Die Kritiker: «Ein starkes Team – Mörderische Gier»

Bei der Berliner Wohnungsnot wird wohl so mancher zum Mörder. «Ein starkes Team» ermittelt diesmal im Mietermilieu.

Stab

Darsteller: Florian Maertens, Stefanie Stappenbeck, Arnfried Lerche, Lucas Reiber, Eva Sixt, Paul Wollin
Schnitt: Susann Wetterich
Musik: Christian Meyer
Kamera: Henning Jessel
Drehbuch: Timo Berndt
Regie: Sven Fehrensen
Mit «Ein starkes Team» hat das ZDF nunmehr seit Jahrzehnten eine jener Reihen im Programm, die man vermutlich weniger aus Vorfreude einschaltet als aus Gewohnheit. Man weiß ungefähr, was kommt: ein solider Fall, ein paar routinierte Dialoge, Berliner Milieu, ein Schuss Humor, dazu Gesichter, die inzwischen selbst dann Ermittlerautorität ausstrahlen, wenn sie bloß einen Kaffee bestellen. Auch «Mörderische Gier», inszeniert von Sven Fehrensen, bewegt sich exakt in diesem Spannungsfeld aus Verlässlichkeit und kreativer Ermüdung.

Dabei klingt der Ausgangspunkt zunächst vielversprechend. Die ermordete Amina Weber, gespielt von Xenia Assenza, wird im Keller eines Mietshauses der Berlin Heim AG gefunden – ein klassischer Auftakt für einen Krimi, der gesellschaftliche Themen streifen möchte. Wohnungsmarkt, Gentrifizierung, dubiose Finanzierungsmodelle, prekäre Arbeitsverhältnisse: Das Drehbuch von Timo Berndt wirft vieles in den Topf. Vielleicht ein bisschen zu viel.

Denn «Mörderische Gier» leidet vor allem darunter, dass der Film ständig wichtiger wirken möchte, als er tatsächlich ist. Die Geschichte rund um die Berlin Heim AG, windige Bankgeschäfte und manipulierte Mieter hätte genügend Stoff für einen konzentrierten Wirtschaftskrimi geliefert. Stattdessen verzettelt sich das Drehbuch in einer Verdächtigenparade, die zunehmend mechanisch wirkt. Jeder bekommt einmal seinen ominösen Blick, jeder scheint etwas zu verbergen, jeder wird kurzzeitig als Täter gehandelt. Das kennt man aus der Reihe natürlich, aber hier fällt besonders auf, wie konstruiert manche Wendungen daherkommen.

Trotzdem funktioniert der Film immer dann, wenn er sich auf seine Figuren verlässt. Florian Martens spielt Otto Garber mit jener lakonischen Ruhe, die die Reihe seit Jahren trägt. Sein Zusammenspiel mit Stefanie Stappenbeck als Linett Wachow besitzt noch immer eine angenehme Selbstverständlichkeit. Gerade die kleinen Momente zwischen den Ermittlungen – ein trockener Kommentar, ein genervter Blick, ein halbironischer Schlagabtausch – haben mehr Charme als viele der eigentlichen Spannungsmomente. Man merkt allerdings auch, dass sich die Serie zunehmend auf genau diese Routine verlässt.

Visuell präsentiert sich der Film professionell, wenn auch ohne besondere Handschrift. Die Kameraarbeit von Henning Jessel setzt auf die inzwischen übliche Mischung aus kalten Berliner Straßenzügen, leicht entsättigten Innenräumen und betont nüchternen Bildern. Das sieht ordentlich aus, erzeugt aber selten Atmosphäre. Gerade die Schauplätze rund um die Mietshäuser hätten mehr bedrückende soziale Realität vertragen können. Stattdessen bleibt vieles sauber ausgeleuchtet und erstaunlich fern jeder echten Großstadttristesse.

Am Ende steht so ein Film, der durchaus Tempo hat, sowie solide Darsteller und ein Thema, das zumindest Ansätze gesellschaftlicher Relevanz erkennen lässt. Nur fehlt letztlich der Mut, daraus wirklich etwas Unbequemes zu machen. So bleibt «Mörderische Gier» ein typischer Vertreter seiner Reihe: kompetent gespielt, sauber inszeniert, gelegentlich spannend, aber nie wirklich zwingend. Ein Krimi, der seine Zuschauer zuverlässig durch den Abend bringt, ohne lange nachzuhallen.

Der Film «Ein starkes Team – Mörderische Gier» wird am Samstag, den 16. Mai um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
15.05.2026 11:20 Uhr Kurz-URL: qmde.de/171797
Oliver Alexander

super
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