Maria Ehrich: 'Ich liebe Geschichten, in denen sich was getraut wird'

Mit dem Audible-Original «Catlady» leiht Maria Ehrich einer Frau ihre Stimme, die gemeinsam mit einem sprechenden Kater auf eine ebenso chaotische wie emotionale Reise geht. Im Quotenmeter-Interview spricht die Schauspielerin über Humor, Selbstfindung, Hörbucharbeit und den Reiz ungewöhnlicher Geschichten.

Frau Ehrich, in «Catlady» begleiten Sie eine Frau, deren perfekt geplanter Weg zur eigenen Hochzeit völlig aus dem Ruder läuft. Was hat Sie an dieser Geschichte sofort angesprochen?
Eigentlich war ich schon beim Lesen des Titels neugierig auf die Geschichte und hatte sofort Lust darauf, mehr über das Buch zu erfahren. Als ich dann verstanden habe, dass es um die ungewollte Kameradschaft zwischen einer Frau und einem sprechenden Kater geht und dass die Story in perfektem Chaos endet, war ich Feuer und Flamme. Ich liebe Geschichten, in denen sich was getraut wird.

Laura möchte es allen recht machen und hat ihr Leben bis ins Detail durchgeplant. Wie sehr konnten Sie sich in diese Seite Ihrer Figur hineinversetzen?
Ich kenne das Problem des “People Pleasens” persönlich leider sehr gut. Ich habe auch schon oft in meinem Leben meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinter denen von anderen Leuten angestellt, weil ich dachte, das gehört sich so. Aber wen habe ich dabei völlig außer Acht gelassen? Mich natürlich. Ich habe schon viele Fortschritte bei dem Thema gemacht, bin aber immer noch nicht ganz da angekommen, wo ich hin will. Alles bis ins Detail durchzuplanen, liegt mir allerdings sehr fern. Ich finde, ein bisschen Chaos und Spontanität hat noch niemandem geschadet.

Sir Cat ist alles andere als ein gewöhnlicher Kater – sarkastisch, eigensinnig und ziemlich theatralisch. Wie war es, beim Einsprechen mit einer Figur zu spielen, die man nie wirklich sieht?
Ich fand das ehrlich gesagt total befreiend. Ich konnte mich ausschließlich auf meine Fantasie konzentrieren und die Bilder im Kopf entstehen ja ganz automatisch. Außerdem hatte Stefan Kaminski seine Aufnahmetage vor mir und somit durfte ich mir auch erstmal anhören, wie er sich Sir Cat erdacht hat. Das war eine große Hilfe.

Gemeinsam mit Stefan Kaminski bilden Sie das ungewöhnliche Duo des Hörbuchs. Wie haben Sie diese besondere Dynamik entwickelt?
Leider haben wir uns zu den Aufnahmen nie zu Gesicht bekommen, weil wir unsere Teile nacheinander aufgenommen haben. Aber seine Stimme zu hören und damit auch mit “seinem” Sir Cat üben zu können, hat mir ganz viel Sicherheit gegeben und mich auch immer mit der besten Laune in meine Kapitel geschickt.

Hinter dem Humor erzählt «Catlady» auch von Selbstzweifeln, Verlustängsten und der Schwierigkeit, Grenzen zu setzen. War genau diese emotionale Ebene für Sie der eigentliche Kern der Geschichte?
Es ist eine große Stärke dieser Story, hinter all dem Humor die wichtigen und zum Teil auch existentiellen Themen der Figuren nicht außer Acht zu lassen. Das macht Laura und Sir Cat greifbar und echt – so echt ein sprechender Kater eben sein kann. Oft wird durch das Spiel mit Humor und Tragik auch die Fallhöhe größer und natürlich gibt das der Geschichte damit eine hohe emotionale Relevanz. Sie bleibt aber greifbar durch die Brücken, die die Komik baut. Ich liebe das an dieser Geschichte. Die für die Figuren wichtigen Themen sind unterschwellig immer da und wir nehmen sie auch ernst. Egal, wie abgedreht der Plot auch gerade sein mag.

Als Hörbuch lebt «Catlady» ausschließlich von Stimme und Fantasie. Was unterscheidet die Arbeit am Mikrofon für Sie vom klassischen Schauspiel vor der Kamera?
Ich glaube, man kann die beiden Arbeiten eigentlich gar nicht wirklich miteinander vergleichen. Natürlich erzählen beide Medien Geschichten und man muss die Story hier wie dort gut rüberbringen können, aber es ist eine völlig andere Herangehensweise. Beim Schauspiel habe ich so viele Aspekte, auf die ich mich verlassen, mit denen ich spielen kann – aber auf die ich auch achten muss. Beim Sprechen eines Hörbuches fällt beinahe alles davon weg und ich habe einzig und allein meine Stimme, um Bilder und Emotionalitäten in den Köpfen der Hörerinnen und Hörer zu erzeugen. Ich finde das unglaublich spannend und herausfordernd zugleich. Es hat sehr großen Spaß gemacht, mal wieder hinter dem Mikrofon zu sitzen.

Laura entwickelt sich auf ihrer Reise Schritt für Schritt weiter. Wie wichtig ist es für Sie, dass Figuren auch Schwächen zeigen und sich verändern dürfen?
Figuren, die keine Schwächen, Abgründe, oder “Fehler” haben, empfinde ich als nicht wahrhaftig und langweilig. Einer Figur keine Entwicklungsmöglichkeit zu geben, ist eine vertane Chance, etwas in den Menschen auszulösen, die ihre Geschichte hören oder lesen wollen. Ich finde, eine Story kann so abgedreht sein, wie sie mag. Wenn ich mich mit den Figuren an irgendeinem Punkt in der Realität verankern kann, werde ich jede verrückte Wendung glauben. Und am besten geht das eben, wenn die Gefühlswelt der Personen echt ist und dazu gehören nunmal auch die Schwächen eines Charakters.

Roadmovies erzählen oft von äußeren Reisen, die gleichzeitig innere Veränderungen auslösen. Warum funktioniert dieses Erzählmuster aus Ihrer Sicht immer wieder so gut?
Zum einen denke ich, dass es ein von uns allen schon mal erlebter Fakt ist, dass Reisen uns verändert. Roadmovies treiben das ganze auf die Spitze, weil auf relativ kleinem Raum nicht nur Situationen, sondern auch Gefühle komprimiert werden und wir fast schon wie in einem Kammerspiel dabei sind, wenn sich Konflikte zuspitzen. Es ist fast so, als würde man sich, gemeinsam mit den Figuren, in einer Art Beschleunigungs-Kammer befinden, in der plötzlich alles möglich ist. Erkenntnisse, für die eine Figur vielleicht ansonsten Jahre gebraucht hätte, prasseln auf einem Roadtrip ungebremst auf sie ein und am Ende der Reise steht meistens ja auch immer die große Klimax. Denn, auch wenn der Weg das Ziel ist, ist das Ziel bei einem Roadtrip ja trotzdem irgendwann erreicht. Mit der Antizipation zu spielen, macht immer Spaß.

Sie engagieren sich seit Jahren als Lesebotschafterin der Stiftung Lesen und haben bereits viele Geschichten gesprochen. Welche besondere Verantwortung empfinden Sie beim Erzählen eines Hörbuchs?
In Anbetracht der Tatsache, dass immer weniger Menschen Lesen und Kinder ihren Fokus mehr und mehr auf Bildschirme richten, finde ich es enorm wichtig, gegen diese Entwicklung anzukämpfen. Schon ein paar Minuten lesen mindert das Stresslevel ungemein und beim Hören eines Hörbuches fühlt man sich in eine Geschichte eingehüllt, wie durch kaum ein anderes Medium. Ich denke, Geschichten am Leben zu erhalten und sie in aller Echtheit zu erzählen, ist eine große Aufgabe für uns Kunstschaffende in dieser Zeit, vor allem mit Blick auf die wachsende KI.

Ihre Karriere reicht von historischen Stoffen wie der «Ku’damm»-Reihe bis zu Fantasy, Komödien und großen Kinoproduktionen. Was reizt Sie daran, immer wieder neue Genres auszuprobieren?
Ich wähle meine Projekte nicht danach aus, ob mir gerade das Genre in den Kram passt, sondern ob die Figur (und im Umkehrschluss natürlich auch die Geschichte) einen Mehrwert für mich und die Zuschauenden hat. Wenn dann zwei Mal hintereinander ein Drama kommt, dann freue ich mich über die Vielfalt innerhalb der Genres, aber natürlich mag ich es auch immer wieder mal was Neues auszuprobieren. Monatelang an einem schweren Thema zu arbeiten, ruft danach, dass hinterher mal etwas Leichteres gedreht wird. Aber grundsätzlich bin ich sehr dankbar, wie sich meine Karriere bis hierhin ihren eigenen Weg gesucht hat.

«Catlady» verbindet absurden Humor mit einer warmherzigen Geschichte über Selbstfindung. Glauben Sie, dass gerade diese Mischung das Publikum überraschen wird?
Ich denke schon, dass einige Wendungen in dieser Geschichte überraschend sind und man nicht direkt von Seite 1 an weiß, wohin die sprichwörtliche Reise geht. Trotz allem finde ich, spürt man die Warmherzigkeit von vornherein und dieser Anknüpfungspunkt wird den Hörenden immer wieder die Sicherheit geben, dass die Story uns am Ende genau das gibt, was wir uns von ihr gewünscht haben. Eine wahnwitzige innere Reise – mit einem sprechenden Kater und seiner Catlady.

Das hört sich spannend an. Danke!

Audible Original Hörbuch «Catlady» erscheint am 13. August bei Audible.
13.08.2026 12:22 Uhr Kurz-URL: qmde.de/174249
Fabian Riedner

super
schade


Artikel teilen


Tags

Catlady Ku’damm

◄   zurück zur Startseite   ◄
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Weitere Neuigkeiten


Qtalk-Forum » zur Desktop-Version

Impressum  |  Datenschutz und Nutzungshinweis  |  Cookie-Einstellungen  |  Newsletter