Erhebliche politische Bedenken gibt es gegen die geplante Übernahme des britischen Privatsenders ITV durch Sky.
Die geplante Übernahme des britischen Fernsehgeschäfts von ITV durch Sky könnte an regulatorischen Hürden scheitern. In einem Schreiben vom 15. Oktober 2026 kündigt das britische Ministerium für Kultur und Medien an, eine Intervention aus Gründen des öffentlichen Interesses zu erwägen. Damit droht dem bereits vereinbarten Geschäft eine vertiefte Prüfung durch die Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) und die Medienaufsicht Ofcom. Eine endgültige Entscheidung über die Intervention ist allerdings noch nicht gefallen. Sky und ITV haben nun Gelegenheit, bis Dienstag, den 20. Oktober 2026, um 9.00 Uhr schriftlich zu den Bedenken Stellung zu nehmen.
Sky UK hatte sich am 6. Juli 2026 mit ITV plc auf die Übernahme von ITV Media & Entertainment Holdings verständigt. Damit würden zwei der größten kommerziellen Fernsehanbieter Großbritanniens unter gemeinsame Kontrolle gelangen. Zum Kaufgegenstand gehören unter anderem die Fernsehsender ITV1, ITV2, ITV3 und ITV4 sowie die Streamingplattform ITVX. Sky gehört derzeit zum US-Konzern Comcast. Nach einer geplanten Konzernaufspaltung soll NBCUniversal die Kontrolle über Sky und bei erfolgreichem Abschluss auch über ITV übernehmen.
Besonders kritisch bewertet die Regierung die möglichen Auswirkungen auf die Nachrichtenvielfalt. Sky News und ITV News gehören zu den wichtigsten Nachrichtensendern beziehungsweise Nachrichtenangeboten des Landes. Zusammen standen sie 2025 für 26 Prozent der wöchentlichen Sehdauer britischer Fernsehnachrichten und politischer Informationssendungen. Gemeinsam mit der BBC würden sie rund 86 Prozent dieses Marktes abdecken. Die Regierung befürchtet deshalb, dass eine Zusammenlegung redaktioneller Strukturen langfristig zu einer geringeren Vielfalt journalistischer Perspektiven führen könnte.
Hinzu kommt, dass Sky mit der Übernahme indirekt auch eine Beteiligung von 20 Prozent an der Nachrichtenagentur ITN erhalten würde. Diese produziert Nachrichten nicht nur für ITV, sondern auch für Channel 4 und 5. Die Regierung sieht darin ein mögliches zusätzliches Einflussrisiko, selbst wenn eine Minderheitsbeteiligung nicht automatisch eine Kontrolle über redaktionelle Entscheidungen bedeutet. Auch bestehende Schutzvereinbarungen für die Unabhängigkeit von Sky News bieten aus Sicht des Ministeriums keine ausreichende langfristige Sicherheit, da sie im Dezember 2028 auslaufen und ITV News nicht einschließen.
Ein weiteres Problem stellt der Sportmarkt dar. Nach den im Schreiben angeführten BARB-Daten entfielen 2025 rund 44 Prozent der linearen Live-Sportnutzung auf Sky und weitere 16 Prozent auf ITV. Ein gemeinsamer Konzern würde damit etwa 60 Prozent dieses Marktes kontrollieren. Die BBC käme auf 26 Prozent. Die Regierung warnt davor, dass eine solche Konzentration Auswirkungen auf die Berichterstattung über große Sportereignisse und insbesondere auf die Verfügbarkeit kostenlos empfangbarer Sportübertragungen haben könnte.
Auch die wirtschaftlichen Pläne der beiden Unternehmen werden kritisch betrachtet. Sky rechnet mit jährlichen Einsparungen von rund 200 Millionen Pfund, die innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Übernahme erzielt werden sollen. Das Ministerium befürchtet, dass solche Synergien durch die Zusammenlegung von Redaktionen, die Schließung regionaler Nachrichtenstandorte oder geringere Investitionen in eigenständige Produktionen erreicht werden könnten. Besonders gefährdet sieht es die regionale Berichterstattung von ITV, die bislang teilweise über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht.
Darüber hinaus stellt die Regierung die Zukunft des kostenlosen Streamingangebots ITVX zur Diskussion. Sky betreibt seine Streamingdienste überwiegend über kostenpflichtige Abonnementmodelle, während ITVX auf frei zugängliche, werbefinanzierte Inhalte setzt. Zwar haben beide Unternehmen zugesichert, dass ITV und ITVX kostenlos bleiben und die öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen des Senders bis 2034 erfüllt werden sollen. Die Regierung hält es jedoch für möglich, dass künftig zusätzliche Inhalte hinter einer Bezahlschranke verschwinden könnten. Auch Auswirkungen auf den schottischen Sender STV und den Plattformbetreiber Everyone TV sollen untersucht werden.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel