Was 2019 als Idee einiger Jurastudierender auf Vanuatu begann, führte bis vor den Internationalen Gerichtshof.
Der Kultursender arte zeigt am Dienstag, 29. September, um 23.20 Uhr die Erstausstrahlung der Dokumentation
«Der Billionen-Prozess: Wer bezahlt die Klimakatastrophe?». Der 53-minütige Film von Regisseur Felix Golenko beschäftigt sich mit einer Initiative, die ihren Ursprung weit entfernt von den politischen Machtzentren Europas und Nordamerikas hatte und schließlich vor dem höchsten Gericht der Vereinten Nationen landete.
Die Geschichte beginnt im Jahr 2019 in einem Seminarraum der University of the South Pacific auf Vanuatu. Jurastudierende beschäftigten sich dort mit einer Frage, die für die pazifischen Inselstaaten längst existenzielle Bedeutung besitzt: Wer muss für die Schäden bezahlen, die durch den Klimawandel entstehen? Steigende Meeresspiegel und zerstörerische Zyklone bedrohen dort unmittelbar die Lebensgrundlagen der Bevölkerung.
Den Studierenden reichen politische Absichtserklärungen und unverbindliche Klimaversprechen nicht mehr aus. Sie entwickeln deshalb einen ambitionierten Plan: Der Klimawandel soll vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebracht werden. Ihr Ziel ist es, die Pflichten der Staaten beim Klimaschutz völkerrechtlich klären zu lassen und damit eine Grundlage für eine mögliche Haftung jener Länder zu schaffen, die maßgeblich zum Klimawandel beigetragen haben.
Aus der studentischen Initiative entwickelt sich innerhalb von sechs Jahren eine internationale Bewegung. Die jungen Juristinnen und Juristen mobilisieren Unterstützer auf der ganzen Welt. Schließlich schließen sich mehr als 100 Staaten dem Vorhaben an. Damit erreicht eine Idee aus einem Klassenzimmer im Pazifik die Hallen des Friedenspalastes in Den Haag. Dabei geht es um enorme finanzielle Dimensionen. Sollten Staaten für Klimaschäden rechtlich verantwortlich gemacht werden können, könnten Entschädigungsforderungen in Billionenhöhe entstehen. Entsprechend groß ist der Widerstand der Industrieländer gegen mögliche Haftungsansprüche.
Regisseur Felix Golenko begleitet diesen außergewöhnlichen Weg und stellt dabei zwei Welten gegenüber. Auf der einen Seite stehen die vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Küstendörfer im Pazifik, auf der anderen die Verhandlungen im Internationalen Gerichtshof Tausende Kilometer entfernt. Die Dokumentation zeigt, wie aus einer zunächst kleinen studentischen Initiative eine Auseinandersetzung über Menschenrechte, internationales Recht und globale Verantwortung wird.
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