«Die Möllner Briefe»: 3sat erinnert an die Opfer des rassistischen Brandanschlags

Der preisgekrönte Dokumentarfilm von Martina Priessner erzählt von jahrzehntelang zurückgehaltener Solidarität und einer Familie, die bis heute mit den Folgen rechtsextremer Gewalt lebt.

Mehr als drei Jahrzehnte lang lagerten zahlreiche Solidaritätsbriefe im Archiv der Stadt Mölln, ohne dass die Angehörigen der Opfer des rassistischen Brandanschlags von 1992 davon wussten. Der Dokumentarfilm «Die Möllner Briefe» begleitet İbrahim Arslan bei der Entdeckung dieser Nachrichten und zeigt, welche Bedeutung die verspätete Anteilnahme für die Überlebenden hat. 3sat strahlt die 97-minütige Produktion von Martina Priessner am Montag, den 30. November 2026, um 22.25 Uhr im Rahmen der «3satDokumentarfilmzeit» erstmals aus. Im Streamingangebot ist der Film bereits ab dem 18. November verfügbar.

In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1992 verübten Rechtsextremisten Brandanschläge auf zwei Wohnhäuser in Mölln. Dabei starben die zehnjährige Yeliz Arslan, die 14-jährige Ayşe Yılmaz und die 51-jährige Bahide Arslan. Der damals siebenjährige İbrahim Arslan überlebte, verlor jedoch seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Während er inzwischen öffentlich gegen Rassismus kämpft und sich für eine Erinnerungskultur aus Sicht der Betroffenen einsetzt, sucht sein Bruder Namık noch nach einem eigenen Umgang mit den traumatischen Erfahrungen. Der Film macht deutlich, wie unterschiedlich die Angehörigen mit den Folgen der Gewalt leben.

Regisseurin Martina Priessner stellt dabei eine grundsätzliche Frage: „Was bedeutet Solidarität, wenn sie die Betroffenen nicht erreicht?“ Die Filmemacherin möchte zeigen, dass die öffentliche Erinnerung an rassistische Gewalt nicht allein von Institutionen und gesellschaftlichen Debatten bestimmt werden darf. Vielmehr müssten die Überlebenden selbst zu Wort kommen. «Die Möllner Briefe» feierte 2025 auf der Berlinale Premiere und wurde dort mit dem Amnesty-Filmpreis sowie dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt die Produktion außerdem den Roman-Brodmann-Preis.
31.10.2026 13:34 Uhr Kurz-URL: qmde.de/177064
Fabian Riedner

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• Die Möllner Briefe • 3satDokumentarfilmzeit

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