Böhmermann über «ZDF Magazin Royale»: ‚Jede Rolle kommt an ihr Ende‘

Bei «Deutschland 3000» spricht Jan Böhmermann mit Eva Schulz ausführlich über das Ende seiner ZDF-Show, neue Fernsehideen und seine Anfänge.

Jan Böhmermann hat im Gespräch mit Eva Schulz ausführlich erklärt, warum er das «ZDF Magazin Royale» beendet. Im Podcast «Deutschland 3000» machte der Moderator deutlich, dass die Entscheidung von ihm selbst ausgegangen sei. Zwar habe er sich im Vorfeld mit Kolleginnen und Kollegen sowie Menschen aus seinem privaten Umfeld beraten, letztlich müsse er die Entscheidung aber selbst treffen. „Ich glaube, das ist eine gute Idee, hier ein Satzzeichen zu setzen und mal zu schauen, was es sonst noch so gibt“, sagte Böhmermann.

Der Erfolg des Formats sei für ihn allein kein Argument, die Sendung weiterzuführen. Böhmermann erinnerte daran, dass auch frühere Projekte erfolgreich gewesen seien. Entscheidend sei für ihn vielmehr, ob ihn ein Format weiterhin künstlerisch und kreativ herausfordere. Erfolg dürfe „am Ende nicht entscheidend dafür sein, ob etwas künstlerisch, kreativ befriedigend ist“, erklärte er. Viel wichtiger sei die Frage, ob ein Projekt noch eine Perspektive habe und ihn so stark reize, dass er seine gesamte Energie hineinstecken wolle.

Böhmermann betrachtet seine Fernsehsendungen ohnehin als Rollen, die irgendwann ausgeschöpft sein können. Rückblickend beschrieb er bereits das «Neo Magazin Royale» als ein Format, das über Jahre hinweg eine bestimmte Bühnenfigur hervorgebracht habe. „Irgendwann kommt jede Rolle, die man spielt, weil es eben eine Rolle ist, an ihr Ende“, sagte er. Dann müsse man sich entscheiden, ob man diese Figur dauerhaft weiterspielen oder sich noch einmal neu orientieren wolle.

Beim «ZDF Magazin Royale» sei seine Rolle mit den Jahren deutlich formeller geworden. Böhmermann erklärte, dass er inzwischen stärker am geschriebenen Text hänge und die Sendung weniger Spielraum lasse als frühere Formate. Gleichzeitig lobte er die Möglichkeiten, komplexe journalistische Themen auf diese Weise einem großen Publikum zugänglich zu machen. „Das funktioniert super, das macht total Spaß“, sagte er über die Sendung. Dennoch unterliege auch diese Rolle einer ständigen Bewertung und zwar durch ihn selbst.

Dass das Ende des «ZDF Magazin Royale» vom Sender erzwungen worden sei, weist Böhmermann zurück. Als er ZDF-Intendant Norbert Himmler seine Entscheidung mitgeteilt habe, sei dieser zunächst überrascht gewesen. Böhmermann betonte jedoch, dass sein Abschied weder aus Misstrauen noch aus Ablehnung gegenüber dem ZDF oder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk entstanden sei. „Es ist nicht deine Schuld, es ist niemandes Schuld“, habe er Himmler sinngemäß erklärt. Er finde das ZDF nicht „scheiße“ und wisse, „was wir aneinander haben“. Statt einer Ermüdung beschreibt Böhmermann vor allem seinen Wunsch nach Veränderung. „Ich gucke wirklich pathologisch, notorisch immer woanders hin und ich bin sehr schnell neugierig darauf, was es sonst noch gibt“, sagte der 45-Jährige. Genau dieses Bedürfnis habe bereits frühere Stationen seiner Karriere geprägt.

Ein Beispiel dafür ist eine mehrtägige Reise mit dem E-Scooter von Köln nach Chemnitz. Böhmermann erzählte, dass er seinen Kollegen zunächst erklären musste, warum er plötzlich sechs Tage lang durch Deutschland fahren wolle, obwohl sein beruflicher Alltag normalerweise aus intensiver journalistischer Arbeit am Schreibtisch bestehe. „Ich würde gerne mit dem E-Scooter von Köln nach Chemnitz fahren. Und zwar nicht, weil ich glaube, es ist eine geile Show, sondern weil ich das Gefühl habe, das muss ich dringend machen“, erinnerte er sich.

Schulz blickte mit Böhmermann zudem weit zurück in dessen Biografie. Der Moderator wuchs in Bremen-Vegesack als Sohn sehr junger Eltern auf. Seine Mutter sei noch keine 40 Jahre alt gewesen, als er bereits ausgezogen sei. Böhmermann bezeichnete es rückblickend als „großes Glück“, mit so jungen Eltern aufgewachsen zu sein. Schon als Kind zog es ihn auf die Bühne. In einem Kinderzirkus trat Böhmermann unter anderem als Clown auf. Besonders gern habe er Solonummern gespielt. „Ich fand es immer cool, dann da lieber weniger Zeit, zwei Minuten, aber dann irgendwie sein eigenes Ding machen“, sagte er über diese Zeit. Eine frühere Weggefährtin erinnerte sich im Podcast ebenfalls an den jungen Böhmermann und seine eigenen Nummern in der Manege.

Dass sich dieser Wunsch nach Veränderung bis heute durch seine Karriere zieht, überrascht offenbar auch Böhmermanns Familie nicht. Seine Mutter habe auf Fragen von Verwandten zum Ende des «ZDF Magazin Royale» geantwortet: „Der Jan, wisst ja, wie er ist. Dem wird irgendwann immer langweilig, dann muss er irgendwas anderes machen.“ Böhmermann räumte ein, dass diese Einschätzung durchaus zutreffe. Wie sein nächstes Fernsehprojekt aussehen wird, ließ Böhmermann bei «Deutschland 3000» offen. Deutlich wurde allerdings, dass er sich keineswegs aus dem Fernsehen zurückziehen möchte.

30.09.2026 08:05 Uhr Kurz-URL: qmde.de/176040
Fabian Riedner

super
schade


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• Deutschland 3000 • ZDF Magazin Royale • Neo Magazin Royale

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