Ein Blick auf mehrere Jahre Quoten zeigt: Die Unterschiede zwischen den Konfessionen sind überraschend klein, entscheidender ist vielmehr der Sender.
Seit Jahren übertragen Das Erste und das ZDF regelmäßig Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen. Ob Ostern, Pfingsten, Weihnachten oder gewöhnliche Sonntage, die Gottesdienstübertragungen gehören zu den konstantesten Programmbausteinen im deutschen Fernsehen. Während die Reichweiten bei den 14- bis 49-Jährigen regelmäßig überschaubar ausfallen, erreichen die Sendungen beim Gesamtpublikum durchaus respektable Marktanteile. Die spannende Frage lautet daher: Welche Konfession schneidet eigentlich am besten ab? Und welcher Sender hat die Nase vorn?
Die Auswertung von 320 Gottesdienstübertragungen zeigt zunächst ein deutliches Bild bei der Verteilung. Das ZDF ist mit 258 Übertragungen klar der Hauptanbieter, während Das Erste lediglich 62 Gottesdienste im Untersuchungszeitraum ausstrahlte. Den größten Anteil machen evangelische Gottesdienste aus. Insgesamt 156 Übertragungen entfallen auf diese Kategorie. Dahinter folgen 139 katholische Gottesdienste. Ökumenische Feiern kommen lediglich zwölfmal vor, orthodoxe Gottesdienste wurden sechsmal übertragen.
Bemerkenswert ist zunächst, wie dicht evangelische und katholische Gottesdienste beieinanderliegen. Evangelische Übertragungen erreichen durchschnittlich 0,691 Millionen Zuschauer sowie einen Marktanteil von 9,47 Prozent beim Gesamtpublikum. Katholische Gottesdienste liegen mit 0,665 Millionen Zuschauern und 9,19 Prozent Marktanteil nur minimal dahinter. Von einer klaren Dominanz einer Konfession kann also keine Rede sein.
Interessant wird der Blick auf die jüngeren Zuschauer. Hier bleiben beide Konfessionen naturgemäß auf niedrigem Niveau. Evangelische Gottesdienste kommen im Durchschnitt auf 30.700 Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren und 2,01 Prozent Marktanteil. Katholische Feiern erreichen 28.000 Zuschauer sowie 1,83 Prozent Marktanteil. Der Vorsprung der evangelischen Übertragungen ist vorhanden, fällt aber gering aus.
Etwas anders sieht die Situation bei den seltener gezeigten Formaten aus. Ökumenische Gottesdienste erzielen im Durchschnitt 0,554 Millionen Zuschauer sowie 7,6 Prozent Marktanteil. Bei den 14- bis 49-Jährigen schneiden sie mit 39.000 Zuschauern und 2,42 Prozent Marktanteil sogar etwas besser ab als die klassischen evangelischen und katholischen Gottesdienste. Aufgrund der geringen Fallzahl von lediglich zwölf Sendungen sollte dieses Ergebnis allerdings vorsichtig interpretiert werden. Orthodoxe Gottesdienste erreichen durchschnittlich 0,472 Millionen Zuschauer und 6,6 Prozent Marktanteil. Auch hier bleibt das Interesse der jüngeren Zuschauer mit rund 30.000 Personen und 1,83 Prozent Marktanteil überschaubar. Die wenigen Ausstrahlungen lassen ebenfalls keine belastbaren Rückschlüsse auf langfristige Entwicklungen zu.
Viel deutlicher als die Unterschiede zwischen den Konfessionen fällt der Vergleich der beiden Sender aus. Hier setzt sich das ZDF klar vom Ersten ab. Im Durchschnitt erzielen die Gottesdienste im Zweiten 0,712 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 9,71 Prozent. Das Erste kommt dagegen lediglich auf 0,463 Millionen Zuschauer und 6,80 Prozent Marktanteil. Dieses Bild zeigt sich unabhängig von der Konfession. Evangelische Gottesdienste erreichen im ZDF durchschnittlich 741.000 Zuschauer und 10,08 Prozent Marktanteil, während dieselben Übertragungen im Ersten lediglich auf 472.000 Zuschauer und 6,79 Prozent kommen. Auch katholische Gottesdienste liegen im ZDF mit durchschnittlich 700.000 Zuschauern und 9,51 Prozent Marktanteil deutlich über den Werten des Ersten, das hier 459.000 Zuschauer sowie 7,23 Prozent Marktanteil erzielt.
Ein interessanter Nebeneffekt zeigt sich allerdings bei den jüngeren Zuschauern. Obwohl Das Erste insgesamt deutlich weniger Menschen erreicht, fällt der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen höher aus als im ZDF. Im Durchschnitt kommen die Gottesdienste im Ersten auf 35.000 Zuschauer und 2,44 Prozent Marktanteil. Das ZDF erreicht zwar ebenfalls knapp 29.000 Zuschauer, bleibt jedoch bei 1,84 Prozent Marktanteil hängen. Offenbar profitiert Das Erste von «Die Sendung mit der Maus», die oft im Vorprogramm läuft.
Die Spitzenwerte stammen dennoch fast ausschließlich aus dem ZDF. Der erfolgreichste katholische Gottesdienst erreichte am 19. Dezember 2021 rund 1,10 Millionen Zuschauer. Der stärkste evangelische Gottesdienst lockte eine Woche zuvor, am 12. Dezember 2021, 1,03 Millionen Menschen vor den Fernseher. Auch die erfolgreichsten ökumenischen und orthodoxen Gottesdienste liefen jeweils im ZDF. Dass die Gottesdienste trotz ihrer vergleichsweise kleinen Reichweiten weiterhin ihren festen Platz im Programm besitzen, überrascht letztlich nicht. Die schwachen Ergebnisse bei den 14- bis 49-Jährigen ändern daran wenig. Religiöse Fernsehangebote richten sich traditionell an ein älteres Publikum, während jüngere Menschen Gottesdienste – sofern überhaupt – eher über digitale Angebote oder gar nicht verfolgen. Insofern spiegeln die Quoten eher gesellschaftliche Entwicklungen wider als die Qualität der jeweiligen Übertragungen.
Am Ende fällt das Fazit eindeutig aus. Wer den erfolgreichsten Gottesdienstsender sucht, landet klar beim ZDF. Das Zweite erzielt sowohl bei evangelischen als auch bei katholischen Übertragungen regelmäßig höhere Reichweiten und Marktanteile als Das Erste. Zwischen den beiden großen christlichen Konfessionen gibt es dagegen kaum Unterschiede. Evangelische Gottesdienste liegen zwar in nahezu allen Kennzahlen leicht vorn, der Abstand zu den katholischen Feiern ist jedoch so gering, dass beide Formate im deutschen Fernsehprogramm praktisch auf Augenhöhe agieren. Entscheidend für den Erfolg ist damit weniger die Konfession als vielmehr der Sendeplatz – und hier besitzt das ZDF seit Jahren die stärkeren Karten.
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