Wie man 50 Cent, Bruce Willis und Ryan Phillippe in 85 Minuten verschwendet.
Es gibt schlechte Filme. Es gibt sehr schlechte Filme. Und dann gibt es jene Produktionen, bei denen man sich nach wenigen Minuten fragt, ob überhaupt irgendjemand am Set jemals das fertige Drehbuch gelesen hat.
«Setup» aus dem Jahr 2011 gehört genau in diese Kategorie. Mit einer IMDb-Wertung von 4,4 von 10 Punkten und einem Platz in den hinteren Regionen der IMDb-Nutzerbewertungen hat sich der Action-Thriller einen Ruf als Musterbeispiel für die Direct-to-Video-Welle der frühen 2010er Jahre erarbeitet.
Dabei sieht die Besetzung auf dem Papier erstaunlich respektabel aus. Rapper und Unternehmer 50 Cent übernimmt die Hauptrolle, unterstützt von Ryan Phillippe und vor allem Bruce Willis. Für viele Zuschauer dürfte allein dieser Name der Grund gewesen sein, überhaupt auf „Play“ zu drücken. Doch genau hier beginnt das Problem.
Die Handlung dreht sich um drei Freunde, die einen Diamantenraub durchführen. Einer verrät die anderen, es folgen Verrat, Rache, Gangster und Schießereien. Das klingt nach einem klassischen B-Movie-Stoff, der mit ausreichend Tempo und Charisma funktionieren könnte. Stattdessen wirkt «Setup» wie eine Ansammlung zusammenhangloser Szenen, die lediglich durch Dialoge verbunden werden, die häufig wie Entwürfe einer ersten Drehbuchfassung klingen.
Besonders auffällig ist die Rolle von Bruce Willis. In der Vermarktung wurde sein Name prominent platziert, tatsächlich taucht er jedoch nur sporadisch auf. Wer in den 2010er Jahren regelmäßig Actionfilme konsumierte, kennt dieses Muster. Willis begann damals, gegen hohe Gagen in zahlreichen Low-Budget-Produktionen mitzuwirken. Oft reichten wenige Drehtage aus, um seinen Namen auf das Filmplakat zu setzen. Für die Produzenten war das ein lukratives Geschäftsmodell, für die Zuschauer meist eine Enttäuschung.
Heute betrachtet man diese Phase seiner Karriere etwas anders. 2022 wurde bekannt, dass Willis an einer Form von Demenz leidet. Viele Kritiker und Branchenbeobachter sehen rückblickend zahlreiche seiner späten Filme in einem anderen Licht. Trotzdem bleibt festzuhalten: Auch unabhängig davon gehört «Setup» zu den schwächeren Produktionen dieser Ära.
Regisseur Mike Gunther war zuvor vor allem als Stuntkoordinator tätig. Das merkt man dem Film an. Die Actionsequenzen sind durchaus kompetent inszeniert, doch alles dazwischen fällt auseinander. Charakterentwicklung findet praktisch nicht statt. Figuren erscheinen und verschwinden wieder. Motivationen ändern sich von Szene zu Szene. Besonders die philosophischen Dialoge über Schicksal, Moral und freien Willen wirken, als hätten sie sich versehentlich in einen billigen Gangsterfilm verirrt.
Auch 50 Cent befand sich damals an einem Wendepunkt seiner Karriere. Nachdem er Mitte der 2000er Jahre zu den größten Rapstars der Welt gehört hatte, versuchte er verstärkt, sich als Schauspieler und Produzent zu etablieren. Seine Firma Cheetah Vision war an «Setup» beteiligt. Das Problem: Charisma als Musiker bedeutet nicht automatisch Charisma als Hauptdarsteller. Während er in Nebenrollen durchaus funktionieren kann, trägt er hier einen gesamten Film auf seinen Schultern – und das gelingt nur bedingt. Interessanterweise entwickelte sich 50 Cent später deutlich erfolgreicher hinter der Kamera. Als Produzent der Serie «Power» und ihrer zahlreichen Ableger bewies er wesentlich mehr Gespür für Stoffe und Publikum als mit vielen seiner Kinoprojekte.
Ryan Phillippe wiederum war einst einer der großen Hoffnungsträger Hollywoods. Nach Filmen wie «Cruel Intentions» oder «Crash» schien eine große Karriere möglich. Doch in den 2010er Jahren fand er sich zunehmend in mittelgroßen Thrillern und Fernsehproduktionen wieder. «Setup» markiert ziemlich genau den Punkt, an dem seine Kinokarriere deutlich an Schwung verlor.
Der wirtschaftliche Erfolg blieb ebenfalls aus. Weltweit spielte der Film gerade einmal rund zwei Millionen Dollar ein. Da er ohnehin hauptsächlich für den Heimvideomarkt produziert wurde, hielt sich der Schaden zwar in Grenzen, von einem Erfolg konnte aber keine Rede sein. Das eigentlich Bemerkenswerte an «Setup» ist jedoch, wie exemplarisch der Film für eine ganze Ära steht. In den Jahren nach der Finanzkrise entstanden unzählige Direct-to-DVD-Actionfilme mit bekannten Namen, aber minimalem kreativen Ehrgeiz. Ein ehemaliger Actionstar, ein Rapper oder Wrestler, ein paar Schießereien und ein verworrenes Gangsterkomplott genügten oft, um internationale Vertriebsdeals abzuschließen.
Heute würde ein Film wie «Setup» vermutlich kaum noch Aufmerksamkeit erhalten. Streamingdienste veröffentlichen jede Woche Dutzende ähnliche Produktionen, die nach wenigen Tagen wieder in den Tiefen der Algorithmen verschwinden. Selbst als belanglose Abendunterhaltung bietet «Setup» wenig, das im Gedächtnis bleibt.
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