‚Für Fans vor Ort wird diese WM eine wahnsinnige Herausforderung‘

Esther Sedlaczek spricht im Interview über die besondere Dimension der WM 2026, die fehlende Vorfreude in Teilen der USA, die Belastung für Fans und Teams sowie die Geschichten, die das Turnier über den Fußball hinaus erzählen wird.

Frau Sedlaczek, «WM-Wahnsinn und Titel-Träume» begleitet eine außergewöhnliche Weltmeisterschaft – was hat Sie an diesem Projekt sofort gereizt?
Eine WM an sich ist immer schon reizvoll. Wochen und Monate davor einen tiefen Einblick in die Gastgeberländer zu erlangen und diesen zu dokumentieren, fand ich von der ersten Minute an spannend, als wir über die Dokumentation sprachen.

Sie reisen durch drei Gastgeberländer und erleben die WM aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Was war für Sie der überraschendste Moment dieser Reportagereise?
Auch wenn ich selbst nicht in allen Gastgeberländern persönlich vor Ort war: Es war zu spüren, dass zumindest in den USA, die WM einige Monate zuvor eigentlich gar keine wirkliche Rolle gespielt hat. Egal ob im Hotel oder im Taxi – viele haben uns verwundert angeschaut, als wir von unserer Dokumentation und der WM im Sommer gesprochen haben. Sicherlich ist dies jetzt, wenige Tage vor Start der WM anders, aber ich habe mehr Vorfreude erwartet.

Die WM 2026 gilt als Turnier der Extreme – größer, kommerzieller, globaler. Ist das für Sie noch Fußballromantik oder schon ein anderes Produkt?
Wahrscheinlich irgendetwas dazwischen. Gerade in den USA wird Sport ja als klares Geschäft gesehen und die Show rundum größerer Sportereignisse ist fast größer als das eigentliche Spiel. Nichtsdestotrotz bleibt immer ein Stück Fußballromantik und auch dieses Turnier wird mit all seinen Teilnehmern hoffentlich wieder für tolle Erinnerungen sorgen.

Sie sind sehr nah an der deutschen Nationalmannschaft. Wie unterscheiden sich diese Einblicke von der klassischen Studio- oder Live-Berichterstattung?
Dies ist eigentlich nicht zu vergleichen. Die Atmosphäre ist eine andere. Man kann – meist mit weniger Zeitdruck – deutlich ausführlichere Interviews führen und ist nicht auf wenige Minuten und Fragen vor oder nach dem Spiel beschränkt. Was auch einer der Punkte ist, wieso mir die Dreharbeiten für die Dokumentation so viel Spaß bereitet haben.

Mit Thomas Hitzlsperger haben Sie einen ehemaligen Nationalspieler an Ihrer Seite. Wie ergänzt sich diese Kombination aus Journalismus und Insiderblick?
Wir standen leider nicht gemeinsam vor der Kamera, sondern haben, auch aufgrund der enormen Distanzen unterschiedliche Bereiche abgedeckt. Trotzdem haben wir uns gut ergänzt, gerade da Thomas als ehemaliger Nationalspieler, der viel in seiner Karriere erlebt hat, einen ganz eigenen Blick auf viele Themen werfen konnte.

Sie treffen in der Doku nicht nur Spieler, sondern auch Fans, Funktionäre und Experten. Wie wichtig war es Ihnen, ein möglichst vielschichtiges Bild dieser WM zu zeichnen?
Nur so kann meines Erachtens eine derartige Dokumentation entstehen. Diese Weltmeisterschaft wird von vielen Parteien und Akteuren geprägt. Uns war es wichtig die unterschiedlichen Sichtweiten einzubinden und zu Wort kommen zu lassen.

Kritiker bemängeln die Größe des Turniers und die Belastung für Spieler. Wie präsent waren diese Themen auch in Ihren Gesprächen vor Ort?
Das Thema ist natürlich omnipräsent – auch bei uns in Sachen Reiseplanung und -Koordination. Für Fans vor Ort wird es wahnsinnig schwierig. Gerade, wenn man mehrere Spiele seines Landes verfolgen möchte. Für die Teams ist es eine absolute Herausforderung und wahrscheinlich im Fußball nie da gewesene Belastung in kurzer Zeit.

Die politischen Rahmenbedingungen – etwa rund um FIFA und Gastgeberländer – spielen ebenfalls eine Rolle. Wie geht man journalistisch damit um, ohne den Sport aus dem Blick zu verlieren?
Natürlich kann man die aktuelle Lage in der Welt nicht ignorieren und außer Acht lassen. Trotzdem ist eine Fußball-Weltmeisterschaft ein sportliches Ereignis. Da darf man als Fußballfan auch mal das Drumherum für eine gewisse Zeit vergessen. Für uns Journalisten ist es wiederum ein schmaler Grat. Auf der einen Seite ist es unsere Aufgabe, gewisse Themen nicht auszublenden, auch wenn der eigentliche Grund unserer Berichterstattung der Sport ist.

Sie sprechen auch mit Fans aus kleineren Nationen wie Curaçao. Verändert dieser Blick die Wahrnehmung auf das Turnier?
Viele Nationen sind ja sehr routiniert in Sachen „WM-Teilnahme“ und gefühlt immer dabei. Es ist daher toll mitzuerleben, wie diese Begeisterung in Ländern zu spüren ist, die das erste Mal dabei sind.

Wenn Sie das DFB-Team begleiten: Welche Stimmung nehmen Sie innerhalb der Mannschaft wahr – eher Druck oder Aufbruch?
Druck hat eine deutsche Nationalmannschaft wahrscheinlich immer, so dass dieser vermutlich immer zu spüren ist. Ich glaube und hoffe aber, dass sich rund um das Team die besagte Aufbruchstimmung bildet. Das man wieder bei einer Weltmeisterschaft an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen kann.

Sie moderieren neben großen Sportevents auch Unterhaltungsshows wie «Frag doch mal die Maus». Wie leicht fällt Ihnen der Wechsel zwischen diesen sehr unterschiedlichen Formaten?
Die Sendungen sind überhaupt nicht zu vergleichen. Im Sport fühle ich mich seit vielen Jahren sehr zu Hause, vieles habe ich miterlebt. Unterhaltungssendungen wie «Die große Maus-Show», die dieses Jahr im September und Dezember wieder laufen wird, machen mir aber großen Spaß. Daher fällt mir der Wechsel grundsätzlich leicht.

Bei «Frag doch mal die Maus» geht es darum, komplexe Themen verständlich zu erklären. Hilft Ihnen diese Erfahrung auch bei Sportgroßereignissen wie einer WM?
Glücklicherweise muss ich in der Maus-Show die komplexen Themen nicht selbst erklären, sondern habe tolle Maus-Experten wie Siham El-Maimouni und Ralph Caspers an meiner Seite. Vielleicht wird mir die Leichtigkeit und die kindliche Neugier, um die es bei der Maus-Show geht, aber helfen.

Mit «Quizduell-Olymp» stehen Sie regelmäßig für klassische Unterhaltung. Was reizt Sie an diesem Format im Vergleich zur Live-Sportberichterstattung?
«Quizduell-Olymp» ist eine wunderbare Sendung, die den Zuschauer zu Hause vor dem Fernseher zum Mitraten einlädt und in dem Fall, wie sie sagen, klassische Unterhaltung bietet. Es macht mir unglaublich Spaß durch die Sendung zu führen – mit den promintenten Kandidaten und unserem wunderbar sympathischen Olymp.

Wenn Sie auf diese Mega-WM blicken: Was soll beim Publikum am Ende hängen bleiben – der sportliche Wettbewerb oder die vielen Geschichten drumherum?
Ich finde beides wird der Fall sein. So wie es auch bei vergangene Großereignissen der Fall war. Es wird immer wahnsinnig viele, teilweise skurrile oder traurige, aber auch wunderschöne und lustige Geschichten drumherum geben. Und diese liefert der sportliche Wettbewerb.

Danke für Ihre Zeit!
12.06.2026 12:28 Uhr Kurz-URL: qmde.de/172482
Fabian Riedner

super
schade


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WM-Wahnsinn und Titel-Träume Frag doch mal die Maus Die große Maus-Show Quizduell-Olymp

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