Yun Huang über ihre Rolle in «Der Alte»: ‚Sie beobachtet, wo andere handeln‘

Als IT-Expertin Julia Lulu Zhao bringt Yun Huang eine moderne, analytische Perspektive in die traditionsreiche ZDF-Krimireihe «Der Alte». Im Interview spricht sie über die leisen Stärken ihrer Figur, die emotionale Wucht des Falls „Wunschkind“ – und warum Zuhören manchmal wichtiger ist als jede Action.

Frau Huang, Sie spielen mit Julia Lulu Zhao eine zentrale Figur im Ermittlerteam von «Der Alte». Was macht diese Rolle für Sie besonders reizvoll?
Julia ist klug, eigenständig, und sie löst Fälle mit dem Kopf statt mit der Faust - ganz viel bei den Ermittlungen geschieht ja im Hintergrund. Es geht ihr nicht um sich, sondern um den Erfolg des Teams, und ein Team ist stark, wenn jede Person ihre Stärken um bestmöglich ihren Job zu machen.

In der Folge „Wunschkind“ geht es um ein lange verschwundenes Mädchen, das kurz nach seiner Rückkehr ermordet wird. Wie wirkt sich dieser emotional aufgeladene Fall auf das Team aus?
Jeder Fall nimmt uns auf seine eigene Art mit, wenn es um sehr junge Menschen geht oft besonders. Als ich das Buch gelesen habe, hat mich das Schicksal des ermordeten Mädchens sehr berührt, aber überraschenderweise genauso das der Antagonistin. Mehr darf ich natürlich hier nicht spoilern!

Ihre Figur bringt als Rechercheurin und IT-Expertin eine moderne Perspektive in die klassische Krimireihe. Wie wichtig ist diese Rolle für die heutige Ermittlungsarbeit im Fernsehen?
Nicht nur in Ermittlungen, sondern in unserem gesamten Leben wird der digitale Aspekt immer zentraler. Wir leben und funktionieren immer mehr durch die Technik. Wir alle hinterlassen Spuren. Es gibt immer mehr Bereiche, wo nur die technisch bewanderten überhaupt einen Zugang haben.

«Der Alte» steht seit Jahrzehnten für klassische Krimierzählungen. Wie gelingt es der Serie aus Ihrer Sicht, sich dennoch immer wieder neu zu erfinden?
Vor allem, indem sie sich mit zeitgenössischen Themen auseinandersetzt, mit Figuren, die zeitgemäße Leben und Probleme haben.

Ihre Figur arbeitet oft im Hintergrund, liefert aber entscheidende Hinweise. Wie schafft man es als Schauspielerin, auch ohne große Actionszenen präsent zu sein?
Ich denke, indem man zuhört. Wirklich zuhört und mitdenkt, nicht nur wartet, bis man selbst reden darf. Julia ist oft diejenige im Raum, die am wenigsten sagt und am meisten registrieren muss.

Sie haben international gelebt und sprechen mehrere Sprachen. Fließen diese Erfahrungen in Ihre Arbeit an Figuren wie Julia Zhao ein?
Ja, diese Kenntnisse habe ich Julia schon oft “ausgeliehen”, und sie musste schon sehr oft ihre Sprachen benutzen, um die Fälle zu lösen. Hin und wieder hat sie auch Texte in Sprachen, die ich selber gar nicht kann. Sowas zu lernen macht mir immer sehr Spaß. Bei meiner letzten Hauptrolle in «Mein Name Akim», habe ich zum Beispiel die gesamte Rolle auf Russisch gespielt, ohne die Sprache vorher zu können, das war viel Arbeit, und so schön. Vielleicht gab es auch mit deswegen die Nominierung für den First Steps Award.

Mit Thomas Heinze hat die Serie vor einiger Zeit einen neuen Hauptdarsteller bekommen. Wie hat sich dadurch die Dynamik im Team verändert?
«Der Alte», den Thomas spielt, ist natürlich der Dreh und Angelpunkt der Reihe, und Thomas prägt mit seiner Energie und seiner Art des Spiels den gesamten Ton. Ich schaue ihm gerne beim Arbeiten zu, ich finde seinen Alten sehr dynamisch, authentisch und voller Einsatz.

Wenn Sie auf die kommenden Folgen blicken: Was würden Sie sich für die Weiterentwicklung Ihrer Figur in «Der Alte» wünschen?
Mir würde es Spaß machen, wenn die Ermittlungen Julia Mal raus auf die Straße bringen würden. Dann kann man mal sehen, wie sie sich anstellt. Und ich würde sie auch gerne mal richtig stolpern sehen. Nicht nur bei der Technik – sondern auch menschlich. Die perfekte Analytikerin, die an sich selbst scheitert. Das wäre doch mal was.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Der Alte» startet an Karfreitag, 3. April, im ZDF. Die neuen Episoden sind bereits eine Woche vorab streambar.
02.04.2026 12:07 Uhr Kurz-URL: qmde.de/170436
Fabian Riedner

super
schade


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Der Alte Mein Name Akim

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