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Die Kritiker: «Für immer und ewig»

Story
In «Für immer und ewig» beantworten sieben höchst verschiedene Paare Fragen rund um ihre Ehe. Die wichtigste Frage: Wie kann man in einer Zeit, in der fast jede zweite Ehe geschieden wird, glücklich miteinander leben? Aus höchst unterschiedlichen Perspektiven erklären Paare, wie sie die Zeit miteinander gemeistert haben.

Zum Beispiel wird ein Paar vorgestellt, in dem der Mann trockener Alkoholiker ist. Wie hat die Frau es geschafft, all die Jahre zu ihm zu halten? Dann gibt es zwei Eheleute, in dem die Frau bereits fünf Mal verheiratet war, der Mann jedoch nur zwei Mal. Anekdotenhaft erzählen sie aus ihrem ereignisreichen Leben.

Kritik
Kai Wiesinger, eigentlich bekannt durch seine schauspielerische Leistungen in «Die Gustloff», «Dresden» oder «Liebe nach Rezept», legt mit «Für immer und ewig – Das Geheimnis der glücklichen Ehe» bereits seine zweite Regiearbeit vor. Mit der Dokumentation «Eruv – The Wire», in der der Alltag einer jüdischen Gemeinde in Teaneck, New Jersey, portraitiert wurde, gewann er den international angesehenen Planet Dokumentarfilmpreis. Mit seiner neuen Arbeit setzte er sich das Ziel, zu zeigen, wie verschiedene Menschen den Ehealltag bewältigen und somit glücklich werden.

Überzeugen kann die Produktion aber nicht. Über die Laufzeit von 45 Minuten fragt sich der Zuschauer, warum einem eigentlich diese Paare gezeigt werden. Denn so außergewöhnlich, dass man staunen müsste, sind sie nun wirklich nicht. Kennt nicht jeder ein Paar, das schon seit 50 Jahren miteinander im Glück lebt? Interessant wäre es gewesen, wirklich einzigartige Beziehungen zu portraitieren. Zwar entwickelt sich durchaus ein Gefühl der Beruhigung, wenn man erfährt, dass es in Zeiten von Patchwork-Familien noch solche Ehen gibt, aber eine richtige Notwendigkeit der Existenz dieses Films lässt sich nicht erkennen.

«We Are Family» wirkt gegen die NDR-Produktion wie ein mit Hochglanz-Bildern bespickter Film. Kai Wiesinger hat offensichtlich noch nicht viel Erfahrung mit der Kamera gesammelt, denn auf handwerklicher Ebene hat der Film wenig zu bieten. Die Kamera wirkt streckenweise so alt wie die befragten älteren Herrschaften. Das liegt auch an den zwischen den Ehepaaren eingestreuten Szenen einer Hochzeitsfeier, die wie Amateur-Aufnahmen wirken. Da wird gezeigt, wie ein Baum zerschnitten wird, wie der Hochzeitswalzer getanzt wird und wie ein schönes Erinnerungsfoto mit allen Verwandten geschossen wird. Warum das Ganze? Um ein Beispiel aus der Gegenwart zu zeigen? Um die nicht zusammenhängenden Geschichten irgendwie zu verbinden? Diese Funktionen sind beide gescheitert.

Vielleicht hätte man ein Voice-Over einbauen können, um die Produktion etwas spannender zu machen. Doch so werden dem Zuschauer nur die nicht besonders reichhaltigen Informationen der Ehepaare geboten. Zudem wird jedes Paar mit der gleichen Musik eingeleitet, die dazu nicht immer auf die Bilder abgestimmt ist. So kann man sich einmal geschätzte zehn Sekunden die verregnete Straße anschauen, bis jemand anfängt, zu reden.

Um es nicht falsch zu verstehen: Die einzelnen Geschichten und Anekdoten sind durchaus amüsant und an manchen Stellen zu empfehlen. Aber es gibt auch negative Aspekte: Will man wirklich wissen, wie das Sexleben der Personen aussieht?

Die ARD zeigt «Für immer und ewig» am Mittwoch, den 28. Mai 2008 um 23.30 Uhr.
26.05.2008 11:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/27464
Philipp Stendebach

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Für immer und ewig

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