Dennis Quaid wollte Ronald Reagan ein filmisches Denkmal setzen. Heraus kam eine Biografie, die Kritiker als propagandistischen Personenkult zerrissen und dennoch ihr Publikum fand.
Politische Filmbiografien gehören zu den schwierigsten Genres überhaupt. Sie müssen historische Ereignisse verdichten, ihrem Protagonisten gerecht werden und gleichzeitig unterhalten.
«Reagan» aus dem Jahr 2024 scheitert nach Ansicht vieler Kritiker an genau dieser Aufgabe. Statt die komplexe Persönlichkeit des 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten zu beleuchten, zeichnet Regisseur Sean McNamara das Bild eines nahezu fehlerlosen Helden, der den Kalten Krieg praktisch im Alleingang beendet habe. Das Ergebnis war ein Film, der bei Rotten Tomatoes lediglich auf 18 Prozent positive Kritiken und bei Metacritic auf 22 von 100 Punkten kam. Dennoch spielte die 25-Millionen-Dollar-Produktion weltweit rund 30 Millionen Dollar ein und entwickelte sich besonders beim konservativen Publikum in den USA zu einem Achtungserfolg.
Die Geschichte wird aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählt. Ein ehemaliger KGB-Agent blickt auf Ronald Reagans Leben zurück und erklärt einem jungen russischen Politiker, weshalb die Sowjetunion letztlich scheiterte. Von der Kindheit in Illinois über die Karriere als Hollywood-Schauspieler und Präsident der Schauspielergewerkschaft bis hin zum Gouverneur von Kalifornien und schließlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten arbeitet der Film nahezu jede bekannte Station seiner Biografie ab. Die Ermordungsversuche, der Kalte Krieg, Michail Gorbatschow, die berühmte Rede am Brandenburger Tor und schließlich der Fall der Berliner Mauer bilden den dramatischen Höhepunkt. Problematisch ist allerdings, dass fast sämtliche Konflikte ausschließlich dazu dienen, Reagan noch größer erscheinen zu lassen. Politische Kontroversen wie die AIDS-Krise, Iran-Contra oder die gesellschaftliche Spaltung werden entweder stark vereinfacht oder schnell abgehandelt.
Im Mittelpunkt steht Dennis Quaid, der sich über Jahre auf die Rolle vorbereitete. Der Schauspieler gehörte seit den 1980er-Jahren zu den bekanntesten Gesichtern Hollywoods und überzeugte in Filmen wie «The Right Stuff», «The Rookie» oder «Frequency». In «Reagan» gelingt es ihm durchaus, Gestik, Mimik und Stimme des Präsidenten überzeugend nachzuahmen. Selbst viele Kritiker, die den Film ablehnten, bescheinigten Quaid eine engagierte Leistung. Dennoch konnte auch er nicht verhindern, dass seine Darstellung bei den Goldenen Himbeeren als schlechtester Hauptdarsteller nominiert wurde – weniger wegen seines Spiels als wegen des schwachen Drehbuchs.
Auch hinter der Kamera versammelten sich einige bekannte Namen. Regisseur Sean McNamara machte sich zuvor vor allem mit familienfreundlichen Produktionen wie «Soul Surfer», «The Miracle Season» oder zahlreichen Kinderfilmen einen Namen. Ein politisch aufgeladenes Historienepos gehörte bislang nicht zu seinem Repertoire. Produzent Mark Joseph arbeitete bereits seit 2010 an dem Projekt. Die Finanzierung erwies sich als schwierig, zahlreiche Investoren sprangen wieder ab. Erst mithilfe unabhängiger Geldgeber konnte der Film schließlich realisiert werden. Gedreht wurde bereits 2020 in Oklahoma, die Veröffentlichung verzögerte sich jedoch mehrfach.
Bemerkenswert ist außerdem die Besetzung der Nebenrollen. Penelope Ann Miller verkörpert Nancy Reagan mit großer Wärme und gewann später sogar einen Family Film & TV Award. Jon Voight spielt einen ehemaligen KGB-Agenten, der den Film erzählerisch zusammenhält. Ausgerechnet Voight erhielt jedoch die Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller. Der Oscarpreisträger gehört seit Jahren zu den prominentesten konservativen Schauspielern Hollywoods und unterstützt öffentlich Donald Trump. Auch Kevin Dillon, Mena Suvari, David Henrie, Lesley-Anne Down und Musiker Scott Stapp als Frank Sinatra übernehmen kleinere Rollen.
Schon vor der Premiere geriet die Produktion in politische Diskussionen. Facebook blockierte zeitweise Werbeanzeigen zum Film, weil der Algorithmus sie fälschlicherweise als politische Wahlwerbung einstufte. Gleichzeitig fiel der Kinostart mitten in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2024. Kritiker warfen den Machern deshalb vor, weniger einen historischen Film als vielmehr eine politische Botschaft veröffentlichen zu wollen.
Inhaltlich entzündete sich die Kritik vor allem an der beinahe vollständigen Ausblendung problematischer Aspekte der Reagan-Präsidentschaft. Stattdessen stilisiert der Film seinen Protagonisten zum moralisch unangreifbaren Staatsmann. Zahlreiche Rezensenten bezeichneten «Reagan» deshalb als Hagiografie – also als eine Heiligenvita –, die historische Zusammenhänge stark vereinfache. Die „Washington Post“ sprach von einer romantisierten Verklärung, die „New York Times“ von einem unverhohlenen Liebesbrief an den ehemaligen Präsidenten. „Variety“ setzte den Film sogar auf Platz drei der schlechtesten Filme des Jahres 2024 und verglich ihn mit einem Werbefilm für einen Personenkult.
Interessant ist allerdings die enorme Diskrepanz zwischen Kritikern und Publikum. Während die Presse den Film nahezu geschlossen ablehnte, vergaben Zuschauer bei Rotten Tomatoes außergewöhnliche 98 Prozent Zustimmung. Auch CinemaScore ermittelte die Bestnote A. Selten lagen professionelle Kritiker und Kinobesucher derart weit auseinander. Das dürfte vor allem daran liegen, dass sich der Film sehr gezielt an ein konservatives Publikum richtet, das weniger eine differenzierte historische Analyse als vielmehr eine würdigende Darstellung Ronald Reagans sehen wollte.
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