Mit der 500. Folge feiert «SOKO Köln» ein besonderes Jubiläum. Im Interview spricht Tatjana Kästel über zehn Jahre als Lilly Funke und die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen.
Frau Kästel , «SOKO Köln» erreicht mit in dieser Staffel die 500. Folge. Erinnern Sie sich noch an Ihren jeweils ersten Drehtag – und hätten Sie damals gedacht, einmal gemeinsam dieses Jubiläum zu feiern?
Mein erster Drehtag war sehr aufregend und fand in Köln-Nippes statt. Lilly stellte sich in einer WG vor. Regie führte damals Torsten Wacker. Ich hätte natürlich nicht gedacht, dass ich zehn Jahre später immer noch bei der «SOKO» bin und vor allem so lange mit Pierre und meinen anderen Kollegen und Kolleginnen spielen darf.
500 Folgen bedeuten auch, dass sich die Serie mehrfach verändern musste, ohne ihre Identität zu verlieren. Was ist für Sie heute noch typisch «SOKO Köln» – und was unterscheidet die Serie deutlich von der Zeit Ihres jeweiligen Einstiegs?
Ich denke, die «SOKO Köln» zeichnet aus, dass wir als Team alle Freude an der Arbeit haben und wir den gleichen Humor teilen. Was wir erzählen und dass wir immer das Beste herausholen wollen. Verändert hat sich ganz klar: Wir haben weniger Zeit und Geld für die Folgen.
In „Adlerauge“, der ersten Folge der neuen Staffel, wird das Team der «SOKO Köln» von einem jungen Ermittler unterstützt. Malte beobachtet seine Nachbarschaft akribisch und führt eigene Ermittlungsnotizen. Wie verändert sich das Spiel Ihrer Figuren, wenn plötzlich ein zehnjähriger Hobbydetektiv Hinweise liefert, die für die Profis tatsächlich relevant werden?
„Adlerauge“ ist eine schöne Folge und bekommt durch die Figur Malte eine andere, neue Perspektive. Der junge Kollege war ein Profi und hat das auch ganz toll gespielt.
Der Mord geschieht nach einer eskalierten Eigentümerversammlung, dahinter kommen Konflikte um Sanierung, Geld und eine Solaranlage zum Vorschein. Liegt eine Stärke von «SOKO Köln» gerade darin, sehr alltägliche Situationen zu nehmen und daraus glaubwürdige Kriminalfälle zu entwickeln?
Es gibt häufig Geschichten, die aus dem Alltag kommen. Aber wir haben auch immer wieder spezielle Folgen, wie z. B. „1926“, die so gar nicht alltäglich ist und trotzdem toll geworden ist. Vielleicht liegt die Stärke der SOKO Köln dann eher darin, zu überraschen und auch mal etwas Neues, Anderes zu wagen …
Lilly Funke und Matti Wagner gehören inzwischen zu den prägenden Figuren des Teams. Wie würden Sie deren Verhältnis heute beschreiben – und was funktioniert zwischen den beiden gerade deshalb so gut, weil sie bei Ermittlungen nicht immer auf dieselbe Weise an einen Fall herangehen?
Das Verhältnis der beiden ist natürlich immer noch super, auch wenn sie ab und an aneinandergeraten und unterschiedlicher Meinung sind. Aber diese Reibung ist ja gerade das Spannende und macht großen Spaß zu spielen.
Bei einer Serie mit mittlerweile 500 Folgen dürfte fast jedes klassische Krimimotiv schon einmal vorgekommen sein. Woran merken Sie beim Lesen eines neuen Drehbuchs trotzdem noch: Diese Geschichte haben wir so bei «SOKO Köln» noch nicht erzählt?
Wenn ein Drehbuch mich fesselt und z. B. besondere Charaktere darin vorkommen. Oder wenn eine unserer Hauptfiguren eine besondere Verbindung zum Fall hat.
Eine langlebige Serie lebt einerseits von Vertrautheit, andererseits darf sie nicht zur Routine werden. Wie verhindern Sie persönlich nach vielen Drehtagen und Fällen, dass Verhöre, Tatortbesichtigungen oder Besprechungen irgendwann nur noch nach einem bekannten Schema gespielt werden?
Dadurch, dass wir immer wieder neue Gast-Spielpartner und Spielpartnerinnen haben, finde ich, ist jedes Verhör, jede Situation immer anders … Und mit den festen Kollegen und Kolleginnen versuchen wir uns immer wieder neu zu inspirieren …
«SOKO Köln» läuft weiterhin klassisch dienstags um 18.00 Uhr, die Folgen stehen aber bereits eine Woche vorher im Streaming bereit. Merken Sie inzwischen, das sich dadurch auch das Publikum verändert und die Serie von Menschen entdeckt wird, die mit dem traditionellen ZDF-Vorabend wenig anfangen können?
Da bin ich etwas überfragt. Aber ich denke schon, dass uns dadurch auch jüngere Leute schauen, die sonst um diese Uhrzeit arbeiten müssen oder kaum noch lineares TV gucken.
Wenn Sie anlässlich der 500. Folge nach vorne schauen: Was wünschen Sie sich für Lilly Funke noch – gibt es private oder berufliche Seiten Ihrer Figuren, von denen Sie selbst nach all den Fällen gerne mehr erzählen würden?
Oh, ich bin da ganz offen, was kommt, und freue mich über alle Dinge, die Lilly Funke noch erleben wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
«SOKO Köln» ist dienstags im ZDF zu sehen. Die Serie kann auch gestreamt werden.
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