Zu harmonisch, zu wenig überraschend? Michael Altinger verteidigt seine neue BR-Show gegen Kritik, erklärt, warum er auf politische Zuspitzung verzichtet, und spricht über den Vergleich mit «Ringlstetter».
Herr Altinger, die vier geplanten Folgen Ihrer neuen BR-Show sind inzwischen gelaufen. Wie fällt Ihre persönliche Zwischenbilanz aus? Was funktioniert bereits, und wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?
Ich bin überrascht, wieviel tatsächlich gleich auf Anhieb funktioniert hat. Zudem hatte ich jeweils spannende Gesprächspartner, die sehr offen Einblicke in ihr Leben geboten haben. Natürlich darf noch mehr Lässigkeit und Ruhe in die Sache einkehren. Das kommt aber sicher mit der Zeit.
Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete den Auftakt als „gut gemachtes Unterhaltungsfernsehen“ und als „gelungen“, spricht aber auch von „Wohlfühlfernsehen ohne Überraschungen“ und stellte damit in den Raum, ob Chancen verpasst werden. Können Sie dies nachvollziehen, oder unterschätzt man damit bewusst unaufgeregte Unterhaltung?
Ich finde es etwas gewagt, schon nach der ersten Pilotfolge von verpassten Chancen zu sprechen. Unser Ziel war es, anspruchsvolle Abendunterhaltung zu bieten, die nicht zu politisch daherkommt, aber eine klare Haltung erkennen lässt. Ich glaube, das haben wir gut hingekriegt und die Quoten und der Publikumszuspruch bestärken uns sehr, in diese Richtung weiterzuarbeiten.
Sie haben den früheren Sendeplatz von «Ringlstetter» übernommen. Wie sehr spüren Sie nach den ersten Ausgaben den Vergleich mit Ihrem Vorgänger? Und was muss «Altinger» anders machen, um eine eigene Identität zu entwickeln?
Natürlich ist der Vergleich da. Allerdings hält er sich in Grenzen. Das mag vor allem daran liegen, dass es einfach sehr viele verschiedene Personality-Shows im Fernsehen gibt. In meiner Sendung sind einige Elemente zu entdecken, die viel mehr an «Grünwalds Freitagscomedy» erinnern als an «Ringlstetter». Damit meine ich das Standup Solo am Anfang, den Desk-Piece mit aktuellen Meldungen und die vielen Zuspieler. Ich glaube, die eigene Identität ist schon da, weil uns da eine gute Mischung gelungen ist. Außerdem schreibe ich einen Großteil der Texte. Das ist mein Humor, das bin ich.
Ihre Sendung verbindet Gespräche, Sketche, Musik und einen humoristischen Wochenrückblick. Ist das möglicherweise zu viel für 45 Minuten, oder braucht eine moderne Personality-Show gerade diese Abwechslung?
Ich weiß nicht, ob es Regeln gibt, wie abwechslungsreich eine moderne Personality-Show zu sein hat. Wichtig ist, dass jeder Teil gut funktioniert und nicht langweilt.
Mit Wolfgang Krebs, Helmfried von Lüttichau und Günter Grünwald waren bereits mehrere bekannte bayerische Unterhaltungskünstler zu Gast. Besteht die Gefahr, dass sich das Format zu sehr innerhalb der vertrauten BR-Kabarettszene bewegt?
Dem wollen wir entgegenwirken, indem wir immer noch einen zweiten Gast haben, der nicht aus der üblichen Kabarettisten-Bubble kommt. Außerdem gab es doch durchaus viel Neues von meinen vertrauten Kollegen zu erfahren.
Mit Katrin Müller-Hohenstein und Anja Kohl haben Sie auch Gäste eingeladen, die nicht aus der Comedy kommen. Haben Sie festgestellt, dass solche Gespräche andere Fähigkeiten von Ihnen verlangen als die Zusammenarbeit mit Kabarettkollegen?
Natürlich erfordern diese Gespräche etwas mehr Vorbereitung, um mit der nötigen Sicherheit ins Interview zu gehen. Aber grundsätzlich gelten hier die gleichen Regeln, wie in jedem anderen Gespräch: Zugewandtheit, ehrliches Interesse und große Freude über die Anwesenheit des anderen.
Im «schlachthof» stehen politische Zuspitzung und Satire im Mittelpunkt, bei «Altinger» eher persönliche Geschichten und Alltagsbeobachtungen. Ist Ihnen die neue Sendung manchmal selbst zu harmonisch, und darf es künftig auch einmal richtig unbequem werden?
Ich habe nichts dagegen, wenn es auch mal unbequem wird und kantig. Aber deshalb sind wir nicht angetreten. Bei all den Brandherden und Katastrophen auf dieser Welt, darf`s auch mal die anspruchsvolle Leichtigkeit sein. Da darf es menscheln, da darf es harmonisch sein. Das brauch ich zum Durchschnaufen und der Zuschauer auch.
Der BR hat in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Comedyformate gestartet. Hat das klassische bayerische Kabarett im Fernsehen ein Nachwuchsproblem, oder sucht der Sender einfach noch nach einer zeitgemäßen Form der Unterhaltung?
Ich persönlich finde es positiv, dass hier ausprobiert wird und aktiv nach neuen Wegen gesucht wird, trotz der vielen Einsparungen, zu denen man gezwungen ist.
Wenn der BR weitere Folgen bestellt: Was würden Sie konkret verändern? Mehr Zeit für Gespräche, überraschendere Gäste, schärfere Satire – oder soll «Altinger» gerade deshalb funktionieren, weil es sich nicht ständig neu erfinden muss?
Ich glaube, es geht in erster Linie darum, bei den einzelnen Teilen in die Feinarbeit zu gehen und weiter zu optimieren. Der Altinger hat Spaß, die Haltung stimmt, die Wohnzimmer-Atmosphäre kommt rüber und die Band bereichert die Sache ungemein. Ich will an dem weiterarbeiten, was ich habe.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die vier Episoden von «Altinger» sind in der ARD Mediathek abrufbar.
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