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ITV Studios-Chef Kromschröder: 'Können den Zuschauer nicht umerziehen'

Sonntagsfragen: Wir haben den TV-Macher in Köln besucht. Ein Gespräch über «Die Zuschauer», den Serienflop «Sekretärinnen», das Dschungel-Camp und vieles mehr.

Zur Person: Jan Kromschröder

Jan Krömschröder leitet seit 2008 die Geschäfte der ITV Studios Germany und ist damit verantwortlich für Formate wie «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!», «Sekretärinnen», «Das perfekte Dinner» oder die neue ZDF-Vorabendserie «Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen». Zuvor war der Produzent u. a. „Movie“-Abteilungsleiter bei RTL sowie „Fiction“-Bereichsleiter für Sat.1.
Jan Kromschröder, 2013 geht zu Ende. Wie ist Ihre Bilanz?
Im Großen und Ganzen war das ein sehr gutes Jahr für uns. Es gab aber natürlich auch ein paar Niederlagen: Eine Niederlage hatten wir sicherlich im Frühjahr mit «Die Zuschauer». Das war der Versuch, das Thema Coaching mal anders anzugehen. Wir fanden, wir hatten wunderbare Folgen, die aber wenige sehen wollten. Die zweite Niederlage war «Sekretärinnen» im Spätsommer und frühen Herbst. Wir sind ganz gut eingestartet, mussten dann aber feststellen, dass die Farbe der Dramedy oder Comedy Series auf dem Donnerstag nicht so gut funktionierte. Ansonsten hatten wir aber auch viele schöne Geschichten in diesem Jahr: Da gab es die wunderbare Nachricht, dass bei RTL «Ich bin Star – Holt mich hier raus!» sehr gut funktioniert hat und direkt im Anschluss «Der Bachelor» und «Let´s Dance». Unser «Perfektes Dinner» feiert am 13. Januar die 2000. Folge und läuft mit acht bis zehn Prozent wunderbar. Und wir haben tolle neue Formate wie die ZDF-Vorabendserie «Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen». Von daher sitzt jetzt kein verzweifelter Geschäftsführer vor Ihnen (lacht).

Wie entstand die Idee zur neuen ZDF-Vorabendserie «Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen», die samstags um 19.25 Uhr im ZDF läuft?
Diese Familienserie, die wieder der Autor Christian Pfannenschmidt für uns entwickelt hat, liebe ich sehr! Von 2005 bis 2006 gab es mit «Die Albertis» schon einen ersten gemeinsamen Versuch einer Familienserie, der dann aber gescheitert ist. Jetzt haben wir mit „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“ nochmal den Versuch gemacht, eine Familienserie nach vorne zu schieben. Und dies ist uns bislang sehr erfolgreich gelungen, mit Quoten von über vier Millionen Zuschauern. Wir wollten von Anfang an etwas mit Humor erzählen, aber auch mit sozial relevanten Themen und Inhalten. Was waren also unsere Lehren aus den «Albertis»? Da hatten wir nur eine Horizontale: eine Patchwork-Familie. Eine Frau verliebt sich in den besten Freund ihres Mannes.

Es gab keine klassische Fallstruktur. Das Fazit für uns: Wir können den Zuschauer nicht umerziehen und müssen unseren Ansatz ändern. Dann kam zuerst die Idee des alleinerziehenden Vaters von Christian Pfannenschmidt, der gefragt hat: Was können wir den Frauen bieten? Ok, lass uns doch mal interessante Männer erzählen, die für Frauen wirklich interessant sind. Als nächste „Schicht“ kam obendrauf, dass wir mal etwas über bestimmte Menschentypen erzählen wollten. Da ist der Beruf des evangelischen Pfarrers eine gute Grundidee. Und so nahmen die „Herzensbrecher“ Gestalt an – und scheinen ja den Geschmack der Zuschauer Gott sei Dank zu treffen.

«Sekretärinnen» erreichten um die 10,7 Prozent, was deutlich unter RTL-Schnitt liegt. Woran lag´s?
Das war ein Format, das wir über lange sieben Jahre entwickelt haben. Selbstkritisch könnten wir uns also fragen: Sind das dann noch die Fälle, die ich heute so im Fernsehen sehen möchte? Habe ich da nicht mittlerweile mit Kinofilmen wie «Brautalarm» oder mit jüngeren, eher amerikanischen Sitcoms auf anderen Sendern andere Vorbilder?
Produzent Kromschröder über seinen Sitcomflop «Sekretärinnen»
Ich finde, wir hatten einen wunderbaren Cast. Das war ein Format, das wir über lange sieben Jahre entwickelt haben. Selbstkritisch könnten wir uns also fragen: Sind das dann noch die Fälle, die ich heute so im Fernsehen sehen möchte? Habe ich da nicht mittlerweile mit Kinofilmen wie «Brautalarm» oder mit jüngeren, eher amerikanischen Sitcoms auf anderen Sendern andere Vorbilder? Oder anders: Waren wir da nicht zu traditionell und klassisch? Hätten wir da nicht noch einen Schritt weitergehen müssen? Das ist meine persönliche Ansicht. Ich finde aber, dass RTL die Produktionen mit sehr großem Werbeaufwand angeschoben und unterstützt hat. Diese drei Donnerstags-Serien sind ja auch auf gutem Niveau eingestartet. Aber dann ist etwas passiert, was mit Serien eigentlich nicht passieren darf: Es ging von Woche zu Woche runter!

Dafür startet im Frühjahr 2014 bei RTL die neue Serie «Der Knastarzt»…
Ja, das Format hat eine gewisse Horizontale. Die Serie ist humorvoll, hat Wärme, Ironie, Augenzwinkern und Charme. Und es ist ein interessanter Versuch, zwei Genres zu kombinieren: Das klassische Medical ist das warme Genre. Auf der anderen Seite steht das eher Action-lastige Krimi- und Gefängnis-Sujet.

Apropos Männer: «Der letzte Bulle» ist auch zurück…
Genau, dieses Mal mit einem übergeordneten Fall, der von der ersten bis zur abschließenden Folge geht. Also auch da trauen wir uns in der horizontalen Erzählweise mehr.

Herzlichen Glückwunsch auch nochmal zum «Deutschen Comedypreis» für die Moderatoren von «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!». Wie haben Sie dort die Ehrung und die in der Öffentlichkeit missverstandene Videobotschaft von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich wahrgenommen?

Natürlich ist uns allen der Tod von Dirk Bach emotional sehr, sehr nahe gegangen. Zu den Zeiten, in denen Dirk «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» so gut moderiert hat, ist dem Format für sehr lange Zeit eine Anerkennung versagt geblieben. Die kam dann auf einmal später. Für mich war das auch sehr überraschend - das sage ich ganz offen. Und so stellte sich schon die Frage, ob das nicht auch schon zu Zeiten mit Dirk hätte sein können? Ich finde, Sonja Zietlow und Daniel Hartwich haben die erste gemeinsame Moderation aber sehr toll gemacht. Und wir haben Dirk Bach sehr liebevoll mit einem Einspieler verabschiedet. Ich heule heute noch, wenn ich den sehe.

Dem «Dschungelcamp» gelang ein Imagewandel. Dennoch beschweren sich immer wieder Kritiker über das Fernsehen, was wiederum «Wetten, dass…?»-Regisseur Volker Weicker in einem öffentlich gewordenen Crew-Brief kritisierte…

Ich glaube, Volker Weicker ist ein sehr emotionaler Mensch. Ich finde es gut, dass er sich so für das Format einsetzt. Ich finde es dann aber schade, dass das öffentlich wird. Ich denke, man kriegt den Spagat nur in Ausnahmefällen hin: Dass man einen Publikumserfolg hat und gleichzeitig dem Feuilleton gefällt. Irgendwann muss man sagen: „Was ist mir wichtiger?“ Nach unserer ITV-Grundausrichtung sind uns die Zuschauer wichtiger. Wir wollen gerne etwas machen, das dem Publikum lange gefällt – wie 2.000 Folgen «Perfektes Dinner». Wir wollen auch gerne etwas machen, mit dem ich ganz klassisch, wie zum Beispiel mit «Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen» beim ZDF, und mit Glamour wie bei «Let’s Dance» die Familie vor den Fernseher kriege. Wenn dann noch die FAZ, wie bei dieser ZDF-Vorabendserie geschehen, darüber gut schreibt, freuen wir uns sehr.

Vielen Dank für das Gespräch, Jan Kromschröder.
08.12.2013 12:34 Uhr Kurz-URL: qmde.de/67712
Benjamin Horbelt

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