationalen Independent-Szene.

Wer bei Comics ausschließlich an Superman, Batman, Spider-Man oder die großen Kinofilme von Marvel denkt, bekommt bei «Hausverbot im Comicshop» schnell eine deutlich größere Welt präsentiert. Der Podcast beschäftigt sich vor allem mit aktuellen US-Comicserien und weniger bekannten Veröffentlichungen aus der Independent-Szene. Zwar finden auch die großen Verlage Marvel und DC ihren Platz, doch das eigentliche Interesse gilt häufig jenen Titeln, die abseits des Mainstreams erscheinen und von vielen Leserinnen und Lesern möglicherweise übersehen werden.

Hinter dem Podcast steht Steven Günther, der sich regelmäßig mit seinen Mitstreitern über Neuerscheinungen, persönliche Entdeckungen und die Entwicklungen auf dem internationalen Comicmarkt austauscht. Dabei bleibt es längst nicht immer beim klassischen amerikanischen Heftcomic. Auch Mangas, Webtoons, Sammelkartenspiele, Biografien und weitere Bestandteile der Nerdkultur schleichen sich in die Gespräche ein. Die Gastgeber wissen selbst, dass ihre Themen gelegentlich ausufern, und machen daraus einen Teil des Konzepts. Episodentitel wie „Der Podcast entgleitet mir“, „Redundanz Overload“ oder „Don’t drop it like it’s Hot“ deuten bereits an, dass hier keine streng durchgetaktete Literaturkritik zu erwarten ist.

Die Ausgaben dauern meist deutlich länger als anderthalb Stunden. Entsprechend viel Raum erhalten die einzelnen Titel, aber auch Diskussionen, Abschweifungen und persönliche Anekdoten. Gerade diese Mischung macht den Reiz für ein Publikum aus, das Comics nicht nur als gelegentliche Unterhaltung betrachtet, sondern sich für Autoren, Zeichner, Verlage und die Besonderheiten einzelner Reihen interessiert. Die Moderatoren urteilen deutlich, streiten über ihre Eindrücke und müssen nicht jeden Titel gleichermaßen schätzen.

Die Themenauswahl fällt ausgesprochen breit aus. In einer einzigen Episode können Werke wie «Godzilla», «Exquisite Corpses», «Witch Watch», «Smoking Behind the Supermarket» und «My Perfectly Imperfect Body» nebeneinanderstehen. Andere Folgen widmen sich «Preacher», «Kaiju Nr. 8», «I Hate Fairyland», «Cyberpunk: Edgerunners Madness» oder verschiedenen kleineren Produktionen, deren Titel selbst eingefleischten Comicfans nicht zwangsläufig bekannt sein dürften. Damit funktioniert «Hausverbot im Comicshop» auch als Entdeckungsformat: Wer neue Reihen sucht und sich nicht allein auf die großen Bestseller verlassen möchte, bekommt regelmäßig zahlreiche Anregungen.

Gelegentlich werden Gäste eingeladen. So nahm Andrea Reich nicht nur an den Gesprächen teil, sondern stellte sich auch einem großen Quiz zu «One Piece». Solche spielerischen Abschnitte lockern die ausführlichen Besprechungen auf und unterstreichen den gemeinschaftlichen Charakter. Der Podcast wirkt weniger wie eine distanzierte Kritikersendung und mehr wie ein langer Abend unter Freunden, die ihre neuesten Einkäufe auspacken, Empfehlungen austauschen und über misslungene Geschichten ebenso leidenschaftlich sprechen wie über gelungene Überraschungen.

Dass neue Episoden nicht immer ganz pünktlich erscheinen, wird offen und selbstironisch kommentiert. Technische Probleme, Urlaubszeiten und die Terminkalender der Beteiligten gehören zur Geschichte des Formats. Im Durchschnitt erscheint etwa monatlich eine neue Folge. Diese Unregelmäßigkeit passt jedoch zur entspannten Grundhaltung der Sendung, die sich nicht dem Takt einer professionellen Veröffentlichungsmaschine unterwirft.

«Hausverbot im Comicshop» richtet sich vor allem an Hörerinnen und Hörer, die bereits eine gewisse Begeisterung für Comics und verwandte Medien mitbringen. Einsteiger könnten von der Vielzahl an Titeln zunächst überwältigt sein, erhalten jedoch einen lebendigen Eindruck davon, wie vielfältig die Szene inzwischen ist. Zwischen großen Namen, obskuren Independent-Projekten und liebevollem Nerd-Firlefanz entsteht ein Podcast, der Comics nicht bloß bewertet, sondern die Freude am Sammeln, Lesen und Diskutieren hörbar macht.

30.08.2026 12:05 Uhr Kurz-URL: qmde.de/174135
Sebastian Schmitt

super
schade


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