Nach «Star Wars» und «Superman» wollte auch das italienische Kino vom neuen Geschäft mit Science-Fiction und Superhelden profitieren.
Als Richard Donners «Superman» Ende der 1970er Jahre in die Kinos kam, versprach die Werbung vollmundig, das Publikum werde glauben, dass ein Mensch fliegen könne. Alberto De Martinos
«Der Puma Mann» bewies zwei Jahre später unfreiwillig das Gegenteil. Der italienische Superheldenfilm «L'uomo puma», international als «The Pumaman» bekannt, wollte vom Erfolg amerikanischer Science-Fiction- und Comicproduktionen profitieren. Das Problem: Für die spektakulären Bilder eines «Superman» fehlten Geld, Technik und Erfahrung. Das Ergebnis gehört heute zu den berüchtigtsten Superheldenfilmen überhaupt.
Dabei beginnt die Geschichte ausgesprochen ambitioniert. Vor Tausenden von Jahren besuchten Außerirdische die Erde und wurden von den Azteken für Götter gehalten. Aus der Begegnung entstand eine Linie von Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Einer ihrer Nachfahren ist der sogenannte Pumaman, der die Menschheit beschützen soll. Außerdem hinterließen die Außerirdischen eine goldene Maske, mit der sich der Geist anderer Menschen kontrollieren lässt.
In der Gegenwart gelangt genau diese Maske in die Hände des skrupellosen Dr. Kobras. Gespielt wird der Bösewicht ausgerechnet von Donald Pleasence, der durch «Halloween» bereits weltbekannt war und dem abstrusen Geschehen zumindest ein wenig schauspielerische Autorität verleiht. Kobras möchte die Maske einsetzen, um zunächst einzelne Menschen und schließlich die politischen Entscheidungsträger der Welt seinem Willen zu unterwerfen.
Der eigentliche Held weiß zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts von seinem Schicksal. Tony Farms ist ein amerikanischer Paläontologe, der in London lebt. Der Azteke Vadinho sucht nach dem neuen Pumaman und hat dafür eine ungewöhnliche Testmethode entwickelt: Er wirft mögliche Kandidaten aus dem Fenster. Wer den Sturz überlebt, könnte der gesuchte Superheld sein. Tony besteht diese Prüfung und erfährt anschließend, dass in ihm tatsächlich besondere Kräfte schlummern.
Mit einem magischen Gürtel kann Tony seine Fähigkeiten aktivieren. Er entwickelt übermenschliche Kräfte, kann durch Gegenstände sehen, seinen Stoffwechsel kontrollieren und vor allem fliegen. Letzteres wird zum berühmtesten Bestandteil des Films – allerdings nicht aus den von den Produzenten erhofften Gründen. Während Christopher Reeve in «Superman» zumindest für damalige Verhältnisse überzeugend durch die Luft schwebte, hängt Walter George Alton als Pumaman sichtbar vor einer Rückprojektion. Sein Körper wirkt dabei häufig nahezu horizontal aufgehängt, die Arme rudern durch die Luft und die Beine bewegen sich, als suche er verzweifelt nach einem unsichtbaren Boden.
Die Handlung nimmt derartige Szenen dennoch vollkommen ernst. Tony versucht gemeinsam mit Vadinho, Kobras aufzuhalten. Dieser hat Jane Dodson, die Tochter des niederländischen Botschafters, bereits unter seine Kontrolle gebracht und arbeitet daran, auch Staatsoberhäupter zu manipulieren. Jane entwickelt jedoch Gefühle für Tony und kann sich deshalb teilweise gegen Kobras' Befehle wehren. Tony dringt schließlich in das Hauptquartier des Bösewichts ein, verliert zeitweise seine Kräfte und wird beinahe selbst einer Gehirnwäsche unterzogen. Bemerkenswert ist dabei, dass der angebliche Superheld einen beträchtlichen Teil seiner Erfolge Vadinho verdankt. Dieser erklärt Tony seine Kräfte, rettet ihn mehrfach und erledigt häufig genau jene Aufgaben, die eigentlich der Held übernehmen müsste. Jahrzehnte später wurde gerade dieser Umstand zu einem beliebten Witz: Eigentlich wäre Vadinho der wesentlich geeignetere Pumaman gewesen.
Im Finale bekommt Tony seine Kräfte zurück. Kobras versucht mit einem Hubschrauber zu fliehen, doch der Pumaman verfolgt ihn durch die Luft und bringt die Maschine zum Absturz. Anschließend reisen Tony, Jane und Vadinho nach Stonehenge. Dort erscheinen schließlich die Außerirdischen, um die Maske zurückzunehmen. Vadinho verabschiedet sich und erklärt Tony, dass er eines Tages dessen Sohn ausbilden werde. Danach schweben Tony und Jane gemeinsam in die Luft. Ein Nachfolger kam wenig überraschend nie zustande.
Dass «Der Puma Mann» überhaupt entstand, hatte viel mit dem damaligen Kinomarkt zu tun. «Star Wars», «Unheimliche Begegnung der dritten Art» und insbesondere «Superman» hatten gezeigt, wie groß das Publikum für fantastische Stoffe geworden war. Auch italienische Produzenten versuchten, von diesem Trend zu profitieren. Regisseur Alberto De Martino räumte später selbst ein, dass der Film auf der damaligen Mode beruhte. Genau solche Produktionen hatte das italienische Genrekino schließlich über Jahrzehnte hervorgebracht: Erfolgreiche internationale Filme wurden aufgegriffen und mit wesentlich kleineren Budgets in eigene Varianten verwandelt.
Bei «Der Puma Mann» funktionierte dieses Prinzip allerdings nur bedingt. De Martino wusste selbst, dass das italienische Kino bei aufwendigen Spezialeffekten nicht mit Hollywood konkurrieren konnte. Besonders problematisch waren die Flugszenen. Für diese war sogar eine spezielle Kamera aus Deutschland gekauft worden. Die Techniker konnten mit dem Gerät jedoch nicht richtig umgehen. Weil der Drehplan eingehalten werden musste, entstanden die entsprechenden Szenen schließlich innerhalb von gerade einmal zwei Tagen mit Blue-Screen-Technik. Und genau das sieht man. Die Flüge sind nicht einfach nur schlecht gealtert. Sie wirkten bereits 1980 billig. Hintergrund und Schauspieler passen optisch kaum zusammen, Perspektiven stimmen nicht und der Pumaman sieht regelmäßig so aus, als würde er an einem Draht vor einem Urlaubsfilm hängen. Ausgerechnet die wichtigste Fähigkeit des Helden wurde damit zum größten unfreiwilligen Gag der gesamten Produktion.
De Martino war zudem schon während der Entstehung mit dem Drehbuch unzufrieden und versuchte nach eigenen Angaben, den Film durch zusätzlichen Humor zu retten. Doch auch das führte zu einem Problem: «Der Puma Mann» schwankt ständig zwischen ernst gemeintem Superheldenabenteuer und unfreiwilliger Komödie. Für eine richtige Parodie nimmt sich der Film zu ernst, für ein spannendes Abenteuer ist er wiederum viel zu absurd.
In Italien wurde die Produktion zum Flop. De Martino erklärte später bemerkenswert selbstkritisch, «Der Puma Mann» sei der einzige Film seiner Karriere gewesen, den er wirklich falsch gemacht habe. Nicht einmal eine halbe Milliarde Lire habe die Produktion in Italien eingespielt. Immerhin retteten die internationalen Verkäufe die wirtschaftliche Bilanz: Laut De Martino kam durch die Auslandsverwertung zumindest die garantierte Mindestsumme wieder herein. Andernfalls, scherzte beziehungsweise klagte der Regisseur später, hätte er sein Haus verkaufen müssen.
Für Hauptdarsteller Walter George Alton wurde «Der Puma Mann» nicht zum erhofften Durchbruch. Seine Filmkarriere blieb äußerst überschaubar. Anders sah es bei Donald Pleasence aus. Der britische Schauspieler hatte bereits eine lange Karriere hinter sich und kehrte anschließend mehrfach als Dr. Loomis zur «Halloween»-Reihe zurück. Er starb 1995 im Alter von 75 Jahren. Auch Sydne Rome, die Jane spielte, blieb insbesondere im europäischen Film und Fernsehen aktiv. Regisseur Alberto De Martino drehte nach dem Desaster weitere Filme, zog sich später aus dem Geschäft zurück und starb 2015.
Seine eigentliche zweite Karriere begann «Der Puma Mann» ohnehin erst viele Jahre nach seinem Kinostart. 1998 nahm sich «Mystery Science Theater 3000» des Films an. Das Konzept der Kultsendung bestand darin, schlechte Filme zu zeigen und sie währenddessen humorvoll zu kommentieren. «The Pumaman» erwies sich dafür als nahezu perfektes Material. Insbesondere die Flugszenen und die merkwürdige Rollenverteilung zwischen Tony und Vadinho wurden zum gefundenen Fressen für die Autoren.
Die entsprechende Ausgabe entwickelte sich zu einer der bekanntesten Folgen der Sendung. Damit geschah etwas, das bei vielen Produktionen aus „Filme des Grauens“ zu beobachten ist: Ein Film, der ursprünglich ernsthaft scheiterte, fand Jahrzehnte später ausgerechnet wegen seiner Schwächen ein neues Publikum. Die schlechten Effekte wurden nicht mehr als Ärgernis betrachtet, sondern als Unterhaltungswert. Anders als manche lieblose Billigproduktion entstand der Film nicht mit dem Vorsatz, möglichst wenig Aufwand zu betreiben. De Martino wollte tatsächlich einen internationalen Superheldenfilm drehen. Er hatte nur nicht die technischen Möglichkeiten, seine Vorstellungen überzeugend umzusetzen. Selbst der Regisseur erkannte später offen an, dass er einen Film gemacht hatte, den er besser nicht hätte drehen sollen.
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