Drogen, Ermittlungen, vertrackte Liebesbeziehungen und dazwischen Gloria Acheampong. So oder so ähnlich muss man sich den neuen ZDF-Montagsfilm vorstellen.
Stab
Darsteller: Thelma Buabeng, Tobias Oertel, Haley Louise Jones, Marc Benjamin, Almila Bagriacik, Alexander Milo, Teresa Rizos
Schnitt: Sanjeev Hathiramani
Musik: Hinrich Dageför, Stefan Wulff
Kamera: Alexander Sachs
Drehbuch und Regie: Lars BeckerEin toter verdeckter Ermittler, ein gestohlenes Auto, Frankfurter Nachtclubs, Drogengeldwäsche und eine undichte Stelle im Polizeiapparat: Lars Beckers «Die Polizistin und die Todesstille» hat auf dem Papier eigentlich alles, was einen schmutzigen, urbanen Polizeithriller auszeichnet. Dazu kommt mit Gloria Acheampong eine Ermittlerin, die nicht nur beruflich mit dem Mordopfer verbunden ist, sondern auch privat: Sie kennt den ermordeten Kollegen Yunis Zouaï aus dem Studium und hatte zuletzt eine Beziehung mit ihm.
Dass sie ihre persönliche Verbindung zum Opfer verschweigt, verleiht der Ermittlerin zunächst eine interessante Fallhöhe. Hier könnte ein Krimi entstehen, in dem Loyalität, Schuld, professionelle Distanz und persönliche Verstrickungen wirklich miteinander kollidieren. Doch «Die Polizistin und die Todesstille» behandelt dieses Potenzial eher wie einen dramaturgischen Koffer, den man möglichst schnell abstellen möchte.
Thelma Buabeng gibt Gloria dabei die notwendige Präsenz, um den Film über manche seiner schwächeren Passagen hinwegzutragen. Ihre Figur wirkt konzentriert, kontrolliert und zugleich zunehmend isoliert. Gerade das passt gut zu einem Krimi, dessen zentrales Motiv das Misstrauen ist. Gloria weiß nicht, wem sie trauen kann, und der Zuschauer weiß irgendwann ebenfalls nicht mehr so recht, welcher Spur er eigentlich folgen soll. Das ist allerdings nicht immer dasselbe wie Spannung.
Denn Lars Becker, der zugleich Regie und Drehbuch verantwortet, packt reichlich Handlung in seinen Film. Gastronom Leon Graf gerät ins Visier, seine Lokale laufen wegen hoher Umsätze und Drogengeldwäsche prächtig, Yunis arbeitete dort zuletzt neben Leons Freundin Debbie. Dann wird auch noch DJ Nikki Caspari ermordet, dessen Freundin Emma plötzlich zur wichtigen Zeugin wird und verschwindet. Schließlich kommt Yunis' Ex-Frau Paula ins Spiel, bei der Gloria ein entscheidendes Beweisstück vermutet. Und irgendwo dazwischen steckt offenbar eine undichte Stelle in den eigenen Reihen.
Das ist viel. Viel zu viel: «Die Polizistin und die Todesstille» erzählt seine Geschichte mit einer enormen Lust an der Verästelung. Nur erwächst aus den vielen Spuren nicht automatisch ein dichter Kriminalfall. Im Gegenteil: Irgendwann entsteht der Eindruck, dass der Film immer dann eine neue Tür öffnet, wenn hinter der vorherigen noch nicht genug passiert ist. Verdächtige gibt es reichlich, Geheimnisse ebenfalls. Was fehlt, ist eine wirklich starke emotionale Verbindung zwischen diesen Elementen.
Auch die Frankfurter Nachtwelt bleibt auffällig das, was man sich von einer solchen Kulisse eben vorstellt: dunkle Clubs, zwielichtige Geschäfte, Geld, Drogen und Menschen, die sich grundsätzlich so verhalten, als würden sie entweder etwas verbergen oder gleich jemanden erschießen.

Überhaupt hätte man sich mehr Mut zur Ruhe gewünscht. Es wird zu viel erklärt, verfolgt, verdächtigt und aufgedeckt, und die Handlung rennt gelegentlich schneller, als ihre Figuren hinterherkommen. Das macht «Die Polizistin und die Todesstille» zu einem Film, der nur selten wirklich das erreicht, was seine Ausgangslage eigentlich verspricht. Thelma Buabeng ist als Gloria sehenswert, die Besetzung mit Tobias Oertel, Almila Bagriacik, Carlo Ljubek und Nadeshda Brennicke solide bis interessant, und die Frankfurter Kulisse besitzt genügend Eigenleben, um den Film atmosphärisch zusammenzuhalten. Was fehlt, ist der eine entscheidende Zugang, der aus einem routinierten Krimi einen bemerkenswerten machen würde. Die persönliche Beziehung zum Mordopfer, die Drogengeschäfte, die Morde, die verschwundene Zeugin und der Verdacht gegen die eigenen Reihen ergeben zusammengenommen einen durchaus ansehnlichen Krimistoff. Aber sie ergeben noch keinen überzeugenden Film. Gewünscht hätte man sich wohl eher einen Tick weniger Handlung – und dafür etwas mehr von Gloria Acheampong.
Der Film «Die Polizistin und die Todesstille» wird am Montag, den 21. September um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
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