Rob Bubble – Von unterhaltsamer Comedy zur scharfen Medien- und Gesellschaftskritik

Robin Blase kennt die deutsche YouTube-Szene seit ihren Anfangsjahren. Heute beschäftigt er sich vor allem mit ihren Schattenseiten.

Als Robin Blase seinen YouTube-Kanal im Dezember 2006 eröffnete, existierte der Beruf des Influencers praktisch noch nicht. Ursprünglich sollte die Plattform lediglich als zusätzlicher Ausspielweg für einen Gaming-Podcast dienen, den Blase bereits als Jugendlicher betrieb. Ab 2013 trat er unter dem Namen RobBubble schließlich selbst regelmäßig vor die Kamera. Zunächst standen Comedy, Satire und Parodien im Mittelpunkt. Mehr als ein Jahrzehnt später beschäftigt er sich auf demselben Kanal vor allem mit Medien, Politik und den Schattenseiten der Influencer-Branche.

Schon die Kanalbeschreibung erinnert noch an die ursprüngliche Ausrichtung: „Ironie, Satire, Parodie, Sketche“ versprach Blase dort – ergänzt um gelegentliche ernstere Themen. Mit seinen Comedy-Videos stellte sich schnell Erfolg ein. 2014 wurde RobBubble beim Deutschen Webvideopreis als Newcomer nominiert, drei Jahre später erhielt Blase den ZDI Talent Award für ein Webserien-Konzept.

Nach und nach wurden aus den gelegentlichen ernsten Beiträgen allerdings zentrale Bestandteile des Kanals. Blase beschäftigt sich heute mit Entwicklungen innerhalb der sozialen Medien ebenso wie mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Dabei analysiert er beispielsweise Boulevardmedien, politische Kommunikation, den Umgang mit Minderheiten oder demokratische Institutionen. Seine eigene Position versteckt er dabei nicht, verbindet sie aber meist mit ausführlichen Beispielen und Quellen.

Politische Formate sind für ihn keineswegs neu. Rund um die Bundestagswahl 2017 moderierte Blase unter anderem Interviews mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. Bekannte Webvideo-Creator konnten den beiden Politikern dabei Fragen stellen. Blase gehörte damit zu einer Generation von YouTubern, die früh ausprobierte, politische Inhalte für ein Publikum aufzubereiten, das klassische Fernsehsendungen häufig nicht mehr erreichten.

Seine humoristischen Wurzeln hat RobBubble trotzdem nicht aufgegeben. Immer wieder nimmt er kuriose Mechanismen des Internets auseinander. Er untersuchte etwa die damaligen YouTube-Trends, ging der Herkunft kitschiger WhatsApp-Sprüche nach oder beschäftigte sich mit der Werbeindustrie hinter Influencern. Für eines seiner Experimente nahm er über einen längeren Zeitraum Werbeangebote an, um sichtbar zu machen, welche teilweise kuriosen Produkte Creatorn angeboten werden.

Besonders gut verbindet der „Anti-Webvideopreis“ diese beiden Seiten seines Kanals. Seit 2016 blickt Blase in der satirischen Preisverleihung auf problematische, absurde oder besonders diskussionswürdige Ereignisse der Influencer-Welt zurück. Statt die besten Videos des Jahres auszuzeichnen, geht es um fragwürdige Werbung, riskante Aktionen, zweifelhafte Spendenkampagnen oder andere Fehltritte von Internetpersönlichkeiten. Die Community beteiligt sich an der Auswahl, während Blase die Fälle im bewusst seriösen Moderatorenstil präsentiert. Als wenig schmeichelhafte Trophäe dient ein goldener Dislike-Button.

Dass Blase die Branche so detailliert beobachten kann, hat auch mit seiner eigenen Geschichte zu tun. Während einer Schauspielausbildung in Los Angeles arbeitete er 2012 für den US-amerikanischen YouTuber Philip DeFranco. Zurück in Deutschland studierte er Film- und Fernsehproduktion und arbeitete anschließend als Creative Producer bei Mediakraft. Später wechselte er zu Studio71 und gehörte zu den Bewohnern des damaligen Creator-Projekts „The Mansion“. Ab 2015 war er zudem an der Webshow «NerdScope» beteiligt. Blase kennt die professionelle YouTube-Welt deshalb sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Aus dieser Erfahrung entwickelte sich später auch eine unternehmerische Tätigkeit. Mit der Richtig Cool GmbH gründete er eine eigene Produktionsfirma und Agentur, die digitale Videoformate entwickelt und umsetzt. Darüber hinaus arbeitete Blase als Moderator und gehörte zu den Hosts des funk-Reportageformats «follow me.reports». Nach eigenen Angaben war er im Laufe seiner Karriere an der Entwicklung mehrerer YouTube-Kanäle beteiligt, die jeweils mehr als 100.000 Abonnenten erreichten.

Eine weitere feste Säule seiner Arbeit ist inzwischen der Podcast «Lästerschwestern». 2018 startete Blase das Format gemeinsam mit David Hain. Seit 2021 führt er es mit der Journalistin Lisa Ludwig beziehungsweise wechselnden Gästen weiter. Woche für Woche geht es dort um YouTube, TikTok, Influencer und die wichtigsten Debatten der Internetwelt. Der Podcast erscheint auch 2026 weiterhin regelmäßig.

Dabei betrachtet sich Blase selbst durchaus als Teil jener Branche, die er kritisiert. Gerade deshalb beschäftigt ihn die Verantwortung reichweitenstarker Creator gegenüber ihrem oftmals jungen Publikum. Werbung, parasoziale Beziehungen oder das öffentliche Ausschlachten des Privatlebens sind für ihn nicht nur kuriose Internetgeschichten, sondern Teil einer professionellen Medienindustrie.



Dass gesellschaftliches Engagement für ihn nicht bei Videos endet, zeigt zudem „Loot für die Welt“. Das gemeinsam mit anderen Creatorn gestartete Charity-Projekt verbindet Livestream-Unterhaltung mit Spendensammlungen für gemeinnützige Organisationen. Bereits 2017 wurde die Aktion beim Deutschen Webvideopreis in der Kategorie „Social Good“ ausgezeichnet.

RobBubble steht damit exemplarisch für den Wandel der deutschen YouTube-Landschaft. Robin Blase begann zu einer Zeit, als YouTube noch überwiegend Experimentierfeld für Hobbyfilmer war. Er erlebte anschließend die Professionalisierung, große Netzwerke, Influencer-Marketing und die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung der Plattform aus nächster Nähe. Heute nutzt er genau diese Erfahrung, um jene Branche kritisch zu beobachten, deren Entwicklung er selbst seit fast zwei Jahrzehnten begleitet. Aus Comedy und Parodien sind dadurch zunehmend Medienanalyse und Gesellschaftskritik geworden – der Humor ist RobBubble dabei allerdings geblieben.
01.11.2026 12:40 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176052
Milan Zwick

super
schade


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Tags

• YouTuber • NerdScope • follow me.reports • Lästerschwestern

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