Türkei stellt Halk TV unter staatliche Kontrolle

Der reichweitenstärkste Nachrichtensender der Türkei wurde unter Treuhandverwaltung gestellt, obwohl Halk TV auf dem gesamten Fernsehmarkt lediglich 2,3 Prozent Marktanteil erreicht.

In der Türkei sorgt die mutmaßliche Übernahme des oppositionellen Fernsehsenders Halk TV für Aufsehen. Das Unternehmen wirft der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan vor, die Kontrolle über den Sender übernommen zu haben. Der Autor Bahadır Özgür spricht von einem weiteren Angriff auf die Pressefreiheit und sieht darin den Versuch, unabhängige Berichterstattung einzuschränken.

Mitarbeiter durften das Gebäude zeitweise nicht betreten, der laufende Sendebetrieb wurde unterbrochen. Die Verwaltung des Senders ging an einen staatlich eingesetzten Treuhänder über. Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde İbrahim Paşalı mit der Leitung betraut. Hintergrund ist eine Untersuchung der Istanbuler Staatsanwaltschaft gegen den Senderverantwortlichen Cafer Mahiroğlu und weitere Verdächtige. Die Ermittler werfen ihnen unter anderem Bestechung, Manipulation öffentlicher Ausschreibungen und Geldwäsche vor. Gegen 17 Personen wurden Festnahmeanordnungen erlassen, elf Verdächtige wurden zunächst festgenommen. Mahiroğlu, der sich im Ausland aufhält, weist die Anschuldigungen zurück und bezeichnet das Vorgehen als politisch motiviert. Die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich geklärt.

Halk TV gehört zu den bekanntesten oppositionellen Nachrichtenangeboten des Landes. Mit einem Jahresmarktanteil von 2,3 Prozent spielt der Sender im gesamten türkischen Fernsehmarkt zwar eine untergeordnete Rolle, liegt damit aber vor anderen Nachrichtensendern wie CNN Türk, der auf 1,7 Prozent kommt. Auch gegenüber dem mit 1,9 Prozent angegebenen Nachrichtenangebot des staatlichen Rundfunks TRT erreicht Halk TV einen höheren Wert. Innerhalb des reinen Nachrichtensegments nimmt der Sender damit eine führende Position ein.

Der türkische Fernsehmarkt wird allerdings überwiegend von Unterhaltungssendern geprägt. Zu den reichweitenstärksten Angeboten zählen ATV aus der Turkuvaz Media Group mit 9,5 Prozent, Show TV mit 6,2 Prozent sowie Now, das zum Disney-Konzern gehört, mit 5,9 Prozent. Auch die Unterhaltungsangebote von TRT (5,6 Prozent) und der Privatsender TV8 (6,0%) spielen eine wichtige Rolle.
14.10.2026 14:12 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176536
Fabian Riedner

super
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