Auch die dritte Staffel bleibt dank Kristen Bell, Adam Brody und vieler starker Einzelmomente sehenswert, doch die Geschichten wirken häufig zu konstruiert und hätten von einer stärker horizontal erzählten Handlung deutlich profitiert.
Mit
«Nobody Wants This» hat Netflix eine wunderbare Serie im Portfolio. In den vergangenen zwei Jahren durften die Abonnenten die Höhen und Tiefen von Joanne (Kristen Bell) und Noah (Adam Brody) erleben. Doch die Autoren um Erin Foster spielten in den ersten beiden Runden das gleiche Spiel: Mit der neunten und zehnten Folge wurden religiöse Probleme konstruiert, die schließlich zur Trennung des Pärchens führten.
Die Produktionsfirma 20th Television hat innerhalb von zwölf Monaten eine weitere Staffel produziert, die zehn Folgen umfasst. Das ist tatsächlich etwas mau, allerdings ist Kristen Bell in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Superstar. Neben «The Good Place» und der «Veronica Mars»-Fortsetzung ist sie vor allem als Synchronsprecherin unterwegs. Ihre größte Rolle ist Anna aus «Die Eiskönigin», die sie regelmäßig in den Fortsetzungen spricht. Die 46-Jährige ist zudem Mutter von zwei Kindern und muss ihr Privatleben mit ihrer künstlerischen Arbeit vereinbaren.
Die neue Staffel von «Nobody Wants This» beginnt mit der Episode „Es ist perfekt“, in der das Paar zusammengezogen ist. Die beiden entdecken allerdings die nervigen Angewohnheiten des jeweils anderen, weshalb sich Joanne beispielsweise Ausreden überlegt und aus dem Haus flüchtet. Rabbi Noah kommt dies allerdings seltsam vor und ertappt seine Traumfrau. Statt einen Ehekrach anzuzetteln, zeigt sich Noah verständnisvoll und bittet Joanne einfach darum, solche Dinge künftig offen anzusprechen. Das sind die Momente, für die man die Netflix-Serie liebt.
Doch manchmal geht es auch einfach zu leicht. In „Daddy ist zurück“ wird innerhalb von 30 Minuten gezeigt, wie Noah in seine alte Synagoge zurückkehrt und dann auch noch als Oberrabbiner eingestellt wird. Die Folge hat zwar alles, was man sich wünscht, allerdings wird dieser große Schritt für die Serie recht schnell abgehandelt. Da hätte man sich gewünscht, dass die Autoren diese Geschichte über mehrere Episoden erzählen. Gleichzeitig beginnt Joanne mit dem Einführungskurs ins Judentum, um gegen Ende der Staffel auch diesen Schritt abzuschließen. Dankenswerterweise nehmen in dieser Folge auch die vielen Zwischenschnitte aus Los Angeles ab. Diese wirken gerade in den ersten beiden Geschichten sehr aufdringlich, weil sie gefühlt nach jeder Szene erscheinen. Die nicht gerade hochwertigen Zwischenbilder wirken so, als müsse man die ohnehin recht kurze erste Folge auf mindestens 25 Minuten dehnen.
In der Geschichte „Einweihungsparty“ bekommen die Zuschauer Joannes Ex-Freund Travis (Avan Jogia) vorgestellt. Natürlich weiß der Zuschauer, dass es nicht bei einer einzigen Begegnung bleiben wird. Dafür ist das Drehbuch von Liz Elverenli nicht raffiniert genug geschrieben. Noah und Joanne ärgern sich über die Mülltonnen des Nachbarn, die in ihrer Einfahrt stehen. Mit der Holzhammer-Methode wird Travis eingeführt, damit er schließlich gegen Ende der Staffel eine weitere Folge bekommt. Damit wären wir auch schon beim eigentlichen Problem der Serie: Zwar ist jede Geschichte toll, allerdings liegt der Fokus immer auf den einzelnen Storys. Sarah Silverman mimt beispielsweise Rabbi Eden – und das sehr gut. Allerdings gibt es Unstimmigkeiten zwischen Noah und Eden, die am Ende der Episode wie von Zauberhand wieder verflogen sind. Es gibt nur wenige Momente, in denen sich ein roter Faden erkennen lässt.
Das gilt beispielsweise für die Geschichte „Brians Hochzeit“, in der Joanne und Noah am Flughafen von Los Angeles einem Podcast-Fan begegnen. In „Die Liebeskarte“ fliegen Morgan Williams (Justine Lupe) und Sasha Roklov (Timothy Simons) nach New York City, damit Joannes Schwester einen Auftritt bei einer Bravo-Show absolvieren kann. Natürlich wird nach dem Ehe-Aus zwischen Esther (Jackie Tohn) und Sasha die freundschaftliche Beziehung zwischen Sasha und Morgan auf die Probe gestellt.
Joanne und Noah planen schließlich ihre Hochzeit – und damit kann es auch nicht schnell genug gehen. Bina (Tovah Feldshuh) und Ilan Roklov (Paul Ben-Victor) mischen sich stetig in die Planung der Feierlichkeiten ein. So kommt es, dass die gewünschte Hochzeitslocation für die gesamte Entourage zu klein ist und man deshalb eine Streichliste anlegt. Die Mutter verlegt die Hochzeit allerdings kurzerhand in das eigene Domizil. Das Haus wirkt auch nicht gerade so üppig, als würden dort 300 Personen Platz finden. Außerdem fehlt die kreative Storyline: Könnten die anderen Gäste nicht auch in umliegenden Hotels untergebracht werden? Vermutlich, aber es muss ja schließlich Drama her.
«Nobody Wants This» ist auch in der dritten Staffel gut bis sehr gut geschrieben. Allerdings hätten die Autoren um Erin Foster stärker horizontal erzählen sollen. Die Geschichten wirken oftmals mit dem Holzhammer konstruiert, weil eine bestimmte Thematik pro Folge behandelt werden muss. Die Serie ist allerdings keine reine Comedy-Serie, sondern ein romantisches Drama. Das Netflix-Format hätte durchaus genug Stoff für eine 20-teilige Staffel. Wie schon in den ersten beiden Runden gibt es noch Potenzial für eine vierte Staffel. Spannend bleibt, ob Netflix diese Geschichten in Auftrag gibt.
Die neuen Folgen von «Nobody Wants This» sind seit 22. Oktober bei Netflix abrufbar.
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