Lea van Acken spricht im Interview über ihre Rolle als Botschafterin des Deutschen Filmpreises, die Bedeutung der Lola für die Branche und die Herausforderungen, das Publikum wieder stärker für deutsche Filme zu begeistern. Dabei erklärt sie, warum Glamour und gesellschaftliche Relevanz kein Widerspruch sind – und weshalb der deutsche Film mehr Selbstbewusstsein braucht.
Frau van Acken, Sie sind in diesem Jahr Botschafterin des Deutschen Filmpreises – was bedeutet Ihnen diese Rolle persönlich?
Lucas Reiber, Maria Ehrich und ich sind bereits seit 2020 Botschafter:innen des Deutschen Filmpreises. Begonnen haben wir sehr mit dem Fokus der Nachhaltigkeit, mittlerweile hat es sich auch zusätzlich noch zur Botschafter:innen Tätigkeit für den deutschen Film im Rahmen der Lola entwickelt.
Der Deutsche Filmpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Branche hierzulande. Wie nehmen Sie seine Bedeutung innerhalb der deutschen Filmkultur wahr?
Die Lola nimmt eine große Anerkennung und Bedeutung innerhalb der deutschen Filmkultur ein. Das zeigt sich auch daran, dass die Anzahl der Einreichungen konstant hoch bleibt. Man sieht also sehr deutlich, dass der Deutsche Filmpreis nach wie vor eine große Relevanz besitzt.
Die Branche selbst schaut selbst auch genau hin: Welche Filmschaffenden stehen gerade auf der Bühne, wer ist nominiert, wer bekommt am Ende eine Lola? Dieses gemeinsame Hinschauen verbindet sehr. Und das Glück der Gewinner*innen in den Augen zu sehen, ist jedes Mal unglaublich schön und etwas sehr Besonderes.
Sie sind Teil der Deutschen Filmakademie – wie erleben Sie die Arbeit dort hinter den Kulissen?
Die Filmakademie bietet vieles an, um die Filmschaffenden zu vernetzen, zu unterstützen und den deutschen Film lebendig zu machen. Ich bin wahnsinnig gerne Mitglied der Filmakademie und schätze ihre Arbeit sehr.
Welche Themen werden innerhalb der Akademie aktuell besonders intensiv diskutiert – eher künstlerische Fragen oder strukturelle Herausforderungen der Branche?
Ich würde sagen beides! Manchmal überwiegt die Notwendigkeit die Strukturen und aktuelle Herausforderungen zu besprechen und vielleicht für manches Lösungen zu finden. Und gleichzeitig wird die Kunst an sich, die Relevanz von Filmen und Geschichten und welche gerade unbedingt gebraucht werden, nie aus den Augen verloren.
Der Deutsche Filmpreis kämpft seit Jahren mit eher schwachen TV-Quoten. Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass das breite Publikum schwer zu erreichen ist? Brauchen wir – ähnlich wie in den Vereinigten Staaten von Amerika – eine Live-Berichterstattung inklusive Red-Carpet-Show?
Das ist eine sehr gute Frage. Der deutsche Film hatte in den letzten Jahren ein schlechtes Image. In diesem Jahr hat es sich aber in meinen Augen verändert. Im Rennen um die Lola sind publikumsstarke Filme wie «Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» oder auch «Amrum». Beide Filme haben viele Menschen ins Kino gelockt. Darüber hinaus bietet auch der Deutsche Filmpreis so viel: eine starke Show, tolle Nominierte, einen immer aufregenden roten Teppich. Die Verleihung selbst ist ja über den Livestream zu sehen. In diesem Jahr ab 19 Uhr in der ARD Mediathek. Und auch auf dem Instagram-Kanal bietet der Filmpreis nahezu ein Liveerlebnis vom Roten Teppich. Vielleicht gelingt es uns aber im Vorfeld diese Message, dass das alles sehr sehenswert ist, noch weiter in die Welt hinaus zu tragen.
Muss sich die Gala stärker verändern, um wieder mehr Menschen vor die Bildschirme zu holen – und wenn ja, wie?
Man darf nicht vergessen, dass auch der Filmpreis heute mit einer Vielzahl anderer Medien und Formate um Aufmerksamkeit konkurriert. Darüber hinaus ist sie für mich gerade auch deshalb so sehenswert, weil sie für gesellschaftsrelevante Themen steht und diese auch benennt. Filmschaffen und Kultur bedeuten immer auch, sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Das sollte eine Filmpreisverleihung nicht ausklammern, sondern bewusst benennen. Mir persönlich bedeutet es sehr viel, dass der Deutsche Filmpreis eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt und trotz aller Herausforderungen an dem Bekenntnis festhält, dieses auch umzusetzen. Es ist ein Live-Event, das sich nicht ausschließlich selbst feiert, sondern gleichzeitig alles tut, um so nachhaltig und ressourcenschonend wie möglich zu sein. Und das ist nur ein Beispiel von sehr vielen Themen, mit denen sich das Team des Deutschen Filmpreises beschäftigt und dies in eine unterhaltsame Show verpackt.
Im Vergleich zu internationalen Preisverleihungen wie den Oscars wirkt der Deutsche Filmpreis oft zurückhaltender. Fehlt es an Glamour?
Die Gala bringt alles mit, was eine gute Show in meinen Augen braucht. Sie hat Glamour und die richtige Portion Star-Feeling. Wir müssen gemeinschaftlich am Image des deutschen Films arbeiten und dafür sorgen das Vorurteil abzubauen, dass Deutschland und deutsche Stars nicht glamourös sein können. Zum Glück hat sich das aber in den letzten Jahren bereits deutlich gewandelt.
Was könnte man konkret tun, um mehr „Oscar-Feeling“ nach Deutschland zu holen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren?
Ich glaube, es geht weniger darum, etwas zu kopieren, sondern vielmehr darum, eine eigene starke Community aufzubauen. Eine Community, die Spaß an deutschen Stoffen, Themen und Geschichten hat und sich damit identifiziert. Wenn es gelingt, diese Begeisterung zu wecken, entsteht automatisch mehr Mitfiebern und emotionale Bindung. Genau daraus wächst dann auch dieses besondere „Oscar-Feeling“, ohne dass man die eigene Identität aufgeben muss.
Spielen Social Media und digitale Formate für die Zukunft des Filmpreises eine größere Rolle, um jüngere Zielgruppen zu erreichen?
Ich denke Social Media spielt überall mittlerweile eine große Rolle, gerade in Bezug auf jüngere Generationen. So natürlich auch beim Filmpreis, der bereits heute einen klaren Fokus auf diese jüngere Zielgruppe legt und etwa durch kurze Videoformate oder Behind-the-Scenes-Inhalte. Die Entwicklung geht also nicht erst in diese Richtung, sondern ist längst Teil der Kommunikationsstrategie. Die eigentliche Herausforderung liegt eher im Spagat: Einerseits sollen junge Zielgruppen über digitale Kanäle abgeholt werden, andererseits darf das ältere Publikum nicht vernachlässigt werden, das ebenfalls zunehmend aktiv auf Social Media ist und weiterhin klassische Formate und eine gewisse inhaltliche Tiefe erwartet. Die Zukunft des Deutschen Filmpreises wird unter anderem auch davon geprägt sein, wie gut dieser Balanceakt zwischen Innovation und Tradition gelingt.
Als Schauspielerin erleben Sie selbst Preisverleihungen aus verschiedenen Perspektiven. Was macht für Sie eine wirklich gelungene Gala aus?
Für mich macht eine gelungene Gala aus, wenn ich das Gefühl habe, die Nominierten und Gewinner*innen und die Branche an sich wurden wirklich gewertschätzt und die Auszeichnung Substanz hat. Man verbringt eine schöne Zeit zusammen und hat sich dafür besonders schick angezogen und das Event handelt dabei noch so nachhaltig wie möglich.
Wie wichtig sind solche Veranstaltungen heute überhaupt noch für die Filmbranche – gerade in Zeiten von Streaming und veränderten Sehgewohnheiten?
Solche Veranstaltungen sind heute nach wie vor sehr wichtig für die Filmbranche gerade in Zeiten von Streaming und veränderten Sehgewohnheiten. Sie sind ein relevanter Moment, um das Kino zu feiern: ein Ort, an dem sich die Filmbranche begegnen, gemeinsam feiern und zeigen darf, was sie im letzten Jahr alles geschaffen hat. Durch die Bildschirme wird das Ganze zusätzlich mit den Zuschauer*innen geteilt, was diese Verbindung noch verstärkt. Das empfinde ich nach wie vor als wahnsinnig wertvoll und bin dankbar, ein Teil davon sein zu dürfen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wie sollte der Deutsche Filmpreis in fünf oder zehn Jahren aussehen?
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass der Deutsche Filmpreis in fünf oder zehn Jahren noch mehr Offenheit und Neugier beim Publikum für deutsche Filme schafft. Dass er noch nachhaltiger, diverser, strahlender und voller toller Filmschaffender ist. Dass er von einem Publikum begleitet wird, das sich über all die vielfältigen Geschichten freut, sie annimmt und feiert.
Danke für Ihre Zeit!
«Der deutsche Filmpreis» ist am Freitag, den 29. Mai, ab 19.30 Uhr in der ARD Mediathek zu sehen. Ab 22.20 Uhr läuft im Ersten die Sendung zeitversetzt.
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