Kevin Spacey, Christopher Walken und Jennifer Garner in einer Komödie über einen Geschäftsmann im Katzenkörper – was sollte da schon schiefgehen?
Manchmal lässt sich die Entstehung eines schlechten Films kompliziert erklären. Studios greifen ein, Drehbücher werden während der Dreharbeiten umgeschrieben oder ein ambitioniertes Konzept funktioniert einfach nicht. Bei
«Voll verkatert» («Nine Lives») ist die Sache inzwischen erstaunlich klar. Kevin Spacey erklärte 2026 selbst, warum er den Film gemacht hatte: Er sei damals an einem Punkt seiner Karriere gewesen, an dem er bereit gewesen sei, einen Film einfach für Geld zu drehen. Er sei schließlich sehr gut vermarktbar gewesen. Und manchmal, so scherzte er rückblickend, mache man eben einen «Nine Lives». Dann werde man zur Katze.
Viel besser kann man Barry Sonnenfelds Fantasy-Komödie aus dem Jahr 2016 kaum zusammenfassen. Dabei liest sich die Besetzung erstaunlich prominent. Kevin Spacey spielte die Hauptrolle, Jennifer Garner seine Ehefrau, Christopher Walken einen geheimnisvollen Tierhändler. Dazu kamen Robbie Amell, Cheryl Hines und die damals noch junge Malina Weissman. Hinter der Kamera stand mit Sonnenfeld sogar der Regisseur der ersten drei «Men in Black»-Filme und von «The Addams Family». Heraus kam trotzdem ein Film, dessen Metascore bei gerade einmal elf von 100 Punkten landete.
Spacey spielt Tom Brand, einen schwerreichen Unternehmer, der seine Firma FireBrand beherrscht und unbedingt den höchsten Wolkenkratzer der nördlichen Hemisphäre bauen möchte. Arbeit ist für ihn wichtiger als praktisch alles andere. Seine erste Ehe ist bereits gescheitert, sein erwachsener Sohn David arbeitet in der Firma und hofft vergeblich auf Anerkennung, während seine zweite Frau Lara und die gemeinsame Tochter Rebecca regelmäßig feststellen müssen, dass Tom kaum Zeit für sie hat. Rebecca hat zu ihrem elften Geburtstag eigentlich nur einen großen Wunsch: eine Katze. Ausgerechnet Katzen kann ihr Vater nicht ausstehen. Weil Tom selbstverständlich auch den Kauf des Geburtstagsgeschenks bis zur letzten Minute aufschiebt, landet er schließlich im mysteriösen Purrkins Pet Shop. Dort residiert Felix Perkins, gespielt von Christopher Walken mit jener eigentümlichen Christopher-Walken-Art, bei der man nie genau weiß, ob die Figur verrückt ist oder lediglich mehr über die Welt weiß als alle anderen. Felix verkauft Tom den Kater Mr. Fuzzypants. Auf dem Weg nach Hause macht der Unternehmer jedoch noch einen Abstecher ins Büro. Auf dem Dach seines Hochhauses streitet er mit Manager Ian Cox. Dann schlägt ein Blitz ein, Tom stürzt gemeinsam mit der Katze vom Gebäude und landet im Koma.
Sein Bewusstsein dagegen wacht in Mr. Fuzzypants auf. Damit beginnt die eigentliche Handlung von «Nine Lives». Felix kann mit Tom kommunizieren und erklärt ihm die Regeln: Er muss innerhalb einer Woche erkennen, was in seinem bisherigen Leben schiefgelaufen ist, und wieder eine Verbindung zu seiner Familie herstellen. Gelingt ihm das nicht, bleibt er für immer eine Katze. Was folgt, ist im Grunde «A Christmas Carol» mit Katzenvideos. Der arrogante Geschäftsmann muss lernen, dass Geld und beruflicher Erfolg nicht alles sind. Als Mr. Fuzzypants versucht Tom zunächst verzweifelt, seiner Familie mitzuteilen, dass er in dem Tier steckt. Gleichzeitig bekommt er erstmals unmittelbar mit, wie sehr Frau und Kinder unter seinem Verhalten gelitten haben.
Das Problem ist weniger diese Ausgangsidee. Körpertausch- und Läuterungskomödien funktionieren seit Jahrzehnten. Ein egoistischer Geschäftsmann, der buchstäblich zum Haustier seiner vernachlässigten Familie wird, hätte sogar eine ziemlich brauchbare Familienkomödie ergeben können. «Nine Lives» scheint sich aber hauptsächlich für die Frage zu interessieren, welche lustigen Dinge eine digital bearbeitete Katze anstellen kann. Also säuft Mr. Fuzzypants Scotch, benutzt eine Toilette, wird betrunken, springt gegen Möbel und wird durch CGI in Situationen gezwungen, die 2016 bereits wie verlängerte Katzenvideos aus dem Internet wirkten. Das Drehbuch benötigte gleich fünf Autoren, schafft es aber trotzdem nicht, aus seiner Grundidee genügend gute Gags zu entwickeln.
Dabei wird die Geschichte gegen Ende plötzlich erstaunlich düster. Während Toms menschlicher Körper im Krankenhaus immer schwächer wird, verliert David den Machtkampf um die Firma. Tom glaubt schließlich, sein Sohn wolle sich vom Hochhaus stürzen. Der Katzenvater springt hinterher und ist bereit, sein eigenes Leben zu opfern. Doch David trägt einen Fallschirm und landet bei der Eröffnungsfeier des Gebäudes, wo er erklärt, dass er über die Aktien seines Vaters weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen besitzt. Toms Opferbereitschaft reicht trotzdem aus: Er erwacht wieder als Mensch. Und weil ein Katzenfilm offenbar noch eine letzte Pointe braucht, wird Bösewicht Ian später von einem Auto angefahren und seinerseits in eine Katze verwandelt.
An den Kinokassen war «Nine Lives» kein gigantisches Millionengrab, aber auch kein Erfolg. Das Budget lag bei rund 30 Millionen Dollar, weltweit spielte der Film etwa 57,8 Millionen Dollar ein. In Nordamerika waren es lediglich 19,7 Millionen. Besonders der Start enttäuschte: Erwartet worden waren ungefähr zehn Millionen Dollar am ersten Wochenende, tatsächlich kamen nur 6,2 Millionen zusammen. Allerdings hatte EuropaCorp den Film ausgerechnet am 5. August 2016 gegen «Suicide Squad» ins Rennen geschickt.
Die Kritiker waren noch weniger begeistert als das Publikum. Bei Rotten Tomatoes sind lediglich 14 Prozent der erfassten Besprechungen positiv, Metacritic kam auf vernichtende elf von 100 Punkten. Interessanterweise bewerteten Kinobesucher den Film beim CinemaScore mit einem vergleichsweise freundlichen B+. Das deutet zumindest darauf hin, dass Familien, die genau diese harmlose Katzenkomödie erwartet hatten, wesentlich weniger Probleme damit hatten als professionelle Kritiker.
David Ehrlich von „IndieWire“ hielt den Film sinngemäß für weniger unterhaltsam als ein gewöhnliches Katzen-GIF. Peter Travers vom „Rolling Stone“ vergab sogar null Sterne. Immer wieder wurde dasselbe Problem angesprochen: «Nine Lives» ist nicht spektakulär katastrophal, sondern erschreckend einfallslos. Und gerade das macht ihn für diese Reihe interessant.
Denn eigentlich sind hier Leute am Werk, die es besser können. Barry Sonnenfeld hatte nicht nur «Men in Black» inszeniert, sondern als Kameramann unter anderem für die Coen-Brüder gearbeitet. Christopher Walken hatte längst einen Oscar gewonnen. Jennifer Garner war ein etablierter Hollywoodstar. Und Kevin Spacey hatte für «American Beauty» und «The Usual Suspects» Oscars erhalten. Trotzdem wirken weite Teile des Films wie eine günstig produzierte Familienkomödie, deren größtes Verkaufsargument „Kevin Spacey steckt in einer Katze“ lautet.
Für Sonnenfeld bedeutete der Film keinen großen Karriereabsturz. Er arbeitete anschließend vor allem fürs Fernsehen, führte bei mehreren Episoden von «A Series of Unfortunate Events» Regie und war als Executive Producer an der Netflix-Serie beteiligt. Später inszenierte er unter anderem die Apple-TV+-Serie «Schmigadoon!». Jennifer Garner blieb ebenfalls prominent und spielte in zahlreichen Kino- und Streamingproduktionen. Robbie Amell etablierte sich unter anderem mit «Upload», während Malina Weissman kurz nach «Nine Lives» durch «A Series of Unfortunate Events» einem größeren Publikum bekannt wurde. Christopher Walken musste ohnehin niemandem mehr etwas beweisen und erhielt Jahrzehnte nach seinem Karrierestart noch viel Aufmerksamkeit für «Severance» und «Dune: Part Two».
Bei Kevin Spacey verlief die Geschichte vollkommen anders, allerdings nicht wegen «Nine Lives». Der Film erschien 2016, ein Jahr bevor öffentliche Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens seine Hollywoodkarriere weitgehend zum Stillstand brachten. In den folgenden Jahren gab es verschiedene Straf- und Zivilverfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. «Nine Lives» als Ursache seines späteren Karriereeinbruchs darzustellen, wäre deshalb schlicht falsch. Bemerkenswert ist vielmehr, dass Spacey selbst den Film 2026 rückblickend als Beispiel für eine Phase bezeichnete, in der er Rollen auch des Geldes wegen annahm.
30 Millionen Dollar, fünf Drehbuchautoren, ein Oscar-Preisträger in der Hauptrolle, Christopher Walken als magischer Katzenverkäufer und Barry Sonnenfeld auf dem Regiestuhl – und am Ende bleibt vor allem eine computeranimierte Katze, die Scotch trinkt. Immerhin besitzt Kevin Spacey heute die vermutlich kürzeste Filmkritik dazu: Manchmal macht man eben einen «Nine Lives».
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