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«Hotter Than My Daughter»: Lahmes Konzept mit Null-Relevanz kombiniert

Nachdem RTL zuletzt von allen Seiten für seinen investigativen Journalismus gelobt worden war, folgte mit «Hotter Than My Daughter» der Absturz in die Banalität.

Zur Person

Der am 11. Mai 1965 in Warendorf bei Münster geborene Guido Maria Kretschmer ist ein deutscher Modedesigner, der auch im Fernsehen mit Formaten wie «Shopping Queen» bei VOX und «Das Supertalent» erfolgreich ist. Mit seinem Label „Guido Maria Couture“ ist die Mode des n Buchautors regelmäßig auf großen Modenschauen vertreten.
Für Frauen ist Guido Maria Kretschmer so etwas wie ein Mode-Messias. Wo der 49-Jährige auftritt, sind weibliche Fans sämtlichen Alters aus dem Häuschen. Sätze wie „Guido, ich will ein Kleid von Dir“ sind unter seinen Verehrerinnen Kult. Dabei war Kretschmer noch vor kurzem ein recht unbeschriebenes Blatt, das Dank «Shopping Queen» bei VOX und Engagement beim «Supertalent» zuletzt einen flotten Aufstieg hinlegte. Am Mittwochabend durfte Kretschmer erstmalig ein eigenes Format beim Kölner Marktführer RTL präsentieren. «Hotter Than My Daughter», so der Name der Sendung, die sich selbst als Styling-Show bezeichnet und im englischen Original bei BBC zu sehen ist. Zum Inhalt: Es geht um Mütter, die von sich behaupten, heißer und attraktiver auszusehen als ihre eigenen Töchter – so viel lässt auch der Sendungstitel vermuten.

Und wenn das auf Sie als Mann jetzt herrlich absurd wirkt, stehen Sie sicherlich nicht alleine da. Seitens RTL heißt es in der Sendungsbeschreibung: „Sie tragen Miniröcke, bauchfreie Tops und sehr viel Make-Up, kommen in 15 cm Absätzen zum Schulfest und genießen es, wenn sich jüngere Männer auf der Straße nach ihnen umdrehen. Nur ihre Töchter schämen sich für ihre spärlich bekleidete Mutter, die einfach nicht in Würde altern will.“ Halleluja! Und wer soll nun erste Hilfe leisten? Richtig, Mode-Experte Kretschmer! Er besucht Mutter und Tochter zu Hause und kümmert sich um ein Outfit, mit dem beide Seiten leben können.

Ja, bei solch einer Sendungsbeschreibung als Mann zuzuschalten erfordert Mut. Wer es am Mittwoch trotzdem wagte, wurde dafür nicht belohnt: Selbst bei besonders resistenten Kerlen dürften sich schon nach wenigen Minuten die Nackenhaare aufgestellt haben. Die 60-minütige Sendung wirkt im Grundsatz wie ein zweitklassiger «Punkt 12»-Beitrag. Mit dem Unterschied, dass «Punkt 12» dem Thema siebeneinhalb Minuten widmen würde. «Hotter Than My Daughter» geht dagegen über eine Stunde – kommt mit fürchterlich lahmem Erzähltempo aber etwa auf den gleichen Informationsgehalt, den man prägnant in wenigen Minuten präsentieren könnte. «Hotter Than My Daughter» – das wirkt auf einen Mann wie ein nicht enden wollendes Blablabla. Außer ein paar Styling-Tipps gibt es weder Mehrwert, noch gute Unterhaltung. Irgendwie nichts.

Stattdessen versucht RTL den Antagonismus zwischen den Protagonisten bis zum Geht-nicht-mehr herauszuarbeiten. Auf der einen Seite die Tochter, die aus sich mehr machen könnte. Auf der anderen Seite die Mutter, die sich in Sachen Styling furchtbar selbst überschätzt. Hier die freizügige Mutti, dort das beschämte und vermeintlich spießige Kind. Ein schwarz-weiß Bild, in dem sämtliche Kontraste fehlen, bekommt der Zuschauer also geliefert. Die Folge: Spannung kommt nicht auf. Nein, noch drastischer gesagt: Bei so steif festgelegten Rollenfiguren ist es ausgeschlossen, dass Spannung in irgendeiner Form entsteht.

Und eben hier liegt das vielleicht größte Problem: Die Sendung läuft immer und immer wieder gleich ab. Schon beim zweite gezeigten Fall der ersten Folge war die Luft raus. Nicht nur die Ausgangslage, auch das Ergebnis war in beiden Fällen haargenau identisch. Kurz gesagt: Das Konzept verschleißt schnell. Typisch für Doku-soaps bei RTL: Das obligatorisch gute Ende in der zunächst dramatisierten Geschichte. Um dies aber korrekter Weise anzumerken: Diese Probleme ergeben sich bei «Hotter Than My Daughter» teilweise nicht durch Versäumnisse bei der Umsetzung, sondern vielmehr durch das schwache Konzept an sich.

Dazukommt, dass die Sendung völlig überzeichnet daherkommt. Die gezeigten Einkaufszenen, in denen sich Mutter und Tochter um das passende Outfit zoffen, gehen teils ins Lächerliche über. Stellenweise kommt sich der Zuschauer wie bei einer Light-Version des RTL-Nachmittags vor. Leichtes Fremdschämen inklusive. Dass Michaela nach dem Umstyling eine ganz Neue sei – naja. Hält man sich vor Augen, dass es nur um ein paar ausgewählte Kleidungsstücke geht, lässt sich darüber ausgiebig streiten. Als ob Kleidung alles sei. Aber gut.

Einzig lobenswert ist die Rolle von Guido Maria Kretschmer. Er ist Everybody's Darling. Mütter und Töchter mögen ihn, weil er herzlich ist. Kritiker mögen ihn, weil er klug ist und Humor hat. Und die Zuschauer lieben ihn, weil er sympatisch ist. Man kann diesem Mann nicht böse sein. Und der Stimmung im Internet nach war Kretschmer für viele der einzige Grund, überhaupt einzuschalten. Die Auftritte Kretschmers in immer wieder kurz eingeschobenen Clips werteten die Sendung auf. Zudem bekam man aber das Gefühl, dass ein so interessanter Charakter wie Kretschmer zu mehr als einer drittklassigen Styling-Show fähig wäre. Schade eigentlich.

Immerhin: Im Twitter-Deutschland-Trend landeten die Diskussionen zu «Hotter Than My Daugther» auf Rang eins. Problem daran: Der Grundton war sehr negativ. Sätze wie: "Ich bin froh, dass meine Mutter einen vernünftigen Geschmack hat“, machten die Runde - und stießen auf viel Resonanz seitens der Community.

Nein, Kurs in Richtung Relevanz, nimmt RTL mit «Hotter Than My Daughter» nicht. Dabei ging der Sender zuletzt mit zahlreichen qualitativ guten Formaten («Team Wallraff») in eine löbliche Richtung. Die Vorschau für die kommende Folge von «Hotter Than My Daughter» versprach schon mal nichts Gutes: Gleiche Rollenbilder, gleiche Klitschees. Kurzum: Mit «Hotter Than My Daughter» bleibt RTL belanglos und langweilig. Vielleicht wird die Sendung morgen Thema bei pubertierenden Mädchen auf dem Schulhof sein. Vielleicht bei einigen Hausfrauen gut genug zum Tratschen. Mehr aber nicht.
Wie hat Ihnen die Premiere von «Hotter Than My Daughter» gefallen?
Gut! Ist eine kurzweilige und unterhaltsame Sendung.
27,6%
Naja, für einen einfachen Mittwochabend gerade gut genug.
22,4%
Nein, das war nix. Einmal gesehen - nie wieder!
50,0%

14.05.2014 23:36 Uhr Kurz-URL: qmde.de/70732
David Grzeschik

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