ZDF zeigt das tödliche Erbe des DDR-Uranbergbaus

In der Nacht zum Donnerstag zeichnet eine zweiteilige Dokumentation nach, welchen Preis Menschen und Umwelt für das sowjetische Atomprogramm zahlten.

Unter strengster Geheimhaltung begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Erzgebirge eines der größten Industrieprojekte der Nachkriegszeit. Unter dem Tarnnamen „Wismut“ wurde Uran für das sowjetische Atomprogramm gefördert. In der Nacht zum Donnerstag, 12. November, widmet sich das ZDF dieser Geschichte mit der zweiteiligen Dokumentation «Tödliches Erbe der DDR – Deutsches Uran für Moskaus Bomben» von Stephan Heise und Sebastian Scherrer.

Der erste Teil „Erz um jeden Preis“ beginnt um 0.45 Uhr und blickt auf die Anfänge des Uranbergbaus. Nach der ersten Atombombenexplosion 1945 benötigte die Sowjetunion große Mengen Uran, um im atomaren Wettrüsten mit den USA aufzuschließen. In alten Silberminen in Sachsen wurden sowjetische Geologen fündig. Ab 1947 entwickelte sich die „Wismut“ zu einem der geheimsten Industrieprojekte der Nachkriegszeit. Das dort geförderte Uran trug laut Dokumentation entscheidend dazu bei, dass die Sowjetunion am 29. August 1949 ihre erste Atombombe zünden konnte.

Für die Arbeiter waren die Bedingungen teilweise lebensgefährlich. Einstürze und Unfälle gehörten ebenso zu den Risiken wie Staub, Radongas und radioaktive Strahlung. Rund um Johanngeorgenstadt, Schneeberg und Schlema entstanden Schächte, Siedlungen und Sperrzonen. Zeitweise arbeiteten mehr als 200.000 Menschen für die „Wismut“, die damit zum weltweit größten Uranbergbaubetrieb aufstieg. Zugleich bot das Unternehmen hohe Löhne und Privilegien und wurde für viele Familien zum Ausweg aus der Not der Nachkriegszeit.

Die Geheimhaltung ging weit über die Arbeit in den Bergwerken hinaus. Sowjetsoldaten bewachten die Anlagen, während Menschen unter Spionageverdacht verfolgt wurden. Nach Angaben des Historikers Rainer Karlsch wurden allein zwischen 1951 und 1953 rund 70 „Wismut“-Kumpel in der Sowjetunion hingerichtet.

Um 1.30 Uhr folgt mit „Strahlende Gefahr“ der zweite Teil. Bis 1990 lieferte die DDR mehr als 216.000 Tonnen Uran an die Sowjetunion. Der Bergbau wurde dafür auch nach Thüringen ausgeweitet. Häuser stürzten ein, Dörfer wurden abgerissen, radioaktive Abfälle in offenen Gruben gelagert und chemische Laugen in Flüsse geleitet.

Exemplarisch erzählt die Dokumentation von Culmitzsch. Dort brach 1962 nachts der Damm eines Schlammbeckens mit Abfällen aus der Uranaufbereitung. Eine radioaktive Flut kontaminierte Erdreich und Fluss. Das Dorf wurde anschließend geräumt und später abgerissen. Dass die Umweltzerstörung in der DDR offiziell tabuisiert wurde, hielt den Bürgerrechtler Michael Beleites nicht davon ab, die radioaktive Verseuchung 1987 heimlich zu filmen. Seine Recherchen gelangten in den Westen, während er selbst ins Visier der Staatssicherheit geriet.

Besonders schwer waren die gesundheitlichen Folgen für zahlreiche Bergleute. Viele erkrankten an Staublunge, Gelenkschäden oder Lungenkrebs. Die Epidemiologin Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz beziffert das Lungenkrebsrisiko unter Uranbergleuten auf etwa das Doppelte des Risikos in der Allgemeinbevölkerung. Zugleich ist der Nachweis eines konkreten Zusammenhangs im Einzelfall schwierig, weshalb Betroffene teilweise bis heute um die Anerkennung ihrer Erkrankungen als Berufskrankheit kämpfen.

Mit dem Ende der DDR wurde auch der Uranabbau eingestellt. Zurück blieben massive Altlasten, deren Sanierung Milliarden kostet und die Region noch über Jahrzehnte beschäftigen wird. Die beiden Filme zeigen damit nicht nur die Bedeutung des deutschen Urans für den Aufstieg der Sowjetunion zur Atommacht, sondern vor allem die langfristigen Folgen für die Menschen und Landschaften in Sachsen und Thüringen.
17.10.2026 08:26 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176574
Fabian Riedner

super
schade


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