Buchclub: ‚Bulletproof‘: Gefährliche Mission trifft auf große Anziehung

Zwischen einer heruntergekommenen Farm, einer geheimen Militäreinheit und einem gefährlichen Fremden entwickelt sich eine düstere Liebesgeschichte.

Dark Romance ist längst kein Nischenphänomen mehr. Vor allem über soziale Netzwerke und BookTok haben Geschichten mit moralisch ambivalenten Figuren, gefährlichen Männern und Beziehungen, die bewusst weit von der klassischen romantischen Wohlfühlgeschichte entfernt sind, ein großes Publikum gefunden. Genau in dieses Genre fällt „Bulletproof“ von K M Moronova. Der Roman ist der Auftakt einer Dark-Military-Romance-Reihe und liegt seit April 2026 in der deutschen Übersetzung von Birte Mirbach vor.

Im Mittelpunkt steht Briar Thornton. Ihre Rückkehr nach Bane Falls erfolgt nicht freiwillig und schon gar nicht aus nostalgischen Gründen. Nach dem Tod ihres Onkels muss sie sich um dessen Farm kümmern und diese für einen Verkauf vorbereiten. Die Vorstellung klingt zunächst überschaubar: hinfahren, das Erbe ordnen, die Immobilie loswerden und anschließend möglichst schnell wieder verschwinden. Doch bereits die Farm macht Briar einen Strich durch die Rechnung. Statt eines unkomplizierten Nachlasses wartet eine ziemliche Bruchbude auf sie.

Das größere Problem ist allerdings ein Mann, von dessen Identität Briar zunächst nichts weiß. Sie bekommt zunehmend das Gefühl, beobachtet zu werden. Hinter dem Fremden steckt Roman Syxx – und mit ihm beginnt der Teil der Geschichte, der «Bulletproof» von einer klassischen Small-Town-Romance weit entfernt. Syxx gehört zu den Dark Forces und ist Lieutenant der Einheit Icarus. Er ist berechnend, gefährlich und offenbar genau der Typ Mann, den man besser nicht zum Feind haben sollte. Gemeinsam mit seinem Team befindet er sich auf einer geheimen Mission in Bane Falls. Der Einsatz duldet eigentlich keine Ablenkungen und schon gar keine unvorhergesehenen Personen, die plötzlich auftauchen und womöglich Dinge bemerken, die sie besser nicht sehen sollten.

Genau das ist jedoch Briar. Für Syxx wird die Neuankömmling damit zunächst vor allem zu einem Sicherheitsrisiko. Für Briar wiederum ist der mysteriöse Mann alles andere als vertrauenswürdig. Aus dieser Konstellation entwickelt Moronova ihre zentrale Beziehung. Misstrauen und Anziehung liegen eng beieinander, und aus zwei Menschen, die einander eigentlich lieber aus dem Weg gehen sollten, wird zunehmend ein explosives Gespann.

Der Verlag bringt ziemlich deutlich auf den Punkt, an welches Publikum sich „Bulletproof“ richtet. „Enemies to Lovers“ trifft hier auf „Small Town“, dazu kommen „Broken Hero/Heroine“, „Bully Romance“ und der inzwischen fast obligatorische „Morally grey“-Charakter. Wer regelmäßig moderne Romance liest, dürfte damit bereits eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, was ihn erwartet.

Interessant ist vor allem die Verbindung von zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Auf der einen Seite steht Bane Falls mit seinem Small-Town-Setting und der geerbten Farm. Das sind eigentlich perfekte Voraussetzungen für jene romantischen Geschichten, in denen eine Großstädterin aufs Land zieht, das Leben neu entdeckt und sich nebenbei verliebt. Auf der anderen Seite stehen eine geheime Militäreinheit, gefährliche Aufträge und Figuren, bei denen die moralischen Grenzen erheblich unschärfer verlaufen.

Moronova macht aus diesem Gegensatz den Reiz ihrer Geschichte. Die vermeintliche Kleinstadtidylle bietet eben keine Sicherheit. Stattdessen wird Briar in eine Welt hineingezogen, von der sie zunächst kaum etwas versteht. Gleichzeitig steht mit Syxx ein männlicher Protagonist im Mittelpunkt, der ausdrücklich nicht als klassischer romantischer Traummann angelegt ist. Seine Gefährlichkeit ist kein Missverständnis, das sich nach einigen Kapiteln auflöst, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Figur.

Dementsprechend ist „Bulletproof“ deutlich düsterer als viele andere aktuelle Liebesromane. Der Verlag empfiehlt das Buch erst ab 18 Jahren und weist auf Triggerwarnungen hin. Auch der angegebene Spice-Level von vier von fünf macht klar, dass die körperliche Anziehung zwischen den Hauptfiguren einen erheblichen Raum einnimmt. Trotzdem braucht die Geschichte mit 448 Seiten natürlich mehr als diese Komponente. Die geheime Mission der Dark Forces liefert den Spannungsbogen, während Briars Vergangenheit und die beschädigten Charaktere für die emotionale Ebene sorgen.

Das dürfte auch erklären, weshalb Dark Romance derzeit so erfolgreich ist. Die Bücher versprechen ihren Leserinnen und Lesern nicht bloß die Frage, ob zwei Menschen am Ende zusammenkommen. Sie kombinieren Liebesgeschichte, Thriller und teilweise Action miteinander und erlauben sich Figuren, die wesentlich weniger eindeutig in Gut und Böse aufgeteilt sind. Wer mit toxischen Dynamiken und moralisch fragwürdigen Figuren grundsätzlich nichts anfangen kann, wird deshalb auch mit „Bulletproof“ kaum glücklich werden.
22.09.2026 12:47 Uhr Kurz-URL: qmde.de/174783
Sebastian Schmitt

super
schade


Artikel teilen


Tags

Buchclub Bulletproof

◄   zurück zur Startseite   ◄
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Weitere Neuigkeiten


Qtalk-Forum » zur Desktop-Version

Impressum  |  Datenschutz und Nutzungshinweis  |  Cookie-Einstellungen  |  Newsletter