Die Ausführungen des Sportjournalisten Matthias Friebe haben eine erschreckende Aktualität erfahren.
Die FIFA Fußball-WM der Männer hat nach jetzigem Stand mit dem Eingreifen von Donald Trump in eine rote Karte mindestens einen handfesten Skandal hervorgebracht. Blicken wir auf das Interview mit Sportjournalist Matthias Friebe zurück, das innerhalb des Podcasts «Thunerts Thema» geführt wurde, fällt dieser Affront in eine Konstellation, die so oder so schon von einer fragwürdigen Nähe zwischen FIFA und Politik geprägt war.
Schon damals vor dem Turnier stand für Matthias Friebe fest: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird weit mehr sein als ein sportliches Großereignis. Sie sei vor allem ein politisches und wirtschaftliches Projekt, bei dem die Interessen der FIFA, der US-Regierung und weiterer globaler Akteure eng miteinander verflochten seien.
Der Deutschlandfunk-Journalist erwartete für die FIFA Rekordeinnahmen. Das auf 104 Spiele ausgeweitete Turnier sowie bereits abgeschlossene milliardenschwere TV-Verträge garantierten dem Weltverband voraussichtlich das wirtschaftlich erfolgreichste Turnier seiner Geschichte. Für die FIFA sei dabei weniger entscheidend, welche Zuschauergruppen die Stadien füllen, sondern vielmehr, dass die Einnahmen stimmten. Die Weltmeisterschaft finanziere den gesamten Vierjahreshaushalt des Verbandes und bilde die wirtschaftliche Grundlage für dessen globale Macht.
Eine zentrale Rolle schrieb Friebe in weiser Voraussicht US-Präsident Donald Trump zu. Die WM werde in hohem Maße dessen Bühne sein. Trump werde das Turnier nutzen, um die USA als erfolgreichen Gastgeber zu präsentieren und seine politische Inszenierung fortzuführen. FIFA-Präsident Gianni Infantino stelle sich dabei nicht gegen Trump, sondern suche vielmehr die Nähe zum US-Präsidenten. Diese enge Beziehung zeige sich sowohl in öffentlichen Auftritten als auch in Infantinos Bereitschaft, auf politische Wünsche Trumps einzugehen. Genau so ist es jetzt tatsächlich gekommen.
Friebe verwies zudem auf die historische Entwicklung der Vergabe der WM 2026. Nach seiner Darstellung sei die Vergabe Teil eines langfristigen Machtgefüges zwischen den USA und der FIFA. Nachdem die USA 2010 bei der Vergabe der WM 2022 gegen Katar unterlagen und anschließend mit ihren Ermittlungen maßgeblich zum Sturz der alten FIFA-Führung beitrugen, habe Gianni Infantino von der Unterstützung der USA auf seinem Weg zum FIFA-Präsidenten profitiert. Die spätere Vergabe der WM 2026 an die Vereinigten Staaten könne daher auch als eine Art politische Gegenleistung verstanden werden.
Hinzu kommt ein weiterer Akteur, dessen Einfluss auf den Weltfußball stetig wächst: Saudi-Arabien. Für Friebe verfolgt das Königreich eine langfristige Strategie, den Sport als Instrument wirtschaftlicher und außenpolitischer Transformation zu nutzen. Angesichts der Endlichkeit der Ölvorkommen investiert das Land Milliarden in internationale Sportveranstaltungen, Fußballvereine und Medienrechte, um seine internationale Bedeutung neu zu definieren. Die Finanzierung der neuen Klub-Weltmeisterschaft über den saudischen Staatsfonds und den Streaminganbieter DAZN wertet Friebe als Teil dieser Strategie. Die Investitionen verschaffen Saudi-Arabien nicht nur wirtschaftlichen Einfluss, sondern auch politischen Zugang zur FIFA – und schaffen zugleich günstige Voraussetzungen für die Austragung der Weltmeisterschaft 2034.
Mit Blick auf Europa sieht Friebe durchaus Möglichkeiten, der Macht der FIFA Grenzen zu setzen. Als Beispiel nennt er den gescheiterten Vorstoß Infantinos, Weltmeisterschaften künftig alle zwei Jahre auszutragen. Hier hätten insbesondere die europäischen Verbände Widerstand geleistet. Insgesamt nutzten die europäischen Fußballverbände ihren Einfluss jedoch zu selten. Nach den Erfahrungen der WM in Katar agierten viele Funktionäre deutlich vorsichtiger und scheuten offene Konflikte mit der FIFA. Ob der aktuelle Druck durch UEFA, DFB, Belgien und Co. wohl nachhaltiger ausfallen wird?
Das Podcast-Gespräch kann übrigens
hier nochmal nachgehört werden.
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