«37°» blickt hinter die verschlossenen Türen der Tierversuchslabore

Manfred Karremann fragt, warum Tierversuche weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden und welche Alternativen die Wissenschaft inzwischen entwickelt hat.

Das ZDF widmet sich am Dienstag, den 29. September 2026, einem umstrittenen Bereich der Forschung. Um 22.15 Uhr zeigt der Sender die neue «37°»-Dokumentation „Geheimsache Tierversuche – Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“. Autor Manfred Karremann beschäftigt sich darin mit der Frage, was tatsächlich in deutschen Tierversuchslaboren geschieht und weshalb die Öffentlichkeit nur selten Einblick in deren Arbeit erhält.

Mehr als ein Jahr lang versuchte Karremann nach Angaben des ZDF, mit Verantwortlichen von Tierversuchslaboren ins Gespräch zu kommen. Selbst das Angebot, Gesprächspartner anonym auftreten zu lassen, führte demnach nicht zum gewünschten Zugang. Eine Ausnahme bildet Prof. Stefan Schlatt von der Universität Münster, der sich vor der Kamera zu Tierversuchen und seinen Beweggründen äußert. Damit rückt der Film auch einen grundsätzlichen Konflikt in den Mittelpunkt: Während Kritiker Tierversuche für ethisch nicht vertretbar halten, argumentieren Wissenschaftler mit ihrer medizinischen und wissenschaftlichen Notwendigkeit.

Das Ausmaß ist erheblich. Nach der vom ZDF angeführten Statistik des Bundesamtes für Risikobewertung wurden 2024 rund 1,3 Millionen Tiere in Deutschland für Versuche eingesetzt. Werden unter anderem Tiere einbezogen, die für Organentnahmen getötet oder als Überschuss gezüchtet wurden, steigt die Zahl auf mehr als drei Millionen Tiere innerhalb eines Jahres. Weil deutsche Labore kaum Einblicke gewähren, greift die Dokumentation auch auf heimlich entstandene Aufnahmen aus einem britischen Labor zurück. Zu sehen sind Hunde, Affen, Kaninchen und Ratten bei Sicherheitstests, bei denen Tiere beispielsweise Substanzen einatmen oder diese über Magenschläuche verabreicht bekommen.

«Geheimsache Tierversuche» beschränkt sich allerdings nicht auf die Kritik an der bestehenden Praxis. Der Film stellt auch Alternativen vor, an denen Wissenschaftler bereits arbeiten. Dazu zählen menschliche Zellkulturen, künstliche Haut sowie sogenannte Organe auf Chips. Bei BASF wurden etwa für Untersuchungen zur Haut- und Augenreizung alternative Verfahren entwickelt. Solche Methoden können nicht nur Tierversuche vermeiden, sondern nach Darstellung der Dokumentation in bestimmten Anwendungsgebieten auch wissenschaftlich bessere Ergebnisse ermöglichen. Für Karremann steht damit letztlich auch die mangelnde Transparenz im Mittelpunkt. «Geheimsache Tierversuche – Unter Ausschluss der Öffentlichkeit» fragt, wie eine Gesellschaft Nutzen, Notwendigkeit und ethische Grenzen von Tierversuchen beurteilen soll, wenn die konkrete Forschung weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfindet.
30.08.2026 13:19 Uhr Kurz-URL: qmde.de/174967
Fabian Riedner

super
schade


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37° Geheimsache Tierversuche

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