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KI statt Kalauer: «The Comeback» verliert seinen Humor
Lisa Kudrow kehrt mit der dritten Staffel von «The Comeback» zurück und erzählt eine bissige Geschichte über künstliche Intelligenz, seelenlose Sitcoms und den kreativen Ausverkauf Hollywoods. Doch zwischen Branchenkritik und Mockumentary verliert die HBO-Serie ausgerechnet das, was sie einst ausgezeichnet hat: ihren Witz.
Michael Patrick King und Lisa Kudrow schreiben und inszenieren seit zwei Jahrzehnten die Serie «The Comeback», die beim amerikanischen Pay-TV-Sender HBO ausgestrahlt wurde. Der frühere Executive Producer von «Sex and the City», der zuletzt auch die besprochene Fortsetzung «And Just Like That…» schrieb, hat sich nach dem Ende der Serie eine neue Herausforderung gesucht. Entstanden sind acht Folgen der Lisa-Kudrow-Serie mit einem zweifelhaften Ergebnis.
Bereits vor 21 Jahren bestand der Plot aus einem ähnlichen Inhalt: Die Sitcom-Veteranin Valerie Cherish möchte ihre Karriere wiederbeleben und bekommt eine Sitcom angeboten. Allerdings gibt es einen Haken: Sie muss dafür eine Reality-Show namens „Room and Bored“ drehen. Vor zwei Jahrzehnten war die Ankündigung durchaus neu, dass auch Prominente rund um die Uhr von einem Kamerateam begleitet wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt ließ MTV sein «Jersey Shore» produzieren, das allerdings mit Normalos startete.
Immerhin versuchten King und Kudrow mit der zweiten Staffel, einen anderen Bogen zu spannen: Valeries Shows sind abgesetzt, jetzt soll Paulie G. eine HBO-Serie über Valerie schreiben. Auf Anraten von HBO übernimmt Valerie ihre Rolle in der fiktionalisierten Serie, gleichzeitig engagiert sie ein USC-Team an Studenten, die eine neue Reality-Show drehen sollen. Die Staffel endet mit einem Höhepunkt, denn Valerie gewinnt schließlich einen Emmy als beste Nebendarstellerin in einer Sitcom.
Im Jahr 2026 ging The Comeback das dritte Mal auf Sendung. Dieses Mal bekam Valerie eine neue Multi-Camera-Serie von einem fiktiven Network angeboten. Der Haken: Die Serie wird von zwei Personen verantwortet, die das gesamte Skript mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz schreiben. Zunächst zweifelt die arbeitslose Schauspielerin noch, aber schließlich stimmt sie der Produktion zu. Die wenigen Auftritte, die Andrew Scott als Network-Chef hat, sind zwar kurz, aber wirklich hervorragend.
Mary Abrams (Abbi Jacobson) und Josh Abrams (John Early) fungieren knapp die Hälfte der Staffel als KI-Autoren, die sich auf dem Gelände von Warner Bros. in Burbank einnisten und von der Sitcom leben möchten, gleichzeitig diese Arbeit sehr verachten und nebenbei noch an anderen Projekten arbeiten. Immer an Valeries Seite ist Patience (Ella Stiller) als Social-Media-Managerin, die im Grunde zur Serie nichts beiträgt. Spätestens als Jane Benson (Laura Silverman) zurückkehrt, sind die Storys von Patience auserzählt, da Jane selbst eine Dokumentation (oder eine Reality) von der Produktion von „Who’s That?!“ produzieren möchte.
Die dritte Staffel von «The Comeback» zeigt Valerie, wie sie die Produktion einer Sitcom selbst organisiert. Das ist für Laien sehr schön anzusehen, jedoch sollte man dieses Produkt auch nicht in der dritten Auflage einer Serie als Aushängeschild machen. Ihre Co-Stars Frank Flynn (Tim Bagley), P.D.P. (ebenfalls Tim Bagley), Dean (Zane Phillips), Gabrielle (Brittany O’Grady) und Walter (Barry Shabaka Henley) sind glanzlos. Einen besseren Eindruck hinterlassen der Autoren-Assistent Marco (Tony Macht) und KI-Techniker Evan (Julian Murray Stern).
Die zwei Männer an Valeries Seite sind extrem nervig: Das ist der völlig abgehobene Agent Billy (Dan Bucatinsky), der sich ohne jegliches Zutun an „Who’s That?!“ als Executive Producer beteiligt. Zum Ende der Staffel dreht er völlig durch und möchte seine Karriere als Zuschauer in internationalen Modeschauen in der zweiten Reihe bestreiten. Hinzu kommt Mark Berman (Damian Young), Valeries Ehemann, der in einer Midlife-Crisis steckt. Nachdem er bei seinem bisherigen Partner gegangen wurde, wurde er von Valerie in eine Reality-Show gesteckt. Doch anstatt dankbar zu sein, möchte er weiterhin auf Valeries Kosten leben.
Der fiktive Fernsehsender versucht, die Produktion einer KI-Sitcom zunächst geheim zu halten. Sowohl für die Schauspieler am Set als auch für die anderen Autoren in der Branche ist das das Worst-Case-Szenario, denn damit könnten die Studios sämtliche kreative Macht auf Knopfdruck an sich reißen. Gleichzeitig zeigt eben die künstliche Intelligenz, dass sie weiterhin fehleranfällig ist und selbst manche Pointen nicht zu Ende denkt.
Das Finale der Serie ist wirklich enttäuschend, denn „Who’s That?!“ bekommt eine zweite Staffel. Studioboss Brandon teilt Valerie mit, dass dies eine der durchschnittlichen Serien des Senders werde. Dafür reiche eine KI aus, weitere Serien werde man mit Autoren drehen. Aber die Serie sei eben seicht genug, was für Valerie natürlich ein Schlag in die Magengrube ist. Jedoch kann sie mit Hilfe eines Partners eine neue Sitcom-Hauptrolle übernehmen. Gleichzeitig bleibt Valerie in der seelenlosen Ehe gefangen. Das klingt alles nicht nach einer Comedy-Serie, bei der man brüllend auf dem Sofa sitzt. «The Comeback» konzentriert sich auf eine KI-Geschichte, Witze zu reißen oder komische Situationen zu erzählen, stand nicht im Vordergrund. Das ist sehr schade, denn andere Genre-Vertreter wie The Studio haben beides unter einen Hut gebracht. Die neue Staffel der Lisa-Kudrow-Serie ist eigentlich anstrengend und weniger lustig, auch wenn sie als Mockumentary à la «The Office» funktionieren sollte.
«The Comeback» ist vollständig bei HBO Max abrufbar.
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