‚Das kleine Fernsehspiel‘ erzählt von der Erschöpfung der Moderne

Zwischen Burnout und historischen Behandlungsmethoden verbindet «Formen moderner Erschöpfung» Spielfilm und Dokumentation zu einer ungewöhnlichen Zeitreise.

Das ZDF zeigt in der Nacht zum Dienstag, 3. November 2026, um 00.15 Uhr die Free-TV-Premiere von «Formen moderner Erschöpfung». Der dokumentarische Spielfilm von Sascha Hilpert läuft im Rahmen von „Das kleine Fernsehspiel“ und ist bereits seit dem 10. Oktober im Streaming verfügbar. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die in einem traditionsreichen Sanatorium im Harz versuchen, einen Weg aus ihrer Erschöpfung zu finden.

Nina Dahlhoff (Birgit Unterweger) und Henri Kahn (Rafael Stachowiak) sind ausgebrannt und einsam. Im letzten Sanatorium seiner Art begegnen sie sich zwischen Liegekuren und Therapiegesprächen. Während beide mit ihrem Burnout kämpfen und versuchen, wieder einen Zugang zu ihrem eigenen Leben zu finden, kommen sie sich langsam näher. Aus der Begegnung entwickelt sich die Hoffnung auf einen Neuanfang.

Die fiktionale Handlung trifft dabei auf einen realen Schauplatz. Gedreht wurde im traditionsreichen Sanatorium Barner, das im Jahr 1900 gegründet wurde und mit seiner Jugendstilarchitektur an Thomas Manns „Zauberberg“ erinnert. Zu den früheren Gästen gehörten unter anderem der Maler Paul Klee und der spätere Medienunternehmer Alfred Hugenberg. Teile der dort angewandten Heilmethoden gehen noch auf die Zeit der sogenannten Neurasthenie vor rund 125 Jahren zurück.

Genau an dieser Stelle verbindet der Film Vergangenheit und Gegenwart. Während die Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter anderem die Elektrifizierung und die zunehmende Geschwindigkeit des modernen Lebens als Belastung empfanden, richtet sich der Blick heute auf Digitalisierung und permanente Erreichbarkeit. Briefe früherer Patienten, Tagebücher und weitere Fundstücke aus dem Archiv des Hauses ergänzen die Geschichte von Nina und Henri.

So wird das Sanatorium zum Schauplatz einer „Archäologie der Erschöpfung“. «Formen moderner Erschöpfung» fragt, wie sehr sich die Ursachen und Symptome des Ausgebranntseins tatsächlich verändert haben – und welche Belastungen lediglich ein neues technisches und gesellschaftliches Gewand bekommen haben.

Für Sascha Hilpert ist die Produktion zugleich sein alleiniges Filmdebüt. Zuvor war er unter anderem Ko-Regisseur des Dokumentarfilms «Sportsfreund Lötzsch» und arbeitete als Autor für zahlreiche TV-Kulturmagazine. Das Drehbuch zu «Formen moderner Erschöpfung» schrieb er gemeinsam mit Martin Rosefeldt.
10.10.2026 10:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176321
Fabian Riedner

super
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• Formen moderner Erschöpfung • Sportsfreund Lötzsch

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