Der Film von Jereme Watt und Michael Bodnarchuk begleitet den nepalesischen Bergsteiger Mingma Tsiri Sherpa bei einer gefährlichen Bergungsmission.
Der Mount Everest gilt als Sehnsuchtsort für Bergsteiger aus aller Welt. Doch hinter den spektakulären Gipfelbildern verbirgt sich eine Geschichte von Tod, Ausbeutung und religiösen Konflikten. Am Dienstag, 8. Dezember 2026, zeigt 3sat um 22.00 Uhr den Dokumentarfilm
«Everest Dark» in Erstausstrahlung. Die Regisseure Jereme Watt und Michael Bodnarchuk beschäftigen sich darin mit den Folgen des zunehmenden Bergtourismus und begleiten einen der erfahrensten Höhenbergsteiger Nepals bei einer außergewöhnlichen Mission.
Im Mittelpunkt steht Mingma Tsiri Sherpa, der den Mount Everest bereits 19-mal bestiegen hat und in seiner Heimat als Nationalheld verehrt wird. Für ihn ist der höchste Berg der Erde weit mehr als ein sportliches Ziel. Als Buddhist betrachtet er den Everest, den die Sherpas Chomolungma nennen, als heiligen Ort und Heimat der Berggötter. Die zahlreichen Leichen, die seit Jahrzehnten an den Hängen des Berges liegen, empfindet er als Entweihung. Zugleich beschäftigt ihn eine persönliche Warnung: In einem Traum wurde ihm vorausgesagt, dass er sterben werde, sollte er den Gipfel erneut besteigen.
Seit der Erstbesteigung im Jahr 1953 haben mehr als 6000 Bergsteiger den Gipfel des Mount Everest erreicht. Über 300 Menschen kamen bei Besteigungsversuchen ums Leben. Rund 200 Leichen sollen sich noch immer auf dem Berg befinden, teilweise im Eis konserviert und entlang der Aufstiegsrouten sichtbar. Nach Angaben der Dokumentation handelt es sich bei etwa einem Drittel der Toten um Sherpas. Gerade diese Zahlen verdeutlichen die Risiken, denen die einheimischen Bergführer ausgesetzt sind. Während zahlungskräftige Touristen den Gipfel als persönliche Herausforderung betrachten, übernehmen Sherpas einen erheblichen Teil der gefährlichen Arbeit.
Mingma Tsiri Sherpa will auf diese Zustände aufmerksam machen und zugleich seiner religiösen Überzeugung folgen. Gemeinsam mit einem kleinen Team plant er, den Leichnam eines verstorbenen Bergsteigers aus der sogenannten Todeszone des Everest zu bergen. In dieser extremen Höhe wird jeder Einsatz zu einem lebensgefährlichen Unterfangen. Die Bergungsmission soll nicht nur einem Toten seine Würde zurückgeben, sondern auch ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Berg und den spirituellen Traditionen der Sherpas setzen. Für Mingma ist die Aktion allerdings mit einem besonderen inneren Konflikt verbunden, denn sie führt ihn erneut an jenen Ort, vor dem ihn sein Traum gewarnt hat.
Die Filmemacher begleiteten das Projekt über einen Zeitraum von acht Jahren und arbeiteten dabei mit erfahrenen Hochgebirgskameraleuten zusammen. Produziert wurde «Everest Dark» von der oscarnominierten Ina Fichman. Neben den außergewöhnlichen Naturaufnahmen widmet sich der Film vor allem den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen des Everest-Tourismus. Er hinterfragt, welchen Preis die lokale Bevölkerung für den internationalen Gipfelbetrieb bezahlt und wie sich die kommerzielle Nutzung des Berges mit seiner religiösen Bedeutung vereinbaren lässt.
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