Könnten Matthew McConaughey und Woody Harrelson Brüder sein? Aus dieser schrägen Prämisse hat Apple TV eine Comedy-Serie gezimmert.
Es gibt Schauspielerfreundschaften, die so eng mit der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Protagonisten verbunden sind, dass man irgendwann nicht mehr recht weiß, wo die Personen aufhören und ihre Legenden beginnen. Matthew McConaughey und Woody Harrelson gehören zweifellos dazu. Seit ihrer gemeinsamen Arbeit, spätestens aber seit «True Detective», haftet ihnen das Bild zweier amerikanischer Freigeister an, die sich zwischen philosophischem Tiefsinn, Alkohol und gepflegtem Wahnsinn erstaunlich gut eingerichtet haben.
«Brothers» nimmt nun genau dieses Bild und macht daraus eine Sitcom. Das ist zunächst eine ziemlich gute Idee: Die neue Apple-TV+-Serie lässt McConaughey und Harrelson fiktionalisierte Versionen ihrer selbst spielen. Woody reist nach dem Scheitern der Hochzeit seiner Tochter mit seiner Familie zu Matthew nach Texas. Dort enthüllt Matthews Mutter Ma Mac ein jahrzehntealtes Geheimnis: Die beiden Freunde könnten tatsächlich Brüder sein.
Das Schöne daran ist die Absurdität des Konzepts. «Brothers» verlangt vom Publikum, gleichzeitig zu wissen, wer McConaughey und Harrelson in der Realität sind, und so zu tun, als wüsste es das nicht. Die Serie lebt damit von einer eigentümlichen Doppelbelichtung: Wir betrachten zwei Schauspieler, die sich selbst spielen, während ihre Figuren permanent mit den öffentlichen Mythen über diese Schauspieler kollidieren.
Der Witz ist dabei oft schon dadurch vorhanden, dass McConaughey und Harrelson überhaupt gemeinsam vor der Kamera stehen. Die Serie müsste eigentlich nur geduldig genug sein, diese Tatsache wirken zu lassen. Stattdessen produziert sie jedoch fast getrieben zusätzliche Pointen, Situationen und Eskalationen, als misstraue sie ihrem eigenen Material. Aus einer interessanten Meta-Komödie wird dadurch stellenweise eine recht gewöhnliche Familien-Sitcom, in der eben zufällig zwei Oscar-nominierte beziehungsweise Oscar-prämierte Schauspieler herumstehen.
Gerade Matthew McConaughey ist dabei eine bemerkenswerte Figur. Seine öffentliche Persona – der entspannte Texaner, der philosophierende Lebenskünstler, der Mann mit dem ewigen Grinsen – ist längst selbst eine Art kulturelle Institution geworden. «Brothers» spielt damit, aber nicht immer subtil. Harrelson wiederum darf den nervöseren, misstrauischeren Part übernehmen und macht daraus einen Woody, der seine vermeintliche Abstammung mit einer Mischung aus detektivischem Eifer und familiärer Verzweiflung verfolgt.
In den bislang veröffentlichten Episoden funktioniert dieses ungleiche Duo am besten, wenn die beiden nicht versuchen, besonders lustig zu sein. Das hat einen gewissen Charme, weil die Serie ihre Figuren gelegentlich tatsächlich als Menschen behandelt und nicht ausschließlich als Witzmaschinen. Woody ist nicht nur der paranoide Freund, sondern auch Vater und Ehemann. Matthew ist nicht nur der sonnenbeschienene McConaughey-Verschnitt, sondern ein Mann, der mit seinem eigenen Bild in der Öffentlichkeit ringt. Genau dort könnte «Brothers» interessant werden. Leider bleibt diese interessante Ebene bisher häufig unter der Oberfläche.
Denn die Serie verlässt sich zu stark auf ihre Tendenz zum gemütlichen Chaos. Familienmitglieder reden aneinander vorbei, Männer treffen zweifelhafte Entscheidungen, und aus kleinen Missverständnissen werden größere Katastrophen. Das ist sympathisch, aber nicht unbedingt originell. Doch «Brothers» ist damit bislang eben mehr sympathisch als wirklich scharf. Die Serie hat eine hervorragende Prämisse und zwei Hauptdarsteller, die ihr eigenes Image als komisches Material zur Verfügung stellen. Was ihr noch fehlt, ist der Mut, dieses Geschenk wirklich auszupacken.
Die Serie «Brothers» ist Teil des Streaming-Portfolios von AppleTV.
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