Iris Bucher: ‚Noémie ist das Alpha und das Omega von «Surface»‘

Produzentin Iris Bucher spricht über die aufwendige Verfilmung von Olivier Noreks Bestseller «Surface», spektakuläre Unterwasserdrehs, die besondere Atmosphäre der Serie und warum eine außergewöhnliche Ermittlerin das Herzstück der Geschichte ist.

Frau Bucher, Sie haben sich aktiv die Rechte an Olivier Noreks Bestseller «Surface» gesichert. Was hat Sie an diesem Stoff sofort überzeugt?
«Surface» ist ein echter Page-Turner, mit einer starken (aber auch verletzlichen) Heldin. Ich war sehr von der Atmosphäre, die auch schon im Buch vorhanden ist, begeistert, der Spannung, und dem originellen Cold-Case.

Obwohl sich viele namhafte Produzenten für das Projekt interessierten, entschied sich Olivier Norek letztlich für Sie. Warum hat zwischen Ihnen offenbar sofort die kreative Chemie gestimmt?
Vielleicht weil ich sehr ehrlich mit ihm war? Ich habe keine Versprechungen gemacht, nicht sofort groß aufgetrumpft nach dem Motto „tolles Buch, da mach’ ich jetzt eine tolle Serie draus“. Ich habe natürlich gesagt, dass ich alles tun werde, um seinem Roman gerecht zu werden, aber dass die Verfilmung auch eine große Herausforderung sei, allein schon mit dem versunkenen Dorf. Mein „track record“ hat wohl auch geholfen, insbesondere die sehr ambitionierte Serie «Bonfire of Destiny», ein großer Erfolg sowohl auf TF1 wie auf Netflix, eine der Heldinnen hatte eine schlimme Brandwunde, die die Hälfte ihres Gesichts entstellte, ein bisschen so wie Noémie, das war auch ein Argument für Olivier, mir seine Romanverfilmung anzuvertrauen.

Sie produzieren seit Jahren erfolgreich große französische Serienformate. Was hat «Surface – Das versunkene Dorf» innerhalb Ihrer bisherigen Arbeiten besonders gemacht?
Ich würde sagen die Unterwasseraufnahmen, das war schon sehr spektakulär und völlig neu für mich. Und die sehr harmonische Zusammenarbeit mit dem Regisseur Slimane Baptiste Berhoun, wir waren wirklich völlig auf der gleichen Wellenlänge, was das „look & feel“ der Serie betraf.

Die Serie verbindet klassischen Krimi mit Mystery-Atmosphäre und emotionalem Drama. Wie schwierig war es, diese Tonalität in Balance zu halten?
Eigentlich nicht so schwierig, diese Balance steht bei meinen Serienproduktionen immer ganz im Mittelpunkt, bei der Zusammenarbeit mit den Autorinnen und Autoren achte ich ganz besonders darauf. Das ist ja genau der Punkt: die Krimihandlung (also eher Fakten) mit der emotionalen Ebene zu verbinden, und das Ganze, ohne die Spannung zu verlieren!

Im Mittelpunkt steht mit Noémie Chastain eine ungewöhnlich gezeichnete Ermittlerin, die selbst schwer traumatisiert ist. Wie wichtig war Ihnen diese Figur für die Serie?
Noémie ist das Alpha und das Omega von «Surface», die meisten Szenen werden aus ihrer Perspektive erzählt. Sie kristallisiert auch die meisten Emotionen. Und sie ist smart, nicht leicht zugänglich, erweckt sowohl Neugierde wie Unmut und auch Misstrauen, also eine sehr komplexe, und damit für mich sehr interessante Figur.

Gedreht wurde unter anderem in Europas größtem Wassertank, wo das versunkene Dorf teilweise nachgebaut wurde. Wie aufwendig war diese Produktion tatsächlich hinter den Kulissen?
Sehr! Das meine ich wirklich ernst. Ein Teil des Dorfes wurde ja tatsächlich nachgebaut, und dann mit einer riesigen Hebebühne in den neun Meter tiefen Watertank versenkt. Das war ein sehr beeindruckender Moment. Und dazu kam dann die kolossale Special-Effects-Arbeit, also die 3D Konstruktion vom Rest des Dorfes, das hat sechs Monate gedauert.

Welche logistischen oder technischen Herausforderungen bringen Drehs unter Wasser mit sich – gerade bei einer sechsteiligen Serie?
Zum Beispiel kann der Regisseur nur über Mikrofon mit den Schauspielern und dem Kameramann kommunizieren, was die Arbeit natürlich verkompliziert, unter Wasser waren Lautsprecher. Man muss auch sehr auf das Timing achten, das Wasser war zwar 30 Grad warm, aber mehr als vier Stunden kann man nicht drehen, man darf die Schauspieler nicht überfordern.

Laura Smet absolvierte ihre Tauchszenen selbst. Wie wichtig war dieser Realismus für die Wirkung der Serie?
Realismus ist immer sehr wichtig, auf allen Ebenen. Ich denke, nur wenn man sehr präzise ist, nah an der Wirklichkeit, kann man sehr außergewöhnliche Geschichten erzählen ohne den Zuschauer „zu verlieren“.

Mit Slimane-Baptiste Berhoun haben Sie einen Regisseur gewählt, der zuvor mit «Vortex» große Aufmerksamkeit erhielt. Warum war er genau der Richtige für «Surface»?
Schon bei «Vortex» war mir klar (außer natürlich, dass Slimane viel Talent hat!), dass diese Symbiose, die es zwischen uns gibt, wirklich selten und wertvoll ist. Wir haben dieselbe Ambition für die Serie, arbeiten gerne und viel, versuchen immer, uns zu verbessern, tauschen uns aus, und wenn wir nicht einer Meinung sind wird argumentiert, und einer überzeugt den anderen. Das ist konstruktive Zusammenarbeit, und genau das liebe ich an meinem Beruf, gemeinsam etwas zu schaffen, worauf wir dann alle stolz sein können. Was ich auch sehr an ihm schätze, ist seine Fähigkeit, die Schauspieler genau da hinzubringen, wo er sie haben will, mit viel Einfühlvermögen und Takt.

Viele Zuschauer lieben französische Krimiserien wegen ihrer besonderen Atmosphäre. Was unterscheidet «Surface» Ihrer Meinung nach von klassischen deutschen oder internationalen Crime-Formaten?
Ich glaube, die Antwort auf Ihre Frage ist in der Frage… die Atmosphäre! Der so etwas mysteriöse Touch der Unterwasseraufnahmen. Das Dorf, das Café, der See, das Mädchen mit ihrem Pferd, das hat alles so ein bisschen eine Western-Vibe, sehr atmosphärisch eben!

Sie arbeiten regelmäßig an internationalen Produktionen und Koproduktionen. Wie stark verändert sich die europäische Serienlandschaft derzeit aus Produzentensicht?
Was sich in erster Line verändert, ist die Art und Weise, wie die Zuschauer Serien konsumieren. Also eben nicht mehr so viel linear, eher Streaming – man will eben seine Serie gucken wann und wo es einem passt. Das ist ein gesellschaftlicher Umbruch, der eher für die Sender (insbesondere die Privatsender, die von den Werbeeinnahmen leben) eine große Herausforderung ist, mehr als für uns Produzenten. Den letztendlich wird das Publikum immer noch gerne Serie sehen (die natürlich qualitativ den internationalen Standards entsprechen müssen), die wir dann produzieren können. Eine zweite große Veränderung betrifft die Formate, Folgen werden kürzer, um der Nachfrage nach knappem, schnellem Rhythmus gerecht zu werden, man produziert jetzt zum Beispiel auch „vertical drama“, also direkt fürs Smartphone…

Die Serie war in Frankreich ein großer Erfolg. Spürt man bei solchen Projekten bereits während der Produktion, dass etwas Besonderes entsteht?
Ich denke schon. Auch all die Techniker am Drehset waren sehr engagiert, vielleicht mehr als sonst, es haben wirklich alle alle Drehbücher gelesen – das ist nicht immer der Fall, die Maschinisten-Helfer zum Beispiel lesen nicht unbedingt die Bücher. Und ich habe ja auch die Dailys gesehen jeden Tag und mir gesagt, hmhmh, das wird wirklich richtig toll!

«Surface – Das versunkene Dorf» startet nun auch in der ARD Mediathek. Was hoffen Sie, wird das deutsche Publikum besonders an dieser Serie faszinieren?
Alles? Just kidding. Ich denke, hoffe, dass eben diese doch sehr spezifische Atmosphäre, der sehr emotionale Cold Case, und auch natürlich Noémie, eine ungewöhnliche Hauptfigur, das deutsche Publikum ansprechen werden. Und die wunderschönen Landschaften (ich liebe den See, wo wir gedreht haben!) in Okzitanien, vielleicht bekommen manche Zuschauer Lust, dort ihre nächsten Ferien zu verbringen!

Danke für Ihre Zeit!

«Surface – Das versunkene Dorf» ist ab Donnerstag, 17. Juli, in der ARD Mediathek abrufbar. Die TV-Ausstrahlung erfolgt am Sonntag, 26. Juli, ab 21.45 Uhr. Am 3. und 9. August wird die Ausstrahlung ab 21.45 Uhr fortgesetzt.
14.07.2026 12:06 Uhr Kurz-URL: qmde.de/173458
Fabian Riedner

super
schade


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Surface Bonfire of Destiny Surface – Das versunkene Dorf Vortex

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