«ARD History» erzählt vom verlorenen Paradies deutscher Exilanten

«Exil – Flucht vor Hitler» beleuchtet das Schicksal deutscher Schriftsteller und Künstler, die 1933 nach Südfrankreich flohen und dort schließlich selbst zu unerwünschten Ausländern wurden.

Ein kleiner Hafenort an der französischen Mittelmeerküste wurde in den 1930er-Jahren zu einem Zufluchtsort der deutschen Literatur. In Sanary-sur-Mer fanden zahlreiche Schriftsteller und Künstler Schutz vor dem nationalsozialistischen Regime, das sie aus ihrer Heimat vertrieben hatte. Ihre Geschichte erzählt der Filmemacher Andreas Christoph Schmidt in der Dokumentation «Exil – Flucht vor Hitler», die Das Erste am Montag, den 30. November 2026, um 23.35 Uhr innerhalb der Reihe «ARD History» ausstrahlt. Im Mittelpunkt stehen die Hoffnungen, Ängste und politischen Entwicklungen, die das Leben der deutschen Emigranten bestimmten.

Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Frühjahr 1933 mussten zahlreiche Kulturschaffende innerhalb kürzester Zeit entscheiden, ob sie Deutschland verlassen sollten. Viele wählten Frankreich als Zufluchtsort, wo sie zunächst freundlich aufgenommen wurden. Besonders Sanary-sur-Mer entwickelte sich zu einem Treffpunkt bedeutender Autoren. Lion Feuchtwanger lebte dort, Heinrich und Thomas Mann kamen mit ihren Familien, Klaus Mann kehrte regelmäßig zurück und Bertolt Brecht besuchte den Ort. In den Cafés am Hafen entstand ein Stück deutscher Literaturgeschichte, während die Emigranten aus der Ferne die politische Entwicklung ihrer Heimat verfolgten.

Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr erfüllte sich jedoch nicht. Das nationalsozialistische Regime festigte seine Macht, während Frankreich versuchte, Hitler durch diplomatische Verhandlungen und Zugeständnisse zu besänftigen. Die deutschen Exilanten, die früh vor den Gefahren des Nationalsozialismus warnten, wurden zunehmend als politische Störenfriede wahrgenommen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich ihre Lage dramatisch. Ausgerechnet jene Menschen, die vor Hitler geflohen waren, galten nun in Frankreich als „feindliche Ausländer“ und wurden in Internierungslagern festgehalten. Der vermeintlich sichere Zufluchtsort verwandelte sich für viele in eine Falle.

Andreas Christoph Schmidt zeichnet diese Entwicklung vor der Kulisse der südfranzösischen Küste nach und verbindet die persönlichen Schicksale der Schriftsteller mit den politischen Umbrüchen Europas. Die Dokumentation zeigt, wie aus einem zunächst vorübergehenden Exil ein jahrelanger Zustand der Unsicherheit wurde. Zugleich erinnert «Exil – Flucht vor Hitler» an die Widersprüche einer Gesellschaft, die den Frieden bewahren wollte, während sie den Warnungen der vor dem Nationalsozialismus Geflohenen immer weniger Gehör schenkte.
07.11.2026 11:16 Uhr Kurz-URL: qmde.de/177306
Fabian Riedner

super
schade


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• Exil – Flucht vor Hitler • ARD History

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