Serien, Filme, Backshows und jede Menge Renovierungen: sixx bespielt die Primetime mit einem bunten Gemischtwarenladen. Doch was davon funktioniert überhaupt? Das Quotengericht hat mehr als 1.100 Ausstrahlungen seit Anfang 2025 untersucht. Das Ergebnis ist bemerkenswert.
Ist die Primetime von sixx eigentlich wichtig? Die Frage klingt provokant, ist aber durchaus berechtigt. Der Frauensender kommt derzeit im Tagesdurchschnitt auf rund 0,6 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum und 1,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Gerade ab 20.15 Uhr sollte ein Fernsehsender eigentlich seine Schokoladenseite zeigen. Dort laufen die Programme, mit denen Reichweite geschaffen, Marken gepflegt und im besten Fall überdurchschnittliche Marktanteile erzielt werden.
Bei sixx ist das allerdings nur bedingt der Fall. Für das Quotengericht wurden 1.112 Ausstrahlungen zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 5. Oktober 2026 untersucht. 129 unterschiedliche Titel finden sich in der Aufstellung. Im Durchschnitt kamen die Primetime-Ausstrahlungen auf rund 143.000 Zuschauer und 0,64 Prozent Marktanteil. Beim jungen Publikum waren durchschnittlich etwa 41.000 Menschen zwischen 14 und 49 Jahren dabei, die für lediglich 0,99 Prozent sorgten. Damit ergibt sich bereits der erste bemerkenswerte Befund: Beim Gesamtpublikum läuft die sixx-Primetime mit 0,64 Prozent sogar leicht oberhalb des Senderschnitts von 0,6 Prozent. In der für den Sender viel wichtigeren klassischen Zielgruppe werden die 1,2 Prozent des Gesamtprogramms dagegen klar verfehlt.
Anders formuliert: sixx ist tagsüber bei den Jüngeren erfolgreicher als mit einem erheblichen Teil seines vermeintlich wichtigsten Abendprogramms. Auch der Median bestätigt das. Die typische Ausstrahlung kam auf 0,61 Prozent bei allen und gerade einmal 0,88 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Nur rund 29 Prozent aller untersuchten Sendungen schafften wenigstens die 1,2 Prozent des Senderschnitts in der Zielgruppe. Beim Gesamtpublikum übersprangen immerhin knapp 52 Prozent die Marke von 0,6 Prozent.
Besonders deutlich wird das Problem beim Jahresvergleich. 2025 erreichten die untersuchten Sendungen durchschnittlich 146.000 Zuschauer, 2026 sind es bislang noch 138.000. Der Marktanteil blieb mit jeweils rund 0,64 Prozent praktisch stabil. Bei den 14- bis 49-Jährigen sieht das vollkommen anders aus: Die durchschnittliche Reichweite sank von rund 46.000 auf nur noch 35.000 – ein Rückgang um fast ein Viertel. Gleichzeitig rutschte der durchschnittliche Marktanteil von 1,05 auf 0,90 Prozent.
Die Primetime verliert also nicht grundsätzlich Zuschauer. Sie verliert vor allem junge Zuschauer. Auf den ersten Blick könnte man meinen, Serien seien für sixx die beste Lösung. 544 der ausgewerteten Ausstrahlungen entfielen auf fiktionale Serien. Sie erreichten im Durchschnitt rund 159.000 Zuschauer und 0,70 Prozent Marktanteil. Damit ist Fiction die mit Abstand stärkste große Programmgattung beim Gesamtpublikum. Das Problem: Bei den 14- bis 49-Jährigen bleiben lediglich 0,91 Prozent übrig.
Gerade die Krimiserien liefern häufig ordentliche Gesamtreichweiten, altern aber teilweise dramatisch. «Navy CIS: Hawaii» brachte es in 54 Ausstrahlungen durchschnittlich auf starke 0,87 Prozent beim Gesamtpublikum, aber lediglich 0,79 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Gerade einmal neun Prozent der Ausstrahlungen übertrafen dort den Senderschnitt. Ähnlich sieht es bei «The Mentalist» aus. 99 Ausstrahlungen erreichten durchschnittlich rund 171.000 Zuschauer und 0,71 Prozent. Bei den Jüngeren standen aber lediglich 0,92 Prozent zu Buche. «Castle» kam bei 104 Ausstrahlungen auf 0,63 Prozent bei allen und nur 0,76 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.
Für die reine Gesamtreichweite sind solche Serien wertvoll. Für einen Sender, dessen Stärke eigentlich bei einem jüngeren Publikum liegen sollte, ist das Ergebnis aber ernüchternd. Dass es auch anders geht, beweist «FBI: Special Crime Unit». Die 78 untersuchten Ausstrahlungen erzielten durchschnittlich 0,87 Prozent bei allen und 1,20 Prozent bei den Jüngeren. «9-1-1 Notruf L.A.» kam sogar auf 0,81 beziehungsweise 1,21 Prozent. Allerdings steckt auch hier eine Warnung in den Zahlen. «FBI» erreichte 2025 in der Zielgruppe noch durchschnittlich 1,34 Prozent. 2026 sind es lediglich 0,84 Prozent. «9-1-1: Lone Star» stürzte von 1,06 Prozent im Jahr 2025 auf 0,73 Prozent im laufenden Jahr. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist «9-1-1 Notruf L.A.»: Hier stieg der Zielgruppenwert von 0,87 Prozent 2025 auf starke 1,42 Prozent im Jahr 2026.
Wirklich interessant wird die Auswertung bei den Shows. Denn diese haben beim Gesamtpublikum zwar deutlich weniger Kraft, sind in der Zielgruppe aber die wertvollste Programmgattung. Die 134 untersuchten Show- und Reality-Ausstrahlungen kamen im Durchschnitt lediglich auf rund 119.000 Zuschauer und 0,56 Prozent bei allen. Mit 1,16 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen lagen sie jedoch weit vor den Serien. Betrachtet man wegen der deutlich längeren Laufzeiten den gesamten ausgestrahlten Programmumfang, kommt die Gattung sogar auf etwa 1,21 Prozent und damit genau auf Senderschnitt.
Der Star des Programms heißt dabei «Das große Promibacken». 14 Wiederholungen von Sat.1 erreichten durchschnittlich rund 197.000 Menschen, 0,87 Prozent Marktanteil bei allen und hervorragende 1,62 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Elf der 14 Ausstrahlungen – also fast 80 Prozent – lagen in der jungen Zielgruppe mindestens auf Senderschnitt. Beim Gesamtpublikum schafften es sogar alle 14. Auch «Das große Backen – Die Profis» funktioniert mit durchschnittlich 0,74 und 1,46 Prozent ausgesprochen gut. Das reguläre «Das große Backen» kommt auf 0,64 sowie 1,12 Prozent. Und dann wäre da «Germany's Next Topmodel». Dessen 35 sixx-Ausstrahlungen liefern ein sehr spezielles Bild: Beim Gesamtpublikum stehen kümmerliche 0,44 Prozent, in der Zielgruppe dagegen ordentliche 1,29 Prozent. Für die Masse ist das Programm also ziemlich bedeutungslos, für das junge sixx-Publikum dagegen deutlich passender als viele der etablierten US-Serien. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis der gesamten Untersuchung: Das Programm, das bei sixx vermeintlich klein aussieht, kann für die Positionierung des Senders wertvoller sein als das reichweitenstärkere Serienprogramm.
Eine dritte Säule sind Lifestyle- und Factual-Programme. «Fixer Upper», «Verpfuscht», «Christinas kalifornischer Traum» und zahlreiche verwandte Formate bestimmen ganze Abende. Insgesamt kommen diese Programme über 331 Ausstrahlungen auf durchschnittlich 0,57 Prozent bei allen und 1,03 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Damit funktionieren sie etwas besser als die Serien in der Zielgruppe, bleiben aber ebenfalls unter Senderschnitt. «Verpfuscht – Ein Fall für die Beauty Docs» ist mit 103 Ausstrahlungen eines der wichtigsten Formate. Im Schnitt wurden 0,66 Prozent bei allen und 1,15 Prozent bei den Jüngeren gemessen. «Fixer Upper – Umbauen, einrichten, einziehen!» kam in 94 Ausstrahlungen auf 0,58 und 1,10 Prozent. Und trotzdem stellte ausgerechnet «Fixer Upper» den größten Ausreißer der gesamten Untersuchung: Am 16. September 2025 wurden 1,42 Prozent beim Gesamtpublikum und sensationelle 4,26 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen gemessen. Rund 296.000 Menschen sahen zu, darunter 172.000 aus der klassischen Zielgruppe.
Das Problem ist nur: Solche Abende sind die Ausnahme. 2025 kamen die Lifestyle- und Factual-Programme durchschnittlich noch auf 1,17 Prozent bei den Jüngeren. 2026 sind es nur noch 0,86 Prozent. Von allen größeren Programmkategorien ist hier der Absturz besonders deutlich.
Und die Spielfilme? Sie sind weder die große Lösung noch grundsätzlich ein Problem. 103 Ausstrahlungen von insgesamt 85 unterschiedlichen Filmtiteln erreichten durchschnittlich rund 150.000 Zuschauer, 0,63 Prozent bei allen und 1,03 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Etwa jede dritte Film-Ausstrahlung übertraf den Zielgruppen-Senderschnitt. Der Vorteil: Mit dem richtigen Titel kann sixx weit über die üblichen Werte hinausschießen. «Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen» lief dreimal und erreichte durchschnittlich 2,05 Prozent in der Zielgruppe. «Burlesque» schaffte bei drei Ausstrahlungen 1,49 Prozent, «Mit Dir an meiner Seite» kam zweimal auf durchschnittlich 1,39 Prozent und «Sex and the City 2» auf 1,35 Prozent. Auch einzelne Filme lieferten hervorragende Ergebnisse. «10 Dinge, die ich an dir hasse» erreichte 2,17 Prozent, «Natürlich Blond!» 2,09 Prozent und «Good Will Hunting» 2,08 Prozent. «Für immer Liebe» brachte es auf 1,85 Prozent.
Auf der anderen Seite finden sich zahlreiche Totalausfälle. «Step Up» kam auf gerade einmal 0,16 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, «Fantasy Island» und «Happy Burnout» jeweils auf 0,20 Prozent, «Shakespeare in Love» auf 0,22 Prozent. Filme sind bei sixx also stärker vom einzelnen Titel abhängig als jede andere Programmsorte. Die richtige romantische Komödie kann den Senderschnitt verdoppeln. Ein vermeintlich passender Film kann aber genauso gut nahezu unter Ausschluss der Zielgruppe stattfinden.
Auch die Wochentage erzählen die Geschichte des Senders ziemlich schön. Beim Gesamtpublikum sind Donnerstag und Montag die stärksten Tage. Donnerstags wurden durchschnittlich 0,75 Prozent, montags 0,74 Prozent erreicht. Bei den 14- bis 49-Jährigen drehen sich die Verhältnisse komplett. Freitags sind es 1,16 Prozent, samstags 1,15 Prozent. Der Montag kommt dagegen nur auf 0,88 Prozent, der Donnerstag auf 0,91 Prozent. Die Serienabende liefern sixx also zuverlässig Zuschauer, aber nicht zwingend jene Zuschauer, mit denen der Sender eigentlich stark sein möchte. Die showlastigeren Wochenendstrecken passen demografisch deutlich besser.
Einige einzelne Abende zeigen, was theoretisch möglich wäre. «FBI: Special Crime Unit» erreichte am 26. Juni 2025 mit zwei Folgen 3,53 und 3,33 Prozent in der Zielgruppe. «Das große Backen» schaffte am 19. September 2026 starke 3,45 Prozent. «Das große Backen – Die Profis» kam im August 2025 auf 3,31 Prozent, «The Mentalist» einmal auf 3,03 Prozent und «9-1-1 Notruf L.A.» im Januar dieses Jahres auf 2,94 Prozent.
sixx kann also Primetime. Nur passiert es nicht oft genug. Ist die sixx-Primetime damit überflüssig? Nein. Aber sie ist erstaunlich oft austauschbar. Beim Gesamtpublikum erfüllt sie ihren Zweck. Rund 0,64 Prozent in der Primetime gegenüber 0,6 Prozent im gesamten Tagesprogramm sind kein Grund, den Abend abzuschreiben. Vor allem Crime-Serien schaffen eine stabile Grundreichweite und bringen regelmäßig 150.000 bis 200.000 Zuschauer zusammen.
Das Problem liegt an anderer Stelle: In der klassischen Zielgruppe erzielt die Primetime im Durchschnitt nicht einmal ein Prozent Marktanteil, obwohl der Sender insgesamt bei 1,2 Prozent liegt. 2026 ist dieser Wert bislang sogar auf lediglich 0,90 Prozent abgesackt. Nur noch gut jede fünfte Ausstrahlung erreicht in diesem Jahr überhaupt die 1,2 Prozent. Gerade deshalb sind «Das große Promibacken», «Das große Backen – Die Profis», «Germany's Next Topmodel» oder einzelne passende Spielfilme so wichtig. Sie zeigen, dass es ein Publikum für sixx am Abend gibt. Der Sender muss nur Programme zeigen, die auch tatsächlich nach sixx aussehen. Die große Masse aus älteren Crime-Wiederholungen erfüllt dagegen vor allem eine Funktion: Sie hält den Laden beim Gesamtpublikum stabil. «Navy CIS: Hawaii», «The Mentalist» und «Castle» liefern solide Marktanteile bei allen, ziehen das Profil bei den Jüngeren aber kaum nach oben.
Das Urteil des Quotengerichts lautet deshalb: Serien gewinnen bei sixx die Reichweitenwertung, Shows gewinnen die Zielgruppe und Filme sind die Lotterie. Die Primetime selbst ist nicht überflüssig. Aber viel zu viele ihrer Stunden sind es aus Sicht der eigentlichen Zielgruppe beinahe. Vielleicht ist genau das das eigentliche Problem: sixx hat nicht zu wenig funktionierende Primetime-Programme. Der Sender setzt nur zu selten auf die Programme, die beweisen, dass sein Publikum am Abend tatsächlich einschalten würde.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel