►   zur Desktop-Version   ►

«30 Jahre RTL»: Die Thomas-Gottschalk-Show

Quotenmeter.de vor Ort: In der Jubiläumsshow von RTL geht es nur am Rande um die Sendergeschichte. Vielmehr das gegenwärtige Programm und ein alles überstrahlender Gastgeber prägen die Geburtstagsfeier.

Seite 2
Der einzige Moment in dem die Zuschauer in Hürth schon fast von alleine beim Applaudieren aufgestanden wären, war der Auftritt des Gastgebers zu Beginn der Show. Und Thomas Gottschalk war es ohnehin, der als einziger wahren Eventcharakter in die Sendung bringen und die ganze Zeit hindurch die Leute mitnehmen konnte. Er hatte den Laden weitgehend in gewohnter Manier im Griff und es schien so, als wäre er in Funktion des Moderators nie von der größeren Showbühne weg gewesen. Dabei ist «30 Jahre RTL» doch quasi sein Comeback auf ebendieser, nachdem er sich im Dezember 2011 von «Wetten, dass..?» verabschiedet hatte. Zudem ist Gottschalk mit der Jubiläumsshow des Kölner Senders in gewisser Weise auch erst einmal so richtig bei RTL angekommen, denn nach seinen Einsätzen als Jury-Mitglied beim «Supertalent» und als Kandidat bei «Die 2» ist «30 Jahre RTL» die erste Sendung, die er dort selbst moderiert.

Hier können ihn seine Fans endlich wieder in Aktion erleben, wenngleich sie durchaus die Kröte schlucken müssen, dass ihr Thommy nun typische RTL-Formate unterstützt, die er früher mal kritisiert hatte. Doch obwohl es tatsächlich ein bisschen merkwürdig daherkommt, wenn er diesbezüglich in der Jubiläumsshow gute Miene zum bösen Spiel macht und sich z.B. von Dschungelkönig Peer Kusmagk fragen lassen muss, ob er überhaupt schon jemals eine Folge vom Dschungelcamp gesehen habe, wirkt Gottschalk trotzdem nicht fehl am Platze.

Ich hatte sogar meine allererste Sendung als Supa Richie bei RTL. Das war bei Hans Meiser in der Talkshow. Da habe ich, wenn man so will, die TV-Karriere gestartet. Meine Oma hat damals mit ihrer Skat-Runde zugeschaut, aber denen gefiel dieser Charakter des Supa Richie nicht so. Das waren halt Rentner, die aber «Hans Meiser» normalerweise immer gerne geschaut haben.
Matze Knóp zu Quotenmeter.de
Irgendwie passt der Paradiesvogel ganz gut in die schillernde RTL-Welt und das liegt vor allem daran, dass die ihre Formate seit Ende des «Supertalent»-Reinfalls schlauerweise auf ihn zuschneidet. Das wird bei seinen noch folgenden Shows zu den Themen Klassentreffen und ABBA so sein, das war natürlich auch schon bei «Die 2» zwingend so und bei «30 Jahre RTL» ist es, etwas überraschend, ebenso. Wenn Gottschalk etwa auf der Couch mit dem sympathischen «Monk»-Darsteller Tony Shalhoub gekonnt plaudert, dieser bekundet, dass er sich wundere, den Gastgeber mal angezogen zu sehen, weil er ihn sonst nur in Badehose vom Strand in Malibu kenne und nebenbei ein Dolmetscher übersetzt, dann hat das ein Hauch von altbekannten Talks bei «Wetten, dass..?».

Wenn Gottschalk mit Sylvie Meis beim Auftritt der «Let´s dance»-Belegschaft einen flotten Tanz hinlegt oder gegen RTL-Sportstar Wladimir Klitschko im Seilspringen antritt, dann hat das einen Hauch von altbekannten Wetteinlösungen bei «Wetten, dass..?». Wenn Gottschalk ab und an zu Frauke Ludowig in die Domino-Räume zum Aufbau des Parcours schaltet, dann hat das einen Hauch von altbekannten Außenwetten bei «Wetten, dass..?». Und wenn er Show-Acts ansagt oder am Ende vor den versammelten Mitwirkenden der Show seine etwas längeren Abmoderationen hält, dann hat auch das alles einen Hauch von «Wetten, dass..?». Auf den ersten Blick merkwürdig, aber bei dem Gastgeber im Grunde kaum verwunderlich: «30 Jahre RTL» wirkt über lange Strecken wie ein kleines «Wetten, dass..?», nur eben ohne Wetten und mit Werbung. Eine Ironie des Schicksals.

Was eigentlich offiziell die Feier für einen drei Jahrzehnte alt gewordenen Privatsender sein sollte, ist insgeheim zu einer verspäteten Willkommensfeier für den neuen alten Star dieses Senders mutiert. Der wiederum dankt es ihm, indem er während der Sendung und auch in den Aufzeichnungspausen Spitzen gegen seinen alten Arbeitgeber bringt und seinen neuen zumeist verteidigt. So witzelt er etwa bei der Vorstellung seiner 30 wie RTL 30-jährigen Assistentinnen: „30. ZDF-Geburtstag – da stellen wir 30 Rosen hin. Hier sind es 30 Frauen.“

Ich kann mich daran erinnern, das RTL damals der erste Sender war, der bunt war. Schon alleine die Buchstaben. Das war ein bisschen was anderes als damals das Erste, Zweite und die dritten Programme. Von daher habe ich RTL immer geschaut und das ist bis heute so geblieben. RTL ist immer Unterhaltungsqualität und ich als Comedian freue mich, wenn ich von RTL in Sendungen eingeladen werde und bin da auch immer gerne dabei.
Matze Knop zu Quotenmeter.de
Oder aber er gibt gleichzeitig noch seinem unglücklichen «Wetten, dass..?»-Nachfolger eins mit: „Beim ZDF habe ich graue Haare bekommen, aber jetzt sind sie wieder blond. Wir wissen ja, wer jetzt beim ZDF graue Haare bekommt...“ Dass der Gottschalk den Lanz immer noch um Längen schlägt, was Ausstrahlung, Gespür und Spontaneität angehen, konnten die Zuschauer im Studio vor, während und nach der Aufzeichnung von «30 Jahre RTL» immer wieder live erleben. Sein volles Können hatte der Gastgeber in einer Aufzeichnungspause vor dem letzten Drittel der Show unter Beweis zu stellen: Da sich die gut vierstündige Aufzeichnung langsam etwas hinzog, wurde das Studiopublikum unruhig und ein wenig mürrisch. Viele standen auf, um sich die Beine zu vertreten oder gingen raus auf die Toilette, obwohl dies gar nicht vorgesehen war. Während ein Markus Lanz in einer solchen Situation wahrscheinlich gar nicht gewusst hätte, wie er mit den Leuten nun umgehen und sie beschwichtigen soll, griff Gottschalk flugs zu den Chips und Salzstangen, die vor ihm auf dem Couchtisch lagen und verteilte sie im Publikum. Gepaart mit charmanten Witzen wie „Meine alten Knochen würden das lange Sitzen auch nicht mehr so gut aushalten“ und seinem breiten, typischen Thommy-Grinsen konnte er die Zuschauer im Saal schnell wieder beruhigen und gut gelaunt stimmen. Er hatte die Menschen einfach auf seiner Seite und hielt alle Fäden locker zusammen. Da verziehen Zuschauer und die Leidtragende es ihm auch gerne, dass er Hella von Sinnen als Helga von Sinnen anmoderierte, worüber er sich selbst am meisten ärgerte. Gottschalk überstrahlte das meiste andere einfach. Wenn er eine Show moderiert, geht es eben zumeist insgeheim fast nur um ihn. Vor allem, wenn er längere Zeit nicht mehr als Moderator aktiv war, richtet sich das allgemeine Interesse naturgemäß auf den letzten deutschen Showmaster. Deshalb wurde «30 Jahre RTL» zu einer Art Thomas-Gottschalk-Show.

Wer das alte RTL liebt und auf viele nostalgische Gefühle hofft oder noch nie viel für den Kölner Sender übrig hatte, der kann die RTL-Jubiläumsshow getrost übergehen. Wer allerdings Anhänger des aktuellen RTL ist, der wird hingegen voll auf seine Kosten kommen. Und für alle Gottschalk-Fans, die bereit sind, ihm den Fehltritt mit dem «Supertalent» zu verzeihen und über den ein oder anderen beruflich nötigen Sinneswandel ihres Lieblings hinwegzusehen, gilt ohnehin eine Einschaltpflicht. Weil sie nicht immer alles richtig machen, sich nicht zu ernst nehmen und dennoch viel beachtet bleiben, weil sie Fernsehen für die Masse machen, passen sie gut zusammen, der Thommy und sein neues RTL. Eben „manchmal daneben, aber immer voll drauf!“ Man wird sich dran gewöhnen (müssen). «30 Jahre RTL» ist zu diesem Zweck eine gute Starthilfe.
« zurück
02.01.2014 11:31 Uhr Kurz-URL: qmde.de/68234
Gregor Elsbeck

Artikel teilen


Tags

30 Jahre RTL Bauer sucht Frau Das Supertalent Der Preis ist heiß Deutschland sucht den Superstar Die 2 Domino Day Gute Zeiten schlechte Zeiten Ich bin ein Star Ich bin ein Star - holt mich hier raus! Let´s dance Monk RTL Samstag Nacht Supertalent We

◄   zurück zur Startseite   ◄
Werbung

Qtalk-Forum » zur Desktop-Version

Impressum  |  Datenschutz und Nutzungshinweis  |  Cookie-Einstellungen  |  Newsletter