Der neuen deutschen Vampirserie aus der Feder von Disney+ fehlt leider an vielen Stellen der nötige Biss.
Es gibt Serien, die ihre Welt erst nach und nach erklären. Und es gibt «City of Blood». Die neue Disney+-Miniserie scheint dem Zuschauer schon in den ersten Minuten möglichst deutlich mitteilen zu wollen, was sie alles bedeuten möchte: Klimakatastrophe, soziale Ungleichheit, politische Radikalisierung, organisierte Kriminalität, Machtmissbrauch – und nebenbei Vampire. Berlin ist hier ein Stadtstaat am Abgrund, die Spree weitgehend ausgetrocknet, der Tiergarten verdorrt und die privilegierte Oberschicht lebt unter einer klimatisierten Kuppel. Blut ist die neue Währung.
Das ist als Ausgangspunkt, auf Basis des Graphic Novels „Berlinoir“ von Tobias O. Meißner und Reinhard Kleist, ziemlich großartig – als Erzählung aber leider ziemlich anstrengend.
Die Geschichte folgt den Schwestern Bea und Phoebe, die als Kinder getrennt wurden und unter völlig unterschiedlichen Bedingungen aufwachsen. Bea lebt geschützt bei ihrer Adoptivmutter, während Phoebe sich auf den Straßen Berlins durchschlagen muss. Als beide wieder aufeinandertreffen, geraten sie in eine politische und kriminelle Ordnung, deren eigentliche Machtverhältnisse mit Vampiren verbunden sind: Vor dem Hintergrund dieser eigentlich reizvollen Mischung aus Familiendrama, Politthriller und Horror wirkt «City of Blood» aber tatsächlich häufig eher wie eine PowerPoint-Präsentation über den Zustand der Gegenwart als wie eine packende Serie. Denn nahezu jedes Element besitzt hier eine erkennbare allegorische Funktion. Die Kuppel steht für Privileg. Das ausgetrocknete Berlin für die Klimakrise. Das Blut für ökonomische Abhängigkeit. Die Vampire für eine herrschende Elite. Der politische Machtkampf für den Zustand einer Gesellschaft, in der Angst und Populismus längst Geschäftsmodelle geworden sind.
Man könnte daraus eine wunderbar bissige Gesellschaftssatire machen. Nur beißt «City of Blood» erstaunlich selten wirklich zu. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Serie ihre Motive nicht immer organisch aus den Figuren heraus entwickelt. Zu oft stehen die großen Themen sichtbar neben der Handlung, als hätte jemand nachträglich Etiketten auf die einzelnen Szenen geklebt. Die Schwesternbeziehung soll emotional tragen, während parallel die Vampirgesellschaft etabliert, ein politischer Machtkampf vorbereitet und die dystopische Welt erklärt werden muss. Dazu kommen Kriminalität, Entführungen und die Frage nach der Zukunft Berlins: zu viele Erzählstränge, zu wenig Zeit.

Tatsächlich ist «City of Blood» oft erstaunlich langsam, obwohl permanent etwas passiert. Das ist fast eine Kunst, kämen nicht manche Enthüllungen zu spät, um wirklich überraschend zu sein, während sich die Motive und Haltung, die die Serie vortragen will, nur selten wirklich organisch aus ihrer Handlung oder dem Verhältnis der Figuren zueinander ergeben. Die Frage, was passiert, wenn eine Gesellschaft ihre eigenen Ausbeutungsmechanismen so normalisiert, dass ein Vampirregime gar nicht mehr besonders monströs erscheinen muss, ist unglaublich spannend – und man wäre ihr viel gerechter geworden, hätte man die Allegorien nicht allzu stark mit tatsächlichen Gegenwartsbezügen überfrachtet.
Anstatt ihre Metaphern permanent zu erklären, hätte sie ihnen lieber konsequenter den Mund verboten. Dabei steckt hinter dem etwas überladenen Genremix eine bemerkenswert zeitgenössische Idee: Horror muss nicht aus einer übernatürlichen Bedrohung entstehen, wenn die gesellschaftliche Realität bereits ausreichend dystopisches Material liefert. «City of Blood» versteht das. Nur vertraut die Serie dieser Erkenntnis nicht genug.
Die Serie «City of Blood» ist im Streaming-Portfolio von Disney+ enthalten.
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