arte erzählt die Geschichte des Iran aus der Perspektive seiner Frauen

Die vierteilige Dokumentationsreihe beleuchtet mehr als acht Jahrzehnte zwischen der Herrschaft des Schahs, der Islamischen Revolution und dem Kampf um Selbstbestimmung.

Am Dienstag, 15. Dezember 2026, widmet arte seinen Hauptabend der Geschichte iranischer Frauen. Ab 20.15 Uhr zeigt der deutsch-französische Kultursender die vierteilige Dokumentationsreihe «Irans Frauen – Die andere Hälfte der Geschichte» als Erstausstrahlung. Die Produktion von Maryam Ebrahimi und Armin Ghassim aus dem Jahr 2025 zeichnet die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen des Landes anhand persönlicher Erfahrungen von Frauen nach. Dabei reicht der historische Bogen von der Herrschaft Mohammad Reza Pahlavis über die Islamische Revolution bis zu den jüngsten Protestbewegungen. Bereits ab Dienstag, 8. Dezember 2026, stehen die vier Folgen online zur Verfügung. Sie bleiben bis zum 7. Dezember 2027 abrufbar.

Den Auftakt macht um 20.15 Uhr die Episode „Die Zeit des letzten Schahs 1941–1977“. Unter Mohammad Reza Pahlavi erhielten Frauen im Iran neue Möglichkeiten zur politischen und gesellschaftlichen Teilhabe. Sie durften wählen, studieren und berufliche Karrieren verfolgen. Allerdings profitierten längst nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen von den Reformen. Während einige Frauen die damalige Zeit als Phase des Aufbruchs erlebten, empfanden andere die staatlichen Modernisierungsmaßnahmen als Bevormundung oder blieben aufgrund ihrer sozialen Herkunft ausgeschlossen. Gleichzeitig ging das Regime mit seiner Geheimpolizei gegen politische Gegner vor. Die Dokumentation zeigt anhand von Zeitzeuginnen und Archivaufnahmen, wie gesellschaftliche Liberalisierung und autoritäre Herrschaft nebeneinander bestanden.

Um 21.05 Uhr folgt „Revolution 1977–1979“. Die zweite Episode beschäftigt sich mit den Protesten gegen den Schah, an denen sich Frauen unterschiedlicher politischer und religiöser Überzeugungen beteiligten. Viele verbanden mit dem Widerstand die Hoffnung auf Freiheit, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit. Religiöse und säkulare Kräfte demonstrierten zunächst gemeinsam gegen die Monarchie. Mit Ayatollah Ruhollah Khomeini gewann jedoch ein schiitischer Geistlicher zunehmend Einfluss auf die revolutionäre Bewegung. Der Film erzählt die Ereignisse aus der Perspektive von Frauen, die den Umbruch unterstützten, aber auch von solchen, die angesichts der Entwicklungen das Land verließen.

Die dritte Folge „Islamische Republik 1979–1989“ beginnt um 22.00 Uhr und untersucht die Folgen des Machtwechsels. Die Erwartungen vieler Frauen an eine freiere Gesellschaft erfüllten sich nicht. Stattdessen schränkte die neue islamische Staatsführung ihre Rechte ein und ging gegen politische Gegner vor. Mit dem Beginn des Iran-Irak-Krieges im Jahr 1980 verschärfte sich die Situation zusätzlich. Die Dokumentation lässt Frauen zu Wort kommen, die von Verfolgung, Haft und persönlichen Verlusten berichten. Gleichzeitig zeigt sie, wie Betroffene trotz staatlicher Verbote versuchten, ihre Selbstständigkeit und persönliche Freiräume zu bewahren.

Um 22.55 Uhr schließt „Aufstand 1989–heute“ die Reihe ab. Im Mittelpunkt stehen die jahrzehntelangen Bemühungen iranischer Frauen um Reformen und gesellschaftliche Veränderungen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“, die sich zu einem internationalen Symbol des Widerstands gegen die Unterdrückung von Frauen entwickelte. Die Dokumentation thematisiert politische Gewalt, Flucht und Exil sowie die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie ein zukünftiger Iran aussehen könnte. Auch die militärischen Auseinandersetzungen mit den USA und Israel werden als zusätzliche Bedrohung für die Bevölkerung behandelt.

Im Anschluss an die vier Folgen setzt ARTE den dokumentarischen Themenabend um 23.50 Uhr mit «Do You Love Me» fort. Der Essayfilm von Lana Daher widmet sich der Geschichte Beiruts und des Libanon. Aus Archivaufnahmen, Amateurfilmen sowie Ausschnitten aus Kino und Fernsehen entsteht ein Porträt des Landes zwischen Lebensfreude, Krieg, Zerstörung und gesellschaftlichem Widerstand. Der Film beschäftigt sich insbesondere mit der Bedeutung von Kunst und Erinnerung für eine Gesellschaft, die wiederholt von politischen Krisen und gewaltsamen Konflikten erschüttert wurde.
07.11.2026 13:17 Uhr Kurz-URL: qmde.de/177308
Fabian Riedner

super
schade


Artikel teilen


Tags

• Do You Love Me

◄   zurück zur Startseite   ◄
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Weitere Neuigkeiten


Qtalk-Forum » zur Desktop-Version

Impressum  |  Datenschutz und Nutzungshinweis  |  Cookie-Einstellungen  |  Newsletter