Ballauf und Schenk nähern sich ihrem 100. Fall. Diesmal droht in Köln im wahrsten Sinne des Wortes eine Bombe hochzugehen.
Stab
Darsteller: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Joe Bausch, Roland Riebeling, Tinka Fürst, Katrin Wichmann
Musik: Olaf Didolff
Kamera: Ralph Kaechele
Drehbuch: Eva und Volker Zahn
Regie: Marcus WeilerEine Weltkriegsbombe, eine Stadt im Ausnahmezustand, ein ermordeter Berufsschullehrer und eine Gruppe von Preppern, die sich in einem geheimen Bunker auf den Untergang vorbereitet: Der 96. Kölner «Tatort» bringt eigentlich alles mit, was ein zeitgenössischer Krimi braucht, um mehr zu sein als die übliche Mördersuche. In «Die letzten Menschen von Köln» treffen Zukunftsangst, gesellschaftliche Verunsicherung und ganz konkrete Todesgefahr aufeinander. Das klingt zunächst nach einem ziemlich soliden Fundament. Leider bleibt der Film erstaunlich häufig in genau diesem Fundament stecken.
Denn Marcus Weilers Inszenierung und das Drehbuch von Eva und Volker Zahn haben eine Idee, die sich über rund 90 Minuten selbst immer wieder versichert, wie interessant sie doch sei: Was passiert, wenn Menschen tatsächlich glauben, dass die gesellschaftliche Ordnung unmittelbar vor ihrem Ende steht? Die Antwort lautet hier vor allem: Sie schauen finster, misstrauen einander und erzählen Dinge, die der Zuschauer längst verstanden hat.
Dabei ist der Ausgangspunkt durchaus reizvoll. Während Köln wegen der Bergung einer Weltkriegsbombe praktisch stillsteht, untersuchen Max Ballauf und Freddy Schenk den Mord an dem jungen Berufsschullehrer Linus Makris. Das Jagdmesser im Park ist dabei nur der klassische Krimiauslöser. Interessanter wird es, als die Spur zu Elara Schmidtke führt, der Schwester des Opfers. Sie ist verschwunden und offenbar in die Welt der Prepper geraten – jener Menschen also, die sich mit Vorräten, Notfallplänen und allerlei Überlebensstrategien auf den großen Zusammenbruch vorbereiten.
Dass ausgerechnet ein ehemaliger Bunker zum Schauplatz dieser Geschichte wird, ist so naheliegend, dass man es fast schon wieder charmant nennen könnte. Der Bunker ist gleichzeitig Rückzugsort, Gefängnis und psychologisches Versuchslabor. Hier könnte der Film richtig unangenehm werden. Hier könnte er zeigen, wie schnell aus rationaler Vorsorge Paranoia wird und wie dünn die zivilisatorische Oberfläche sein kann, wenn Angst zur gemeinsamen Währung einer Gruppe wird.

Doch «Die letzten Menschen von Köln» interessiert sich weniger für diese Fragen, als man zunächst hoffen darf. Stattdessen werden die üblichen Verdächtigen des Untergangskinos aufgefahren: der charismatische Überlebenstrainer Moritz Zechmann, geheimnisvolle Teilnehmer, persönliche Konflikte, verschwiegene Wahrheiten und jede Menge bedeutungsschweres Schweigen.
Dabei steckt in «Die letzten Menschen von Köln» eigentlich Stoff für einen bemerkenswerten Krimi. Die Bombe in Köln könnte als äußeres Spiegelbild der Angst im Bunker funktionieren: draußen eine reale Bedrohung, drinnen die imaginierte Katastrophe. Die einen warten darauf, dass eine Bombe entschärft wird; die anderen bereiten sich darauf vor, dass die gesamte Gesellschaft explodiert.
Doch dieser Film setzt häufig auf Atmosphäre, wo er Präzision bräuchte. Der Bunker ist dunkel, die Gesichter sind angespannt, die Musik unterstreicht die Bedrohlichkeit, und die Kamera sorgt für die passende klaustrophobische Optik. Alles sieht nach großer Anspannung aus. Aber Spannung entsteht nicht automatisch dadurch, dass Menschen in dunklen Räumen leise miteinander reden. Das ist letztlich das Ärgerliche an diesem „Tatort“: Man erkennt ständig, was er sein möchte: ein beklemmender Thriller über gesellschaftliche Ängste, ein Krimi über Radikalisierung, ein Kammerspiel über Misstrauen. Vielleicht sogar eine kleine Parabel auf eine Gegenwart, in der sich Menschen lieber auf den Weltuntergang vorbereiten, als über die Gegenwart nachzudenken. Nur findet der Film für keine dieser Ideen eine wirklich überzeugende Form.
Der Film «Tatort – Die letzten Menschen von Köln» wird am Sonntag, den 20. September um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
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