Malaya Stern Takeda: ‚Kunst als Widerstand zu begreifen‘

Malaya Stern Takeda und Maximilian Mundt moderieren die «FIRST STEPS Awards» und treffen dort auf die nächste Generation der Filmbranche. Im Interview sprechen sie über fehlende Budgets, den Mut zu riskanten Stoffen, die Bedeutung von Netzwerken – und darüber, warum Zusammenhalt gerade in schwierigen Zeiten entscheidend ist.

Sie stehen beide selbst für eine junge Generation von Filmschaffenden. Was bedeutet es Ihnen, bei den «FIRST STEPS Awards» nun diejenigen auf der Bühne zu begrüßen, die gerade erst am Anfang ihrer Karriere stehen?
Malaya Stern Takeda: Es ist eine absolute Ehre, Teil des Anfangs sein zu dürfen. Gerade der Anfang in dieser Branche kann so viel Schönes, aber auch Überforderung mit sich bringen, und wir möchten den Start für diesen Jahrgang so schön und lustig und leicht wie möglich gestalten.

«FIRST STEPS» zeichnet Abschlussfilme aus, die häufig mit begrenzten finanziellen und technischen Möglichkeiten entstehen. Sie sagen selbst: „Teamwork makes the dreamwork“. Erinnern Sie sich an einen Moment am Anfang Ihrer eigenen Laufbahn, in dem ein gutes Team entscheidend dafür war, dass ein Projekt überhaupt funktioniert hat?
Malaya Stern Takeda: Ich würde behaupten, dass es NUR dann funktioniert. Wir vergessen oft, dass das ja auch unsere Lebenszeit ist, die wir im Machen der Projekte reinstecken. Und wenn das die Teams begreifen, zusammenhalten, reden, austauschen, auf liebevolle Art und Weise, und dieses Gefühl herrscht von “egal was daraus wird, das war eine tolle Zeit”, dann hat man alles richtig gemacht.

Maximilian Mundt, Sie haben selbst Film studiert und arbeiten neben der Schauspielerei als Filmemacher und Fotograf. Schauen Sie deshalb möglicherweise anders auf die nominierten Arbeiten als jemand, der ausschließlich vor der Kamera arbeitet?
Maximilian Mundt: Ich bin total froh, dass ich in den letzten Jahren und auch während dem Studium in so vielen verschiedenen Departments hinter der Kamera gearbeitet habe und mittlerweile einen sehr guten Überblick habe, was es alles braucht, um am Ende mit einem fertigen Film dazustehen. Am liebsten würde ich noch viel mehr Kategorien auszeichnen.

Malaya Stern Takeda, Sie wechseln zwischen Schauspiel und Theaterregie. Wie wichtig ist es gerade für junge Künstlerinnen und Künstler, sich heute nicht mehr ausschließlich über eine einzige Tätigkeit oder ein einziges Berufsbild zu definieren?
Malaya Stern Takeda: Das sehe ich gar nicht unbedingt so… Mir ist das mit der Theaterregie einfach irgendwie passiert. Es ergänzt meine Arbeit als Schauspielerin auch ganz gut, ich darf eine neue Perspektive einnehmen, und das kann ich allen empfehlen. Allerdings, vielleicht bin ich da zu romantisch, aber ich finde es auch toll, wenn Leute sich 100 prozentig nur einer Leidenschaft widmen.

Ein Preis wie «FIRST STEPS» kann Aufmerksamkeit schaffen und Türen öffnen. Gleichzeitig trifft der Nachwuchs derzeit auf eine Branche, in der Budgets unter Druck stehen und weniger produziert wird. Wie optimistisch blicken Sie auf die beruflichen Möglichkeiten der Filmschaffenden, die Sie an diesem Abend auszeichnen?
Malaya Stern Takeda: Mir hat mal ein Dozent an der Schauspielschule gesagt: “Die Welt wartet nicht auf euch. Ihr müsst euren Platz in der Welt selbst erkämpfen.” Ich glaube also, es war irgendwie schon immer so. Ja, es ist schon so, dass es zur Zeit sehr wenig Geld gibt. Aber es wird wieder eine Phase kommen, in der es wieder mehr gibt. Ich glaube auch, dass gerade in schwierigen Zeiten der Zusammenhalt am wichtigsten ist, und dadurch entstehen wiederum die besten Sachen. Kunst als Widerstand zu begreifen.


Maximilian Mundt: Filme machen wird immer ein Kampf sein. Sowohl ein harter aber auch einer, denn man gewinnen kann. Und bei dem es sich lohnt vorallem ausdauernd zu sein. Manche Geschichten brauchen Jahre. Da, nicht den Biss und den Glauben an das Projekt zu verlieren ist das Wichtigste. Und am besten geht das mit Menschen zusammen die man gern hat. Ich hoffe, dass die Nominierten vielleicht auch bei den First Steps, zukünftige Kollaboratoren und auch Mentoren finden.

«FIRST STEPS» versteht sich ausdrücklich nicht nur als Preisverleihung, sondern auch als Ort der Vernetzung. Sie hoffen sogar, dass an diesem Abend neue Teams entstehen. Wie entscheidend sind solche persönlichen Begegnungen in einer Branche, in der viele Jobs und Projekte über Netzwerke zustande kommen?
Malaya Stern Takeda: Netzwerke sind die halbe, wenn nicht sogar die meiste Miete, würden wir behaupten. Es gibt Gewinner*innen, ja, aber allein die Kontakte und Expertise, die die First Steps allen Nominierten zur Verfügung stellen, ist unbezahlbar. Das ist so besonders an diesem Preis, dass alle wertgeschätzt werden und gestärkt und mit ein wenig mehr know-how in die Filmbranche reingehen.

Sie haben beide bereits mit großen Streamingdiensten und klassischen deutschen Film- und Fernsehproduktionen gearbeitet. Haben Nachwuchskräfte heute mehr Möglichkeiten, ihre Geschichten zu erzählen – oder ist der Einstieg durch den wirtschaftlichen Druck auf die Branche sogar schwieriger geworden?
Malaya Stern Takeda: Es ist auf jeden Fall schwieriger geworden, es fehlen Gelder. Und wenn es weniger Geld gibt, werden Stoffe, die den Förderanstalten sich als Risiko darstellen, eben nicht gefördert. Es wird geguckt, was gerade funktioniert, und das wird ganz oft nachgemacht, bis es den nächsten Trend gibt. Aber wir sind bei den First Steps ja mehr beim Kinofilm, beim Indie-Film, und es ist dort nicht leichter Geld zu bekommen, aber es reden weniger Leute mit, die deine Idee Fernsehreifer, trendiger oder gar komplett verändern wollen. Es ist gut, wenn man es schafft, geduldig und mutig zu sein, zu glauben, dass die richtigen Menschen schon kommen werden, oder mit weniger Geld vielleicht sogar in der Not auf Ideen kommt, auf die man nur so hätte kommen können.


Maximilian Mundt, «How to Sell Drugs Online (Fast)» hat Sie über Jahre begleitet und 2025 sein Finale gefeiert. Fühlt sich das Ende einer solchen prägenden Serie auch ein wenig wie ein eigener „FIRST STEP“ in eine neue Phase Ihrer Karriere an?
Maximilian Mundt: «How to sell Drugs» war auf jeden Fall die letzten Jahre meine Hauptbeschäftigung und mein Fußfassen in der Branche. Gleichzeitig bin ich mit der Serie erwachsen geworden und habe mich selbst auch viel entwickelt. Nach der letzten Staffel hatte ich auf jeden Fall das Gefühl bereit für den nächsten Schritt und vor allem gewappnet für den ersten Schritt in neue und erwachsenere Rollen zu sein.

Malaya Stern Takeda, in «Parallel Me» haben Sie acht verschiedene Lebenswege derselben Figur gespielt. Wenn Sie auf Ihren eigenen bisherigen Weg schauen: Gab es eine Entscheidung oder Begegnung, ohne die Ihre Karriere heute möglicherweise völlig anders aussehen würde?
Malaya Stern Takeda: Da wären wir wieder bei dem Thema “Zusammenhalt”. Den Weg, den ich bisher gegangen bin, habe ich all den Menschen zu verdanken, die an mich geglaubt haben und zu mir gehalten haben. Alles was wir tun, meiner Meinung nach, als Menschen auf dieser Welt, hat mit Verbindung und Begegnung zu tun… in Kontakt gehen miteinander, sich gegenseitig zu stärken, zu inspirieren, sich aber auch herauszufordern. Ich freue mich schon so sehr auf alle Menschen, die in mein Leben kommen werden und ich freue mich auch darauf, das Leben anderer begleiten zu dürfen.

Bei einer Preisverleihung stehen zwangsläufig Gewinnerinnen und Gewinner im Mittelpunkt. «FIRST STEPS» möchte aber den gesamten Nachwuchs fördern. Welche Botschaft möchten Sie gerade den Nominierten mitgeben, die am 5. Oktober ohne Auszeichnung nach Hause gehen?
Malaya Stern Takeda:Allein die Nominierung ist schon so viel Wert. Die Kontakte, die Expertise, das ganze First Steps Programm drum herum, ist ein Geschenk. Bei First Steps haben wir wirklich nicht das Gefühl, dass es ums Gewinnen geht, sondern um die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu verbinden… um, ja genau, durch den entstehenden Zusammenhalt gestärkt und mutiger in der Filmwelt entgegenzutreten.

Frau Takeda, Herr Mundt, vielen Dank für das Gespräch!

Am 5. Oktober ab 19:30 Uhr wird die Verleihung in der ARD Mediathek übertragen.
05.10.2026 00:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176131
Fabian Riedner

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Tags

• FIRST STEPS Awards • FIRST STEPS • How to Sell Drugs Online (Fast) • How to sell Drugs • Parallel Me

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