Zeugnistag für Das Erste: Gute Marktanteile, katastrophale Programmideen

Das Erste steigert seine Marktanteile und gehört inzwischen selbst bei den jungen Erwachsenen zu den stärksten Fernsehsendern Deutschlands. Gleichzeitig leisten sich die ARD-Programmverantwortlichen immer wieder fragwürdige Nachtprogrammierungen, versenden Serien und verbrennen Millionen mit Sendungen, die kaum jemand sehen will.

Über zehn Milliarden Euro sammelt die Beitragszentrale für die elf Rundfunkanstalten im Jahr. Doch während vom ZDF und Deutschlandradio keine finanziellen Probleme gemeldet werden, gibt es immer wieder Probleme beim Gemeinschaftsprogramm Das Erste. Zunächst wurde das «Mittagsmagazin» von einer auf zwei Stunden verlängert, dann wurde das um 11.15 Uhr vorverlegte «ARD-Buffet» gestrichen. Jetzt kann sich der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) den Betrieb nicht mehr leisten, nachdem schon der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) aus Kostengründen das zweistündige Magazin nicht mehr bezahlen wollte. Künftig soll der Norddeutsche Rundfunk das Programm bezahlen. Die zweistündigen Ausgaben erreichen in den Sommermonaten nicht einmal mehr eine Million Fernsehzuschauer, vielleicht ist diese Live-Strecke auch einfach zu lang?

Die neun Rundfunkanstalten der ARD leisten sich viel, obwohl die Ergebnisse schwach sind. Mitte Mai 2025 versendete man den «CIVIS Medienpreis» um 00.50 Uhr, obwohl nur 0,23 Millionen Menschen sich dafür Zeit nahmen. Am selben Abend fand das UEFA-Europa-League-Endspiel mit deutscher Beteiligung bei RTL statt: Was zeigt Das Erste um 20.15 Uhr? Zwei Wiederholungen von «Nord bei Nordwest». Die Krimis hielten sich auf Senderschnitt, bei den jungen Leuten wurden halbwegs positive Marktanteile weit verfehlt.

Immer wieder plant Programmchefin Christine Strobl Aktionen, die sich nur Wahnsinnige einfallen lassen können: Die Serie «Tage, die es nicht gab» erreichte am Mittwoch zum Start über vier Millionen Fernsehzuschauer. Doch die Serie wurde in der Nacht zum Donnerstag ab 00.15 Uhr mit den Episoden drei bis sechs fortgesetzt. Das Ergebnis sind 0,16 Millionen Zuschauer zu Beginn und 0,06 Millionen zwischen 02.30 und 03.00 Uhr. Die Produktion ist im wahrsten Sinne des Wortes versendet worden.

Eine andere österreichische Serie, die Strobl mit ihren Programmplänen schon plattgemacht hat, ist «School of Champions». 2,61 Millionen Menschen verfolgten am 14. Februar 2024 den Start, ehe die Zuschauer in die Mediathek wechseln sollten. Die lineare Ausstrahlung erreichte vier Tage später in Deutschland nur noch 0,25 Millionen Zuschauer. Die zweite Staffel kam ein Jahr später ab 22.25 Uhr, die Ausstrahlung erstreckte sich über zwei Tage bis um 03.00 Uhr. Natürlich kein Erfolg. Die dritte Staffel begann während der Olympischen Winterspiele mit nur noch 0,47 Millionen Zuschauern im Ersten. Die Ausstrahlung lief mit schrecklichen Quoten bis 02.20 Uhr, ehe in der Nacht auf Dienstag die Serie zwischen 00.25 und 03.00 Uhr zu Ende ging.

Mit diesen Aktionen verliert Das Erste deutlich an Marktanteilen. Solche Marathonprogrammierungen haben in den vergangenen Jahren noch nicht funktioniert. Andere Reihen, die man beispielsweise in der Primetime platzierte, haben stattdessen gute Werte reingeholt. Obwohl die Programmplaner immer wieder solche vernichtenden Quotenaktionen planen und durchführen, ist der Senderschnitt sogar gestiegen. Im Programmjahr 2025/2026 verbesserte sich der Marktanteil von 12,8 auf 12,9 Prozent, im Zwei-Jahres-Vergleich sogar um 0,9 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen liegt man inzwischen auf Platz zwei mit 8,5 Prozent. Nur noch RTL liegt mit 9,8 Prozent vor Das Erste. Die blaue Eins verbesserte sich von 7,6 über 8,3 auf 8,5 Prozent im Zwei-Jahres-Trend.

Es gibt aber mehrere Baustellen im Programm von Das Erste: Sowohl «Rote Rosen» als auch «Sturm der Liebe» erreichen nur noch enttäuschende Werte. Noch schlechter performen Formate auf dem 16.15-Uhr-Slot, weshalb man die Serien nach hinten verlegen könnte. Eine andere Möglichkeit wäre eine neue Soap und dafür eine der beiden Serien einzustellen. «Sturm der Liebe» ist seit 22 Jahren auf Sendung, neue Fans lassen sich bei einem so großen Serienuniversum nicht mehr finden.

Ein weiteres Problem ist der Programmplatz „Debüt im Ersten“. Sonntags, meist gegen 23.35 Uhr, werden Free-TV-Premieren von durch Fördergeld unterstützten ARD-Koproduktionen mit entsetzlichen Einschaltquoten ausgestrahlt. Seit Jahren ändert sich nichts an der Tatsache, dass diese Programme auf diesem Slot keine Zuschauer finden. Beispielsweise hat Strobl im Herbst 2025 eine neue «Sportschau» am späten Freitag ins Programm genommen, um der Bundesliga mehr Aufmerksamkeit zu geben. Davor laufen allerdings neue Folgen von «Morden im Norden» statt beispielsweise Kinofilme. Wenn Das Erste keinen Platz für diese Programme vor 23.00 Uhr hat, dann sollten diese Inhalte auch nicht mehr produziert werden. Eine andere Möglichkeit wären die Ausstrahlungen auf dem Mittwoch zu legen, an dem häufig Dramen wiederholt werden.

Ein weiteres Desaster erlebte Das Erste im Übrigen zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige. In dieser Zeit wurden sechs «Tatort»-Filme gesendet, die zur absoluten Übersättigung führten. Bereits die Doppelfolge „Ein guter Tag (1)“ und „Schwarzer Schnee (2)“ holten mit 7,22 sowie 5,83 Millionen Zuschauern nur mittelmäßige Ergebnisse heraus. Am 2. Weihnachtsfeiertag stürzte Das Erste mit „Das Verlangen“ sogar auf 5,13 Millionen ab. Mit „Murot und der Elefant im Raum“ wurden kurz vor Silvester nur noch 4,95 Millionen Zuschauer ermittelt. An Neujahr kam „Nachtschatten“ immerhin auf 6,12 Millionen. „Das jüngste Geißlein“ erreichte am 4. Januar immerhin 8,60 Millionen. Alle anderen Filme im Dezember und Januar übertrumpften die Weihnachts-Folgen problemlos.

Dass Das Erste sozusagen das Geld ausgeht, ist blanker Hohn. Der Sender ist zum einen besonders beliebt und konnte seine Marktanteile in einer weiteren Saison steigern, auf der anderen Seite werden Millionen in Nacht-Events gepumpt. Deutschland braucht keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der bis 02.30 Uhr eigenproduzierte Fiktion ausstrahlt. Wenn man sich das leisten möchte, dann müssen andere Projekte wie «Tatort»-Folgen oder der Krimi am Donnerstag ausfallen.
13.06.2026 12:47 Uhr Kurz-URL: qmde.de/172342
Fabian Riedner

super
schade

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