Worum es in der Sendung geht und ob es richtig ist, das Format zu beenden. Ein Kommentar von Isabella Häusler.
Nach der letzten Sendung Ende Mai hat der Westdeutsche Rundfunk die Fernsehsendung
«Frau TV» nun Anfang August abgesetzt. Die WDR-Programmdirektorin für Wissen und Kultur, Andrea Schafarczyk, betont jedoch ausdrücklich, dass dies kein gänzliches Ende von Angeboten für Frauen bedeutet. Stattdessen sollen die Inhalte in den digitalen Raum verlagert werden. Unter anderem sind neue Formate für die Mediathek und die sozialen Netzwerke geplant. Als Grund für die Einstellung der Sendung, die seit 1997 unter anderem von Lisa Ortgies und Sabine Heinrich moderiert wurde, nennt der WDR die sinkenden Einschaltquoten.
Doch worum geht es in «Frau tv» überhaupt? Behandelt werden wichtige Themen wie Gewalt in der Familie, Femizide oder Kindesmissbrauch. Diese werden regelmäßig anhand persönlicher Schicksale verdeutlicht. Verschiedene Frauen sprechen in den Beiträgen offen über ihre Erfahrungen und erzählen, wie sie es geschafft haben, aus schwierigen Situationen herauszufinden und ihr Leben neu zu gestalten.
So berichtet beispielsweise Laura Timm, die in ihrer Kindheit viel Gewalt miterleben musste – allerdings nicht direkt gegen sie selbst, sondern gegen ihre Mutter. Die siebenköpfige Familie segelte eine Zeit lang auf engstem Raum mit einem Boot durch die Karibik. Dort begann der Vater, die Mutter immer wieder zu misshandeln. Irgendwann war die Situation so schlimm, dass sie versuchte, sich das Leben zu nehmen. Lange Zeit sprach ihre Mutter nicht über das Erlebte, und auch Laura verdrängte ihre Kindheit. Heute möchte sie die Vergangenheit hinter sich lassen und verhindern, dass sich diese Erfahrungen in einer eigenen Familie wiederholen. Deshalb schrieb sie das Buch „Familie an Bord“, in dem sie ihre Geschichte erzählt. Damit möchte sie anderen Frauen Mut machen und zeigen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind.
Einen weiteren spannenden Einblick gibt die 70-jährige Alice Westphal. Sie hat sich das Ziel gesetzt, in der Ü70-Kategorie Weltmeisterin im Hyrox zu werden. Dieser noch vergleichsweise junge Sport verbindet Kraft und Ausdauer und hilft ihr, die Folgen von Gewalterfahrungen und Missbrauch zu verarbeiten. Zudem gibt sie Schulungen und unterstützt Menschen, die ebenfalls traumatische Erlebnisse verarbeitet haben. Bereits sechs Jahre zuvor war Alice bei «Frau tv» zu Gast und erzählte ihre Geschichte. Auch dieses Vorgehen ist typisch für die Sendung. Frauen erscheinen häufig in mehreren Ausgaben – teilweise über viele Jahre hinweg –, um ihre persönliche Entwicklung zu zeigen.
Dadurch können Zuschauerinnen gestärkt werden, sich an anderen Frauen orientieren und motiviert werden, selbst Veränderungen in ihrem Leben anzugehen, wenn sie sich mit den gezeigten Geschichten identifizieren können. Des Weiteren werden auch Themen wie Beziehungen und Freundschaften behandelt. In einer Sendung wurde beispielsweise die Initiative „Girls Talking & Walking“ vorgestellt, bei der Frauen und Mädchen gemeinsam spazieren gehen, um neue Freundschaften zu knüpfen. Außerdem ging es um Liebe am Arbeitsplatz. Dafür wurde ein Paar begleitet, das sich durch den Beruf kennengelernt hat. Dabei wurde erläutert, wie eine solche Beziehung funktionieren kann und worauf besonders zu achten ist.
Nun stellt sich jedoch die Frage, warum die Einschaltquoten immer weiter zurückgingen. Ist das Format heutzutage möglicherweise zu stereotypisch? Einerseits werden sehr wichtige Themen wie häusliche Gewalt, Missbrauch, Frauengesundheit oder Gleichberechtigung behandelt. Die Sendung bietet damit Hilfestellungen und kann betroffenen Frauen Mut machen, sich aus ähnlichen Situationen zu befreien. Solche Inhalte sind jedoch nicht nur für Frauen relevant. Vielmehr sollten sich auch Männer mit diesen Themen auseinandersetzen, da sie mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit verdienen. Aus diesem Grund könnte bereits der Titel «Frau tv» problematisch sein. Er vermittelt den Eindruck, dass sich das Format ausschließlich an Frauen richtet, obwohl viele der behandelten Themen die gesamte Gesellschaft betreffen.
Andererseits widmet sich die Sendung tatsächlich auch klassischen Themen wie Beziehungen, Freundschaften und anderen Bereichen, die häufig mit Frauen in Verbindung gebracht werden. Dadurch wird jedoch nicht das gesamte Spektrum der Themen abgedeckt, die Frauen heute beschäftigen. Es könnten beispielsweise häufiger Frauen vorgestellt werden, die sich beruflich selbstständig gemacht haben, eigene Unternehmen aufgebaut haben oder in handwerklichen Berufen arbeiten. Solche Geschichten könnten ebenfalls inspirieren. Zudem konzentriert sich die Sendung häufig auf Probleme und Konflikte. Hinzu kommt, dass sie zwar auch für jüngere Frauen relevante Themen behandelt, diese Zielgruppe aber nicht in einer zeitgemäßen Form anspricht. Viele junge Frauen informieren sich heute über soziale Netzwerke, Podcasts oder andere digitale Angebote.
Insgesamt kann man also festhalten, dass das Format für heutige Verhältnisse zu klischeehaft ist und sich Frauen für weitaus mehr Themen als Beziehungen und Liebe interessieren. Ein anderes Format, welches sehr spannend ist und noch mehr wichtige Themen behandelt, ist «Deep und Deutlich» des NDR. Hier berichten Prominente, Influencer und andere inspirierende Menschen von ihren mutigen Erlebnissen. «Deep und Deutlich» ist sehr spannend gestaltet und durch das Einladen von berühmten Gästen spricht es viel mehr junge Menschen an. Hierdurch wird also sehr viel Aufmerksamkeit auf gesellschaftlich problematische Themen gelenkt.
Für den WDR könnte es also sinnvoll sein, entsprechende Inhalte künftig stärker über digitale Plattformen anzubieten, um die Reichweite zu erhöhen, gleichzeitig eine jüngere Zielgruppe besser zu erreichen und somit auch ein gewisses Community-Buildung zu ermöglichen. Außerdem sollte das Themenspektrum erweitert werden, zum Beispiel mit Karriere, Finanzen, Politik und Mental Health, Diversität sichtbar machen und geschlechterübergreifend Kommunizieren.
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