Das Erste zeichnet die außergewöhnliche Geschichte eines afro-karibischen Seemanns nach, der während des Zweiten Weltkriegs im KZ Mauthausen landete.
Eine nahezu vergessene Lebensgeschichte steht am späten Montagabend im Mittelpunkt von «ARD History». Das Erste zeigt am 5. Oktober um 23.40 Uhr das Dokudrama
«Vom Paradies in die Hölle». Die Filmemacher Michaela Debastiani, Jermain Raffington und Stefanie Daubek erzählen darin vom afro-karibischen Seemann Lionel Romney und zugleich von der Verfolgung Schwarzer Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus. «Vom Paradies in die Hölle» entstand als Koproduktion von DOTS & CIRCLES, ORF und BR in Zusammenarbeit mit ARTE. Das Dokudrama ist nach seiner Fernsehausstrahlung auch in der ARD Mediathek abrufbar.
Romney wurde 1912 in Santo Domingo geboren und wuchs auf Sint Maarten auf. Als junger Mann heuerte er auf einem Frachtschiff an und wollte die Welt kennenlernen. Der Zweite Weltkrieg machte daraus eine jahrelange Odyssee. Sein Schiff wurde beschossen und sank. Zwar überlebte die Besatzung, doch Romney geriet anschließend in italienische Gefangenschaft und verbrachte mehrere Jahre in unterschiedlichen Lagern.
1944 wurde Romney schließlich in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Elf Monate musste er dort unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Lagersystems überleben, ehe amerikanische Soldaten das Konzentrationslager befreiten. Über seine Erlebnisse sprach Romney erst Jahrzehnte später ausführlich mit seiner Tochter Mary.
Genau diese Gespräche bilden den Ausgangspunkt des Films. Mary Romney begibt sich auf die Spuren ihres Vaters und reist dafür von der Karibik über Italien bis nach Österreich. Ihre Suche dient als erzählerischer Rahmen, um die einzelnen Stationen seines Lebens nachzuzeichnen. Archivaufnahmen werden dabei mit künstlerischen Reenactments verbunden.
Über Romneys persönliche Geschichte hinaus beschäftigt sich «Vom Paradies in die Hölle» mit der Situation Schwarzer Menschen im nationalsozialistischen Europa. Der Film thematisiert Rassismus, koloniale Kontinuitäten, Zwangsarbeit und politische Verfolgung, aber auch den Einsatz Schwarzer Menschen für propagandistische Zwecke. Historisch eingeordnet werden die Ereignisse unter anderem von Clarence Lusane, Katharina Oguntoye, Walter Sauer und Serge Bilé.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel