Mit Mike Myers, Dakota Fanning und einem Budget von über 100 Millionen Dollar sollte «The Cat in the Hat» ein Familienhit werden.
Manchmal reicht ein Blick auf die Beteiligten, um einen Erfolg zu erwarten. Ein Kinderbuchklassiker von Dr. Seuss. Produzent Brian Grazer. Kameramann Emmanuel Lubezki, der später drei Oscars gewinnen sollte. Hauptdarsteller Mike Myers auf dem Höhepunkt seines Erfolgs nach «Austin Powers» und «Shrek». Dazu Alec Baldwin, Kelly Preston und die damals aufstrebende Dakota Fanning. Und doch entstand daraus einer der berüchtigtsten Familienfilme der 2000er-Jahre.
«Ein Kater macht Theater» kam 2003 in die Kinos und sollte an den Erfolg von «How the Grinch Stole Christmas» anknüpfen. Das Vorhaben schien logisch: Wenn Jim Carrey als Grinch funktionierte, warum sollte Mike Myers nicht die berühmte Katze mit Hut spielen? Die Antwort lieferte das Publikum nur wenige Wochen nach dem Kinostart.
Zwar spielte der Film weltweit knapp 134 Millionen Dollar ein, doch bei einem Budget von über 100 Millionen Dollar blieb von einem Triumph wenig übrig. Noch schlimmer fiel die Reaktion der Kritiker aus. Bei Rotten Tomatoes erreichte der Film lediglich zehn Prozent positive Bewertungen, bei Metacritic landete er bei vernichtenden 19 Punkten. Viele Kritiker sahen in der Produktion eine völlige Verfehlung dessen, wofür Dr. Seuss eigentlich stand.
Das Grundproblem wird bereits nach wenigen Minuten deutlich. Das Originalbuch umfasst nur wenige Seiten und lebt von Fantasie, Sprachwitz und kindlicher Verspieltheit. Hollywood versuchte daraus einen 82-minütigen Kinofilm zu machen und füllte die Lücken mit einer Flut aus Fäkalhumor, Anzüglichkeiten und Slapstick. Die Katze wirkt weniger wie eine liebenswerte Chaosfigur als wie ein hyperaktiver Entertainer auf Koffein.
Besonders Mike Myers steht im Mittelpunkt der Kritik. Nach den Erfolgen von «Wayne's World», «Austin Powers» und seiner Synchronrolle als Shrek galt er als einer der größten Komiker Hollywoods. Doch hier verschwand sein Talent unter Tonnen von Make-up, Prothesen und fragwürdigen Gags. Viele Zuschauer hatten den Eindruck, Myers spiele weniger die Katze als vielmehr eine bizarre Mischung aus Austin Powers, Fernsehmoderator und Stand-up-Comedian. Interessanterweise verschwand Myers nach einigen weiteren Rückschlägen zunehmend von der großen Kinobühne. Während er als Shrek weiterhin erfolgreich blieb, wurden seine Realfilm-Projekte immer seltener. Heute tritt er nur noch gelegentlich in größeren Produktionen auf.
Regisseur Bo Welch zahlte ebenfalls einen hohen Preis. Dabei war Welch in Hollywood eigentlich hoch angesehen. Als Produktionsdesigner arbeitete er unter anderem an «Edward Scissorhands», «Batman Returns» und «Men in Black». «The Cat in the Hat» war jedoch seine erste und bis heute einzige Regiearbeit für einen Kinofilm. Nach dem Debakel kehrte er hinter die Kulissen zurück und konzentrierte sich wieder auf Produktionsdesign.
Auch die Besetzung bietet einen faszinierenden Blick in die Hollywood-Geschichte. Dakota Fanning stand damals am Beginn einer außergewöhnlichen Karriere und entwickelte sich später zu einer respektierten Schauspielerin mit Filmen wie «Once Upon a Time in Hollywood». Alec Baldwin befand sich noch Jahre vor seinen politischen Satire-Auftritten bei «Saturday Night Live». Kelly Preston, die die Mutter der Kinder spielte, starb 2020 im Alter von nur 57 Jahren an Krebs.
Fast noch spannender ist jedoch das Erbe des Films. Die negative Reaktion war so massiv, dass Audrey Geisel, die Witwe von Dr. Seuss, jede weitere Realverfilmung von Seuss-Büchern untersagte. Damit beendete ausgerechnet «The Cat in the Hat» praktisch das gesamte Live-Action-Kapitel des Seuss-Universums. Ein bereits geplanter Nachfolger wurde sofort eingestellt. Erst in diesem Jahr mit Warner Bros. Animation kommt für Netflix eine Neuauflage.
Dabei besitzt der Film heute eine merkwürdige zweite Karriere. Viele Menschen, die ihn als Kinder gesehen haben, verteidigen ihn mittlerweile mit einer Mischung aus Ironie und echter Zuneigung. Die bonbonbunte Optik, die grotesken Figuren und die völlig überdrehte Atmosphäre wirken rückblickend fast wie ein Fiebertraum. Manche sehen darin inzwischen sogar einen kuriosen Kultfilm. Tatsächlich ist «The Cat in the Hat» kein klassischer schlechter Film wie viele andere Vertreter dieser Reihe. Er ist aufwendig produziert, technisch hochwertig fotografiert und voller kreativer Ideen. Das Problem besteht vielmehr darin, dass nahezu jede dieser Ideen in die falsche Richtung läuft. Der Film wirkt wie eine Version von Dr. Seuss, die von Menschen geschaffen wurde, die zwar die Figuren kannten, aber nie verstanden haben, warum Generationen von Kindern sie lieben.
Deshalb bleibt «The Cat in the Hat» ein faszinierender Fehlschlag. Kein billiger Trashfilm, sondern eine millionenschwere Hollywood-Produktion, die mit großem Aufwand genau das Gegenteil dessen erreichte, was sie wollte. Und nur wenige Filme können von sich behaupten, dass sie praktisch ein ganzes Genre von Verfilmungen beendet haben. Genau deshalb gehört dieser seltsame Kater mit Hut bis heute in jede Sammlung der „Filme des Grauens“.
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