Emmy Rossum jagt in der neuen Hulu-Serie eine mysteriöse Täterin durch New York und stößt dabei auf einen Fall, der immer neue Wendungen nimmt. «Furious» erzählt schnell und spannend, nur eine der acht Episoden bringt die ansonsten starke erste Staffel gehörig ins Wanken.
Bevor Emmy Rossum am 12. September ihren 40. Geburtstag feiert, machte die Disney-Tochter Hulu ihr ein besonderes Geschenk: Ihre neue Serie
«Furious» erhält eine zweite Staffel. Bekannt wurde die Schauspielerin als Fiona Gallagher in den ersten neun Staffeln von «Shameless», ehe sie sich den Miniserien «Angelyne» (Peacock-Serie über ein Plakatmodel der 80er Jahre) und «The Crowded Room» (neben Tom Holland in einer Apple-TV+-Serie) widmete.
«New Girl»-Erfinderin Elizabeth Meriwether castete Rossum. Die Autorin setzte in den vergangenen Jahren mit den Serien «The Dropout» (über die Betrügerin Elizabeth Holmes) und «Dying for Sex» (eine Geschichte über eine krebskranke Frau mit Michelle Williams) hervorragende Projekte um. Die neue Serie «Furious» startete Ende Juli 2026 beim Streamingdienst Hulu und international bei Disney+ und machte mit starken Kritiken und massiv steigenden Abrufzahlen von sich aufmerksam.
Die Serie startet spannend: Eine mysteriöse Catherine lebt beim wohlhabenden Caleb Easton in New York City und gibt Kindern an Halloween Süßigkeiten. Doch immer wieder geht sie zurück ins Haus und spricht mit ihrem Opfer. Caleb versucht, aus dem Badezimmer zu entkommen und zu flüchten, doch er bekommt eine Überdosis gespritzt, bei der sich im Verlauf der Serie herausstellt, dass es sich um Fentanyl handelt. Das geschulte Auge erkennt: So wie Regisseur Brian Kirk das Verhältnis zwischen Täterin und Opfer inszeniert, wird sich die Erzählung innerhalb der acht Episoden noch verändern.
Nach diesem Abend wird die FBI-Agentin Alice Black von der Mordkommission des New York Police Department (NYPD) als Hilfe angeheuert. Bislang war es so, dass die von Emmy Rossum verkörperte Figur in ihrem New Yorker Büro für verrückte Personen zuständig war, denn immer wieder rufen Amerikaner an und melden allerhand. Zunächst ist ihr Chef gar nicht davon angetan, dass sie diesen Posten verlassen darf, doch die Polizei braucht Hilfe. Alice trifft am Tatort auf Danny Kelly (Scoot McNairy), ihren früheren Partner beim Morddezernat. Er hat wieder Probleme mit dem Rauchen, stellt Alice scharf fest.
Die von 20th Television produzierte Serie schreitet schnell voran, denn schon in der ersten Folge sucht die als Catherine vorgestellte Täterin Unterschlupf in einem Frauenhaus. Doch hier kommt der Rezipient bereits ins Grübeln, da sie einige Zeit beim Täter verbrachte und dort allerdings keine Besitztümer oder Bargeld erbeutete. Handelt es sich hierbei vielleicht um ein anderes Verbrechen? Mit Hilfe eines Tricks raubt nun „Jinny“, also Catherine Grace (Lola Petticrew), die Obdachlose Allen aus, um ihren Ausweis zu stehlen.
Während andere Ermittler ihren Frust in Alkohol ertränken oder zum Yoga gehen, trifft sich Alice mit fremden Männern zum gewaltvollen Geschlechtsverkehr. Besonders düster an ihrer Geschichte ist allerdings die Tatsache, dass sie unter den Folgen der körperlichen Misshandlung durch ihren Ex-Freund Marshall Connelly (Jake Lacy) leidet, der sie gewaltsam aus der Dusche zog und krankenhausreif schlug. Er schiebt seine Schuld noch immer auf seinen Alkoholmissbrauch.
Innerhalb des FBI wird Alice recht schnell zu Nora Washington (Quincy Tyler Bernstine) versetzt, die die Abteilung für Sexualverbrechen leitet. Insbesondere auf die Unterabteilung für Verbrechen an Kindern ist sie spezialisiert, was auch dazu führt, dass sie gut und gerne Alkohol zum Abschalten trinkt. Obwohl ihr das im späteren Verlauf zum Verhängnis wird, wird ihr Verhalten von Kollegen und Vorgesetzten über Jahre toleriert. Das ist ein Punkt, der die Serie nicht unbedingt besser macht, weil diese jahrelange Duldung unglaubwürdig erscheint.
Zurück zum Mordopfer Caleb: Es kommt zu einem Gespräch zwischen dessen Schwester Amy (Elise Kibler) und ihrem Vater Jay (Peter McRobbie), die allerdings auffällig wenig von dessen Rückzug aus dem Richteramt wissen. Das erscheint der FBI-Agentin Alice allerdings nicht plausibel, weshalb die Familie immer wieder Erwähnung findet. Im Verlauf der ersten Episoden erzählt Alice noch, dass sie ebenfalls in einem Heim wohnte und dort Erfahrungen mit Familien machte.
Nachdem Caleb aus dem Weg geräumt wurde und Catherine ein neues Opfer gefunden hat, verschiebt sich der Blickwinkel der Serie. Im Mittelpunkt steht Alden (Steve Way), der auch im echten Leben an Muskeldystrophie leidet und neben der Schauspielerei auch als Behindertenrechtsaktivist und Komiker arbeitet. Er gibt sich als Täter der bisherigen Morde aus, auch wenn dies weder vom New Yorker FBI-Büro noch vom NYPD ernsthaft in Betracht gezogen wird.
Sieben der acht Episoden sind gut und glaubhaft geschrieben, doch die sechste Geschichte von Colleen McGuinness zieht «Furious» erzählerisch in den Abgrund. Die Figuren fügen sich nicht in das Bild der bisherigen Folgen, die Aktionen sind unrealistisch und die drastischen Maßnahmen dienen einem schlechten Drehbuch. Alles in allem bleibt die Jagd trotz dieses Ausrutschers spannend und die Serie macht den einen oder anderen Schlenker, dies führt aber nicht zum Qualitätsverlust. Die Serie von Elizabeth Meriwether ist schnell und packend geschrieben, die Nebenhandlungen fühlen sich nicht nach unnötigem Ballast an. Nur eine Frage stellt sich am Ende noch: Was will man in der zweiten Staffel erzählen?
«Furious» ist seit 31. August vollständig bei Disney+ abrufbar.
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