Seit ihrer Premiere haben sich «Die Finals» zu einem der größten Multisport-Events Deutschlands entwickelt. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky spricht über neue Sportarten, die organisatorischen Herausforderungen und erklärt, warum gerade das Zusammenspiel vieler Disziplinen den besonderen Reiz des Formats ausmacht.
Die Finals haben sich in wenigen Jahren zu einem festen Termin im deutschen Sportkalender entwickelt. Was macht den besonderen Reiz dieses Multisport-Formats aus?
Es ist einfach ein großartiges Konzept – an vier Tagen so viele Wettbewerbe in den verschiedensten Sportarten, verteilt über eine ganze Stadt. Das reißt jeden mit – die Sportlerinnen und Sportler, die ihre Sportarten vor einem großen Publikum vor Ort zeigen können, die Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort, die an spektakulären Örtlichkeiten herausragende sportliche Wettbewerbe erleben und die Menschen vor den Bildschirmen, die ein vielfältiges abwechslungsreiches und extrem spannendes TV-Erlebnis geboten bekommen.
Mit 27 Sportarten und zahlreichen Wettkampfstätten wird Hannover zur großen Sportbühne. Welche organisatorischen Herausforderungen bringt eine Veranstaltung dieser Größenordnung mit sich?
Natürlich ist es eine große Herausforderung für die Ausrichterstädte, die Finals zu veranstalten – genauso, wie für alle Verbände, alle Gewerke, die an der Organisation beteiligt sind, und nicht zuletzt auch die übertragenden Sender ARD und ZDF. Die entsprechenden Planungen und Absprachen bedürfen einer langen Vorlaufszeit und beginnen schon sehr frühzeitig.
Erstmals sind unter anderem Beachvolleyball, Gewichtheben, Ju-Jutsu, Rapid Surfing, Speed-Windsurfen und Segeln Teil der Finals. Nach welchen Kriterien werden neue Sportarten aufgenommen?
Das können sehr unterschiedliche Faktoren sein – gerne haben wir natürlich olympische Sportarten dabei, sind gleichzeitig aber auch bereit, junge, neue Formate oder Disziplinen mit aufzunehmen oder auch Sportarten, bei denen es spektakuläre Bilder gibt. Und wesentliche Voraussetzung ist natürlich immer, dass der Kalender passt.
Die Finals leben davon, auch weniger bekannte Disziplinen einem breiten Publikum vorzustellen. Welche Sportarten könnten 2026 besonders vom TV-Fokus profitieren?
Flag-Football vielleicht, BMX Flatland, Rapid Surfing oder auch die Rhythmische Sportgymnastik, die außerhalb von Olympia nicht so häufig im TV zu sehen ist.
Schwimmen kehrt nach mehreren Jahren zurück und findet diesmal direkt in der Gastgeberstadt statt. Welche Bedeutung hat diese Rückkehr für die Veranstaltung?
Es freut uns natürlich, dass Schwimmen als eine olympische Kernsportart wieder mit von der Partie ist, das rundet unser Angebot ab.
Die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften finden 2026 parallel in Bochum-Wattenscheid statt, während der Stabhochsprung Teil der Finals bleibt. Wie schwierig ist es, diese Aufteilung dem Publikum zu vermitteln?
Überhaupt nicht – dieses Konstrukt gab es in den vergangenen Jahren immer wieder und hat stets sehr gut funktioniert. Im TV-Programm und auch bei unseren Streaming-Angebote laufen die ganzen Veranstaltungen parallel und werden im Rahmen eines Gesamtangebots abgebildet, da macht es keinen Unterschied, dass die eine Veranstaltung in Hannover und die andere in Bochum stattfindet. Dass der Stabhochsprung nach Hannover ausgelagert wurde, ist aber eine großartige Geschichte, insbesondere für die Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort, denn diese Disziplin in der Stadt ist immer spektakulär.
Das Erste und das ZDF berichten abwechselnd von den Finals und den Leichtathletik-Meisterschaften. Ist eine solche Aufteilung noch zeitgemäß?
Auf jeden Fall – wir teilen uns wie bei vielen anderen Produktionen auch nicht nur die Verantwortung, sondern auch das Arbeitspensum und den hohen Aufwand, den ARD und ZDF für diese Veranstaltung betreiben. Deshalb ist es gut, hier alles im Wechsel umzusetzen. Darüber hinaus arbeitet ein großer Teil der Technikcrew für beide Sender. Außerdem nutzen wir unsere Synergien, indem die komplette Produktionsabwicklung gemeinsam im ARD SportHub in Köln erfolgt.
Viele Wettkämpfe finden an spektakulären Orten mitten in Hannover statt – etwa Stabhochsprung auf dem Opernplatz oder Beachvolleyball in der Innenstadt. Wie wichtig sind solche urbanen Kulissen für die TV-Wirkung?
Wettbewerbe vor besonderen Kulissen sorgen natürlich für spektakuläre Bilder mit einer großartigen Wirkung. Aber nicht immer ist es nur das spektakuläre Bild, das entscheidend ist, sondern es ist der Mix aus allen Wettbewerben, der diese Veranstaltung so besonders macht, egal in welchem Rahmen und vor welcher Kulisse sie stattfinden.
Die Finals werden oft als deutsches Gegenstück zu einem Mini-Olympia beschrieben. Sehen Sie darin die langfristige Zukunft nationaler Meisterschaften?
Das ist die Idee der Finals schon immer gewesen – nationale deutsche Meisterschaften an einem Ort und in einem engen Zeitraum zu veranstalten, um möglichst viele Wettbewerbe davon im TV und in den crossmedialen Angeboten abbilden zu können. Wie bei Olympia ist es auch bei den Finals auf dieser Art und Weise möglich, auch Sportarten in den Fokus zu rücken, die man alleinstehend eher selten übertragen könnte. Und ja, ich glaube, dass solche Kombinationen wichtig sind für die Zukunft, insbesondere für die kleineren Verbände, damit sie an Sichtbarkeit gewinnen. Das ist auch der Grund für die European Championships 2018 und 2022 gewesen, und das ist auch der Grund, warum wir gemeinsam mit dem ZDF im August in einer spannenden und abwechslungsreichen Sportwoche verschiedene Welt- und Europameisterschaften programmlich kombinieren und umfassend auf unseren Plattformen anbieten: mit dabei die Leichtathletik-EM, die Schwimm-EM, die Turn-EM, die Reit-WM und die WM in der Rhythmischen Sportgymnastik!
Wenn die Zuschauer nach vier Tagen Finals abschalten: Was sollen sie vor allem mitnehmen – die Leistungen der bekannten Stars oder die Entdeckung vieler Sportarten, die sonst kaum im Fernsehen stattfinden?
Die Entdeckung vieler großartiger Sportarten, spektakuläre und emotionale Bilder von der Veranstaltung, einen neuen und vielleicht anderen Eindruck von der Ausrichterstadt, die positive Stimmung, die vor Ort existiert und natürlich die Anerkennung für die sportlichen Leistungen, die man in den verschiedensten Sportarten erleben konnte.
Danke für Ihre Zeit!
Die Finals starten am Donnerstag, 23. Juli, um 13.00 Uhr im ZDF. Die ersten Begegnungen sind bereits ab 11 Uhr im Live-Stream.
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